Kambodscha im Kino

Mahnwache am Bundesplatz in Berlin: Knapp 20 Personen demonstrierten am Montag gegen die Politik der kambodschanischen Regierung. (Foto: Lina Tach)

Mahnwache am Bundesplatz in Berlin: Knapp 20 Personen demonstrierten am Montag gegen die Politik der kambodschanischen Regierung. (Foto: Lina Tach)

Rithy Panh ist in aller Munde – schließlich ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass der Franco-Khmer am Wochenende für Kambodscha den ersten Academy Award in der Sparte „Bester fremdsprachlicher Film“ gewinnt. Der im März 2013 erschienene Film Das fehlende Bild hat bereits bei den bedeutenden Filmfestspielen in Cannes triumphiert. In der Nacht zu Montag wird feststehen, ob Rithy Panh auch mit dem Oscar ausgezeichnet wird – auch wenn diese Entscheidung natürlich keine Bedeutung für den besonderen kulturellen Wert des Films hat. Dennoch: Eine ganze Nation, die mit nationalen, identitätsstiftenden Symbolen nicht besonders reich gesegnet ist, wird gespannt gen L.A. schauen. Denn es gibt für die Khmer – leider – jenseits der historischen Errungenschaften der Hochkultur Angkors nicht viele Anlässe, stolz auf das eigene Land zu sein.

Eine Woche später, am 9. März, zeigt das Arri-Kino in München in Kooperation mit der örtlichen Gruppe von Human Rights Watch ab 11.30 Uhr den Film als ersten Teil von vier Sonntags-Matinees noch einmal. Im Anschluss daran steht der Autor dieses Blogs den Zuschauern Rede und Antwort (ich hoffe mal, dass meine Strahl- und Anziehungskraft nicht schwächer ist als die von Nadezhda Tolokonnikova und Mariya Alyokhin von „Pussy Riot“, die zwei Wochen später da sind 😉 Alle Kambodscha-Interessierten sind jedenfalls herzlich eingeladen).

Auch in Berlin wird Kambodscha im Kino thematisiert. Der Dank hierfür gilt vor allem dem Fotographen Tim Page, der im Auftrag der GIZ Kambodschaner in Szene gesetzt hat, welche im Rahmen eines Projekts eher unverhofft zu Landbesitzern geworden waren. Pages „Fotografische Vermessung“, die im Kino am Bundesplatz in Teilen ausgestellt wird, ist auch Gegenstand des Films „A new page“ von Nico Mesterharm, der das Meta-House in Phnom Penh leitet. In dem Kino, wo am Montag die Vernissage der Ausstellung stattfand, findet noch bis zum 5. März eine kambodschanische Filmwoche statt.

Bei der Veranstaltung präsentierten sich mit Stefanie Ruff vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie Franz-Volker Müller, dem Leiter des Programms Beitrag zur Sicherung der Landrechte in Kambodscha der GIZ auch zwei Persönlichkeiten, die eine Menge Verantwortung für die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland mit Kambodscha tragen. Das Unbehagen, das einige Beobachter bei der Frage, wie unser Steuergeld in Kambodscha eingesetzt wird, hatten, wurde bei dieser Gelegenheit jedenfalls klar artikuliert. Susanne Lenz von der überaus seriösen Berliner Zeitung beurteilt die Vernissage ziemlich unmissverständlich als „Propagandaveranstaltung“, in der der „Eigenlob“ an erster Stelle stand.

Den stärksten Moment hatten daher die knapp zwanzig deutsch-kambodschanischen Demonstranten, die sich vor dem Kino zu einer Mahnwache versammelt hatten. Ihr Protest gegen die Politik der kambodschanischen Regierung darf durchaus auch als Hinweis verstanden werden, die Art und Weise der deutschen Entwicklungshilfe mit Kambodscha zu überdenken.

Dass diese Ansicht immer mehr Befürworter findet, sollte sich langsam auch in den wohlklimatisierten Büros des BMZ und der GIZ herumsprechen. Hoffentlich.

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