Schlupflöcher im Malaysia-Moratorium – Menschenhandel läuft weiter wie geschmiert

Politik funktioniert meistens doch nicht: Aus Kambodscha dürfen weiter munter Haushaltshilfen für den malaysischen Arbeitsmarkt ausreisen. Die von Premier Minister Hun Sen getroffene Entscheidung, junge kambodschanische Frauen (und notfalls auch Männer) nicht weiter nach Malaysia emigrieren zu lassen, ist massiv aufgeweicht worden: Alle Arbeitskräfte, die bereits über gültige Verträge verfügen, sind von dem Moratorium nicht betroffen. Nur neue Anwerbungen dürfe es nicht mehr geben.

Verschiedene Menschenrechtsorganisationen und Journalisten hatten sich bereits am Montag am internationalen Flughafen von Phnom Penh eingefunden und von den dort eincheckenden Reisegruppen berichtet, darunter auch die Phnom Penh Post. An dem Tag sollen mehr als 30 Frauen, alle erkennbar an ihren Uniformen und den für Kambodscha völlig untypischen Pagenfrisuren, ihren Weg nach Kuala Lumpur angetreten haben. Om Mean, Staatssekretär im Arbeitsministerium, geht derzeit von 3000 bis 7000 Kambodschanerinnen aus, die noch völlig legal als Arbeitskräfte nach Malaysia werden ausreisen dürfen.

Das Geschäft mit dem „Menschenhandel“ – so ein Mitarbeiter des zivilgesellschaftlichen Community Legal Education Centre (CLEC) – wird also wohl noch rund ein halbes Jahr ungebremst weitergehen. Und von dem Geschäft werden weiter viele Geschäftsleute und wohl auch Politiker profitieren – im Gegensatz zu den jungen Frauen, die weiter am Ende der Verwertungskette stehen und dafür teilweise einen hohen Preis zu entrichten haben.

„Kafkaesk“ sei es daher, so ein Mitarbeiter der Menschrechtsgruppe Licadho gegenüber der Phnom Penh Post, dass Kambodscha von der ASEAN just die Verantwortlichkeit übertragen kam, die Probleme der regionalen Arbeitsmigration anzugehen. Denn Kambodscha scheint seine Funktion im internationalen Menschenhandel wieder zu stärken: Erst Anfang dieses Monats hatte der Auswärtige Ausschuss des US-Repräsentantenhaus entschieden, Kambodscha als „Tier 3“-Land zu führen – die niedrigste Kategorie, mit der nicht nur das florierende Geschäft der Menschenhändler, sondern auch die politische Gleichgütigkeit darüber dokumentiert wird. Kambodscha ist derzeit noch als „Tier 2“-Land ausgewiesen, wird aber mit der Herabstufung nicht mehr in den Genuss amerikanischer Entwicklungshilfe kommen.

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