Kambodschas Aufschwung hält an – trotz schwieriger Rahmenbedingungen

Es sind fraglos beeindruckende Daten, die zum Jahreswechsel bekannt werden: Kambodscha erholt sich weiter von der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise und steuert auf neue Rekordmarken zu: Die Reisernte stieg 2011 trotz der Überschwemmungen in einigen Landesteilen um 1,8% auf 8,4 Mio. Tonnen, was rund drei Tonnen pro Hektar entspricht. Freuen kann sich auch die Tourismusbranche: Die Besucherzahlen stiegen um satte 15% auf, von Januar bis Oktober kamen 2,31 Mio. Menschen nach Kambodscha. Die Einnahmen aus dem Fremdenverkehr dürften in diesem Jahr daher erstmals die Grenzen von zwei Milliarden US-Dollar übersteigen. Noch beeindruckender fallen die Gesamtausfuhren aus: Bis November exportierte das Königreich Güter und Dienstleistungen im Wert von 4,5 Mrd. USD, was einem Anstieg von sage und schreibe 42% entspricht. Den Bärenanteil nahmen dabei die Exporte der Textilindustrie ein, deren Ausfuhren mit 3,95 Mrd. USD abgegolten wurden (plus 40%). Auch landwirtschaftliche Produkte wie Reis, Cashewnüsse und Kautschuk erfreuen sich dreistelliger Wachstumsschübe, wenn auch immer noch auf einem geringen absoluten Niveau. Da aber auch die Importe um 40% auf knapp sechs Milliarden US-Dollar gestiegen sind, bleibt der Saldo der Handelsbilanz wie in den vergangenen Jahrzehnten weiter negativ.

Dennoch können diese Daten nicht darüber hinwegtäuschen, dass Wohlstand und Einkommen nach wie vor sehr unterschiedlich verteilt sind. Das Land gehört nach wie vor zu den Least Developed Countries (LDC) mit weit verbreiteter Armut und erheblichen sozialen Problemen. Gerade in der Ungleichheit – Phnom Penh verfügt beispielsweise über die höchste Dichte an Luxus-Pkws weltweit – hebt sich Kambodscha sogar noch deutlich von anderen Ländern in der Region ab. Der jüngst veröffentlichte Legatum Prosperity Index 2011 zeigt jedoch recht eindrucksvoll, dass das allgemeine Wohlbefinden sehr viel positiver entwickelt ist als das Einkommen – und dieses Gefälle ist in der ganzen Asiatisch-Pazifischen Region nirgendwo so deutlich (während nicht nur das Einkommen, sondern auch das Wohlbefinden absolut gesehen im Vergleich zu den anderen Ländern Südostasiens am schwächsten ausgeprägt ist).

Der Index behandelt aber noch andere Bereiche, in denen Kambodscha regional gesehen den drittletzten Platz einnimmt – nur Bangladesch und Pakistan schneiden noch schlechter ab. Relativ gut (besser gesagt: weniger schlecht) wird die Volkswirtschaft des Landes, seine Governance-Strukturen und die Sicherheitslage beurteilt, während Kambodscha in den Bereichen Unternehmensgründung, Bildung, Gesundheit, persönliche Freiheit und Sozialkapital im Vergleich zu anderen Staaten sehr schlecht abschneidet.

Trotz aller guten Zahlen bleibt also weiter viel zu tun.

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