Die „verfluchten“ Zwangsvertreiber und die Verantwortung westlicher Geber

11. November 2010

Die Verwaltung des Stadtbezirks Daun Penh hat den betroffenen Familien am See Boeung Kak eine siebentägige Frist gestellt, gegen eine Entschädigung von umgerechnet rund 8500 USD ihre Häuser zu verlassen. Andernfalls würden harte Maßnahmen ergriffen, und für den sonstigen Besitz der Menschen könne dann auch keine Garantie mehr übernommen werden. Dabei ist offensichtlich, dass das angebotene Geld nur einen Bruchteil des tatsächlichen Wertes der Immobilien darstellt. In ihrer Verzweiflung haben zwanzig Repräsentanten von rund 2000 Familien in sieben betroffenen Dörfern am Unabhängigkeitstag am Preah Ang Dorng Keur, einem wichtigen religiösen Schrein zwischen dem Königspalast und dem Tonle Sap, eine buddhistische Zeremonie abgehalten. Mit dem spirituellen Abbrennen von Weihrauchstäbchen wurde die involvierte Firma Shukaku rituell verflucht. Eine Dorfbewohnerin meinte, dass nur die Gottheit die Kraft besäße, Premierminister Hun Sen Elend und Verzweiflung der Menschen vor Augen zu führen. Sie wüssten nicht, wo sie bald leben könnten

Ob der sehnliche Wunsch nach Rettung in höchster Not in Erfüllung geht, ist mehr als fraglich: Besitzer von Shukaku Inc. ist Lao Meng Khin, Parteifreund von Hun Sen und durch seine Mitgliedschaft im kambodschanischen Senat vor Strafverfolgung geschützt. Von den zahlreichen offiziellen Entwicklungsorganisationen, die auch nach fast zwei Jahrzehnten politischer Erfolglosigkeit weiterhin gebetsmühlenartig die Notwendigkeit eines politischen Dialogs mit der Regierung betonen, hat sich allerdings noch niemand in dieser Angelegenheit geäußert. Und selbst wenn: Hat schon jemals ein Dieb sein Opfer verschont, nur weil jemand anderes mit dem Übeltäter einen Dialog geführt hat? Und wenn dieser Dialog auch nach knapp zwanzig Jahren noch immer keine sichtbaren Resultate gebracht hat: Was veranlasst politische Berater und Entwicklungshelfer zu behaupten, dass es bald anders sein würde? Doch nur ihre üppigen Gehälter!  

Bald könnte es also sein, dass nicht nur kambodschanische Firmen, sondern ganze Staaten mit Flüchen belegt werden…

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