Brüchige Waffenruhe

29. April 2011

Die am Donnerstag vereinbarte Waffenruhe wird nicht eingehalten: So sollen thailändische Artilleriegranaten in das Gebiet um die Tempel Ta Moeun und Ta Krabei eingeschlagen sein, berichtet Xinhua. Da allerdings ein thailändischer Soldat ums Leben gekommen ist, hat es offenbar auch wieder direkte Gefechte gegeben. Die Regierung in Phnom Penh hat unterdessen den internationalen Gerichtshof angerufen und um Klarstellung bezüglich des Urteils von 1962 gebeten, womit damals der Tempel Preah Vihear Kambodscha zugesprochen worden war. Dies sei, wie AFP das Außenministerium zitiert, von größter Notwendigkeit, um den Grenzkonflikt friedlich beizulegen.

Derweilen nimmt die Propagandaschlacht an Schärfe zu: Kambodscha beschuldigt seinen Gegner, chemische Waffen eingesetzt zu haben. Ob, wie behauptet wird, tatsächlich mit „Giftgas“ befüllte Artilleriegranaten eingesetzt wurden, hat sich bisher noch nicht einmal ansatzweise belegen lassen. Umgekehrt führt Thailand laut Pattaya Daily News ins Feld, kambodschanische Soldaten haben Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht.  Entsprechende Beweisfotos erscheinen jedoch mehr als fragwürdig, jedenfalls genauso wie die Erklärung auf der Newsplattform KI-Media, es sei in Kambodscha üblich, dass Familien die Soldaten an die Front begleiteten.

Weiter behauptet Thailand, es seien weit mehr kambodschanische Soldaten gefallen als öffentlich zugegeben wird. Diese schweren Verluste seien auch ausschlaggebend für Kambodschas Bitte um einen Waffenstillstand gewesen. Attackiert wird die Regierung in Phnom Penh nun auch von der Opposition: Sam Rainsy, exilierter Präsident der nach ihm benannten SRP, hat Regierungschef Hun Sen und seine Minister zum Rücktritt aufgefordert, sofern sie den Grenzkonflikt nicht friedlich beilegen und weitere Gebietsverlust im Westen und Osten vermeiden könne. Solche Rücktrittsforderungen sind für kambodschanische Verhältnisse äußerst unüblich und hat es trotz zahlreicher Skandale und endemischer Korruption seit vielen Jahren nicht mehr gegeben.

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