Wenn Kultur zur Disposition steht

 26. August 2010

Ist auch Kultur ein Menschenrecht? Sie hat sich über Jahrtausende hin entwickelt und prägt die Identität von Menschen ihr Leben lang. Sie ist entscheidend für Werte und Normen, Sitten und Gebräuche – kurz, sie bietet Orientierung und Sicherheit. Kultur ist die Nahrung der Seele, sie ist mannigfaltig und hinsichtlich vieler ihrer Ausdrucksformen schützenswert. Dass dazu auch historische Gebäude zählen, ist grundsätzlich unbestritten. Der Wert, der von kambodschanischer Seite vor allem jenen Bauwerken aus der Kolonialzeit entgegengebracht wird, scheint jedoch nicht besonders hoch zu sein, wie der Southeast Asia Globe bereits im Juli berichtete. Zahlreiche Häuser landesweit stehen Entwicklungsprojekten im Weg; darunter sind nicht nur viele schlecht gepflegte Objekte, sondern auch einige Perlen, etwa das Hotel Renakse oder das Hauptpostamt in Phnom Penh. Insbesondere das Hotel, optisch kongenial in das Gebiet rund um den Königspalast eingebettet, sieht einer ungewissen Zukunft entgegen. Dabei sind es nicht die gewöhnlichen Spekulanten oder raffgierige Unternehmer, die hier am Werke sind, sondern die regierende Kambodschanische Volkspartei (KVP), die – juristisch nicht ganz unumstritten – als Eigentümerin andere Pläne verfolgt. Die Hauptstadt genieße als Touristenziel keine Priorität mehr, im Gegensatz zu Angkor und der Küste, so eine Vermutung. Sicherlich spielen auch Mängel in historischer Bildung und ästhetischer Erziehung eine Rolle. Es ist allerdings kein neues Bild, dass sich in den Augen Kambodschanischer Politiker der schnöde Mammon in den Augen spiegelt. Der Verlust eines Kulturgutes, das nur als Kulisse taugt und sonst kaum finanzielle Vorteile bietet, scheint wohl verschmerzbar. Nur: Was ist denn überhaupt noch  schützenswert, wenn man Menschen Kultur und damit Identität, Sicherheit und Orientierung nimmt? Es ist ja schließlich nicht so, dass durch den Abriss des Hotels Renakse irgendein materieller Vorteil für die Allgemeinheit entstünde – hier wird wie so häufig wieder einmal nur ein Partikularinteresse bedient.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Kultur und Religion abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Wenn Kultur zur Disposition steht

  1. Pingback: Die Satellitenstädte Phnom Penhs: Ein weiteres Beispiel der asymmetrischen Entwicklung Kambodschas | Kambodscha-Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s