Chut Wutty: Ein Staat macht sich schuldig

Drei Tage nach dem gewaltsamen Tod des Umweltschützers Chut Wutty bleiben die genauen Umstände des Falls weiter rätselhaft. Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, haben die Royal Cambodian Armed Forces (RCAF) am Freitag nach nur einem Tag die Ermittlungen dazu eingestellt. Wie u.a. der Sydney Morning Herald berichtet, habe der Soldat In Ratana versehentlich den Aktivisten erschossen und anschließend mit zwei Schüssen in den Magen und in die Brust Suizid begangen. Soweit die offizielle Version, der allerdings niemand Glauben schenken mag. Aufgrund dieser wahnwitzigen Erklärung deuten daher alle Indizien daraufhin, dass hier ein Mord vertuscht werden soll. Oder zwei Morde in einem Plot, in dem In Ratana mit seinem eigenen Ableben den größtmöglichen Preis eines Sündenbockes überhaupt zu zahlen hatte.

Licht ins Dunkle könnten die beiden Journalistinnen Phorn Bopha und die Kanadierin Olesia Plokhii (beide 27) vom Cambodia Daily bringen, die von Chut Wutty zu bestimmten Stellen im Kardamomgebirge begleitet wurden, um den dortigen illegalen Holzeinschlag zu dokumentieren. Doch eine öffentliche Stellungnahme liegt bisher nicht vor. Nach einem verstörenden Bericht des sonst nicht gerade als besonders kritisch bekannten Online-Portals Cambodia Express News hatten die beiden Frauen wohl großes Glück, überlebt zu haben. Sie waren am Freitagmorgen freigelassen worden und stehen der Weltöffentlichkeit – wenn schon nicht der wieder einmal untätigen kambodschanischen Justiz – hoffentlich noch als wichtige Zeugen zur Verfügung. Doch wo sich die Grenze zwischen Streitkräften und organisiertem Verbrechen schon lange aufgelöst hat, kann bereits ein falsches Wort fatale Folgen für das eigene Leben haben. Man kann davon ausgehen, dass dies den beiden Frauen in den gut 20 Stunden im Gewahrsam der Militärpolizei deutlich gemacht worden ist.

Während nun in den Nachrufen noch einmal das Wirken von Chut Wutty gepriesen und auf die großen Gefahren, denen er sich bewusst ausgesetzt hatte, hingewiesen wird, halten sich die staatlichen Stellen auffällig bedeckt. Ein dürres Statement eines Regierungssprechers, der alle Pistolen- Gewehrbesitzer auf die entsprechende Gesetze hinweist und daran erinnert, dass über ihren gesetzlosen Gebrauch die ganze Welt berichten kann, zeigt eher, dass sich Kambodschas Top-Politiker eher um das Ansehen des Landes sorgen als diesen Fall aufklären zu wollen. Und so macht sich der kambodschanische Staat wieder einmal schuldig, in dem er die wenigen mutigen Aktivisten durch Zutun oder Unterlassen zu Vogelfreien macht. Aber aus Sicht der Oppositionspolitikerin Mu Sochua sind auch Geber wie die Bundesrepublik Deutschland Teil des Problems. Sie schreibt in ihrem Blog:

“It is high time we question the strategy of donors-using back door diplomacy to deal with violation of human rights and the sale of Cambodia. […] Tax payers [of donor countries] need to know how assistance to Cambodia get to the people of Cambodia. Tax payers need to know why donors continue to set no conditions on aid. Donor complacency is part of the problem.”

In Nordafrika waren es Ereignisse vergleichbar mit dem Mord an Chut Wutty, welche die revolutionären Bewegungen auslösten, die letztendlich die autokratischen Herrscher in die Wüste schickten. Wie denken wohl die mutigen Streiter für Demokratie, Gerechtigkeit und Menschenrechte in Kambodscha über uns Deutsche, die Hun Sen treu zur Seite stehen? Und wie werden sie mit uns umgehen, wenn sie einst die Tyrannis überwunden haben?

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