Kambodscha blüht nicht auf

Wie empfinden Menschen ihr Leben und was erwarten sie für die Zukunft? Mit diesen Fragen hat das amerikanische Meinungsforschungsinstitut Gallup eine weltweite Vergleichsstudie in 146 Ländern durchgeführt und dabei für Kambodscha desaströse Werte ermittelt. Während im Durchschnitt 24 Prozent ihr Land als „aufblühend“ oder „gedeihend“ wahrnehmen, sind es in Kambodscha nur zwei Prozent – was den letzten Platz bedeutet. Die jeweils rund eintausend persönlich oder telefonisch befragten Teilnehmer der repräsentativen Erhebung wurden  dabei gebeten, ihre aktuellen Lebensumstände zu bewerten und einen Ausblick auf die Zukunft in fünf Jahren zu wagen. Daraufhin wurden sie drei Kategorien zugeordnet, „aufblühend/gedeihend“, „kämpfend“ und „leidend“ (Englisch: thriving, struggling und suffering). Wie das amerikanische Nachrichtenprotal United Press International weiter berichtet, seien regional die niedrigsten Werte in Subsahara-Afrika mit zwölf Prozent in der höchsten Kategorie gemessen worden, während Dänemark mit 74 Prozent vor den Niederlanden und Kanada mit jeweils 66 Prozent an der Spitze stehen.

Diese sehr schlechten Ergebnisse für Kambodscha kommen aber keineswegs überraschend. Extreme Armut gehört auch nach über 33 Jahren nach dem Ende der Terrorherrschaft der Roten Khmer zu den gesellschaftlichen Realitäten des Landes. Die meisten Khmer bleiben von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung des Landes abgekoppelt, weil die politische Elite nicht dem Allgemeinwohl verpflichtet ist, sondern lediglich die eigenen monetären Interessen im Blick hat und konsequent danach handelt. Tagtägliche Berichte zu Zwangsvertreibungen und anderen Menschenrechtsverletzungen sind der reale Hintergrund dieser Zahlen. Allgemein wird die Vernachlässigung des Gemeinwohls in Kambodscha unter dem Begriff „Korruption“ subsumiert, und da passt die Nachricht von Voice of America vom selben Tag gut ins Bild: Korruption sei in Kambodscha laut Transparency International „systematisch“, im aktuellen Corruptions Perceptions Index (CPI) der deutschen Nichtregierungsorganisation nimmt das Land Platz 164 unter 183 Staaten ein.

Nicht, dass diese Nachricht wirklich überrascht, denn diese wissenschaftlichen Erkenntnisse liegen bereits seit Jahren vor, aber bekanntlich dauert es oft eine gewisse Zeit, bis sie sich in der Öffentlichkeit durchsetzen.

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