Prominenter Regierungskritiker ermordet

Kem LeyKem Ley, der Gründer der Graswurzelpartei, ist am heutigen Sonntagmorgen bei einem feigen Attentat in der Caltex-Tankstelle an der Kreuzung Monivong- und Mao Tse Tung-Boulevard ermordet worden. Feige deswegen, weil er hinterrücks erschossen wurde, getroffen von drei Kugeln einer Handfeuerwaffe. Ein Verdächtiger wurde bereits festgenommen; nach Angaben der Polizei habe er ausgesagt, das Opfer habe ihm Geld geschuldet. Kem Ley wurde 45 Jahre alt.

Kem Ley hatte sich in den vergangenen zwei Jahren einen Namen als seriöser wie kritischer Kommentator gemacht, der vor allem von den lokalen englischsprachigen Medien regelmäßig um Einschätzungen zu politischen Entwicklungen gebeten worden war. Man kann nicht sagen, dass er dabei gewisse Grenzen überschritten oder gar das Regime angegriffen habe; Kem Ley war lediglich ein unabhängiger Kopf und ist wohl in erster Linie aufgrund dieser Eigenschaft heute zu einem Bauernopfer in einem politischen Kräftemessen geworden, das Kambodscha seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr erlebt hat.

Mit dem Mord bestätigt das Regime nicht nur seinen Hang zur ultimativen Gewaltanwendung als konstituierenden Charakter, den einige ob der oberflächlichen Ruhe in den letzten Jahren bereits vergessen hatten, sondern auch den Existenzkampf, in dem es steckt. Was Hun Sen und seine Führungsclique zu verlieren haben, wurde erst am Donnerstag durch einen neuerlichen Bericht der Organisation Global Witness deutlich, in dem die weitverzweigten Unternehmensbeteiligungen von Hun Sens Kindern, Schwiegertöchtern und -söhnen dargestellt wurden. Phnom Penh Post und Cambodia Daily, die über den Bericht vorab informiert waren und ausführlich darüber berichteten, sahen sich im Anschluss daran heftiger Kritikinklusive Entlehnung aus der Nazi-Hetzzeitung Der Stürmer – ausgesetzt.

Nachdem in den letzten Wochen auch die internationale Kritik an den zunehmenden Repressionen in Kambodscha lauter geworden war, musste das Regime den Global Witness-Report und die damit zusammenhängende Berichterstattung als Frontalangriff verstehen. Nun hat es gezeigt, wozu es in der Lage ist, wenn es sich in Defensive gedrängt fühlt oder die Kontrolle zu verlieren glaubt. Dabei ist es nicht ohne Tragik, dass sich Kem Ley zu alldem in dieser Woche nicht geäußert hatte, aber das allein hat ihn nicht geschützt. Trotz aller Trauer, Bestürzung und Anteilnahme, die heute im Vordergrund stehen, muss der Blick nach vorne gerichtet werden – und da drängen sich zwei Fragen auf: Wie sehr wird dieser Mord die anderen Streiter für Freiheit und Demokratie beeindrucken? Und wenn die Antwort lautet, dass sie sich dieses Mal kaum beeindrucken lassen und sich weiter mit friedlichen Mitteln für ihre Sache einsetzen werden: Wird Hun Sen weiter an der Eskalationsschraube drehen?

Und wenn ja, wie weit?

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Eine Antwort zu Prominenter Regierungskritiker ermordet

  1. unn rada schreibt:

    Warum nur oposition? kem ley chea vichea

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