Massenpanik: Doch weniger Tote und Verletzte

25. November 2010 | Von Markus Karbaum | Keine Kommentare »

Das mit dem Unglück vom Montag befasste Regierungskomitee hat die Zahl der Todesopfer drastisch nach unten korrigiert. Laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua seien „nur“ 347 Menschen ums Leben gekommen (unter ihnen 126 Männer und 221 Frauen), außerdem habe es nur 395 anstatt 755 Verletzte gegeben. Man mag sich trotz aller gebotenen Pietät und Dezenz schon fragen, ob es sich hier wieder einmal nur um ein peinliches Stück aus dem kambodschanischen Tollhaus handelt, dass man sich sogar beim Abzählen der Opfer vertut. Was ist denn mit der Differenz von vormals 456 ums Leben gekommenen Menschen? Sind das auch Tote, nur aus anderen Zusammenhängen? Oder will man sich bloß einige Entschädigungszahlungen sparen? Die kambodschanischen Behörden zeigen sich nach dem tragischen Unglück genauso überfordert wie vorher auch, als sie es versäumt haben, für angemessene Sicherheitsmaßnahmen zu sorgen. Letztendlich soll die Brücke geschwankt haben, was die Massenpanik ausgelöst habe, aber auch den Behörden sollte man diesbezüglich nicht trauen. Der Fisch stinkt, wie bei so vielen Angelegenheiten auch, vom Kopf, und Aufklärung können nur unabhängige internationale Ermittler gewährleisten, denn der kambodschanischen Regierung fehlt der politische Wille, eine ernst gemeinte, schonungslose und vor allem öffentliche Untersuchung zu erlauben. Das Unglück ist Ausdruck so massiver maroder, von Korruption, Ineffizienz und Inkompetenz zersetzter Staatsstrukturen und könnte die auch gar nicht ausklammern, wollte man zum Kern des Unglücks durchdringen. Aber solange der Machterhaltungstrieb einzelner und persönliche Bereicherungsziele das politische System derart dominieren, bleiben solche Unglücke auch weiterhin absehbare Kollateralschäden.

Und so dominieren wieder Gesten das Geschehen, die ein Beobachter vor einigen Jahren ob ihrer weiten Verbreitung treffend „theatralische Schauspiele“ nannte. So wie die große öffentliche Gedenkfeier am Donnerstag, auf der sogar der mächtige Premierminister seine Tränen nicht zurückhalten konnte. Was für eine Geste, die man nur verstehen kann, wenn man Hun Sen und die kambodschanische Sitten kennt!

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