Kambodschas NOK botet seinen Vorzeigeathleten aus

Sport hat in Kambodscha keine große Tradition. Kulturelle Eigenheiten wie etwa der klassische Tanz werden nicht selten als Ausdruck des Strebens nach energiesparender Bewegung gedeutet. Und auch in anderen Alltagssituationen gehört Langsamkeit durchaus zu einem Wesensmerkmal der Khmer, nicht zuletzt deswegen, um in der brütenden Hitze bloß nicht ins Schwitzen zu kommen. Außerdem bedingen sportliche Höchstleistungen eine reichhaltige Ernährung und entsprechende Trainingsmöglichkeiten, woran es Kambodscha ebenfalls mangelt. Insofern haben es kambodschanische Leistungssportler schwer, sich gegen die internationale Konkurrenz durchzusetzen und Aufmerksamkeit in der Heimat zu erlangen.

Eine der ganz wenigen Ausnahmen ist der 26-jährige Mittel- und Langstreckenläufer Hem Bunting, der zwar nicht als Weltklasseleichtathlet bekannt ist, aber mit respektablen Leistungen sein Geburtsland würdevoll vertritt. In der Vergangenheit hat er an zwei Leichtathletik-Weltmeisterschaften und den olympischen Sommerspielen in Peking teilgenommen. Doch ein Start im Sommer in London ist in weite Ferne gerückt, seit der japanische Fernsehkomiker und Hobby-Läufer Hiroshi Neko an einigen Halb-Marathons in Kambodscha teilgenommen hatte und 2011 eingebürgert worden war. Da Hem Bunting trotz seines Landesrekords von 2:23,29 Stunden – just aufgestellt am 15. April 2012 in Paris – die internationalen Qualifikationsstandards um fünfeinhalb Minuten verpasste und nur über die nationale Quote hätte teilnehmen können, lag die Nominierung allein im Ermessen des Nationalen Olympischen Komitees (NOK). Und ganz offensichtlich spielte es bei der Entscheidung für den 34-jährigen gebürtigen Japaner auch keine Rolle, dass seine Bestzeit rund sieben Minuten hinter der des Mannes aus Stung Treng liegt.

Wie die japanische Zeitung Jiji-Daily Yomiuri (übernommen von einem äthiopischen Internetportal) nun berichtet, wolle der internationale Leichtathletikverband IAAF nun die genauen Umstände der Nominierung von Hiroshi Neko untersuchen. Dessen Aufstellung für London fuße nicht nur auf der Einbürgerung, die gerade deswegen erfolgt sein soll, sondern auch auf einer „Spende“ über 20.000 bis 30.000 US-Dollar, so die Zeitung. Außerdem verfügt er mit NOK-Generalsekretär Vath Chamroeun über einen ausgewiesenen Förderer, während Hem Bunting nach seiner Kritik an den Trainingsbedingungen im letzten Jahr die nationale Athletengruppe verließ und seitdem alleine trainiert. Und das dürfte ihm im Land der ausgeprägten Hierarchien alles andere als Sympathien unter den Sportfunktionären bereitet haben.

Aber bekanntlich ist Kambodscha auch das Land der endemischen Korruption. Und so zeigt sich einmal mehr, dass den Eliten die eigenen Landsleute herzlich egal sind, wenn denn ordentlich Reibach gemacht werden kann. Das Signal, das von dieser Entscheidung ausgeht, ist aber nicht für den kambodschanischen Sport fatal, sondern zeigt den Khmer auch ganz allgemein, wie begrenzt ihre eigenen Aufstiegschancen sind, auch wenn ihre persönliche Leistungsbereitschaft stark ausgeprägt sein sollte.

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