Drama auf dem Norodom-Boulevard

Drei tote Kinder, darunter zwei Schwestern, und weitere sechs schwerverletzte Menschen: Lange hat es in Phnom Penh nicht mehr einen solchen Horrorunfall wie am letzten Freitag gegeben. Die Fahrerin, eine Tochter des stellvertretenden Direktors des Kandal-Krankenhauses, „pflügte“ (so die Phnom Penh Post) vor dem Innenministerium ihr Fahrzeug in eine Gruppe Fußgänger, Moped- und Radfahrer, nach dem sie auf der Höhe des Unabhängigkeitsdenkmals bereits einen anderen Unfall mit einem Mopedfahrer verursacht und sich im Anschluss eine Hochgeschwindigkeitsverfolgungsjagd mit der Polizei geliefert hatte.

So sinnlos der Vorfall auch sein mag: Die Phnom Penh Post erlaubt sich zumindest darauf hinzuweisen, dass es durchaus gefährlich sei, bei einem verursachten Unfall stehenzubleiben und auszusteigen. Der Grund erscheint nachvollziehbar: Selbstjustiz bis hin zum Lynchmord des umstehenden Mobs ist angesichts des desaströsen Vertrauens in Polizei und Gerichte leider immer noch keine Ausnahme. Deswegen glauben viele Kambodschaner, dass nur sie selbst für Gerechtigkeit sorgen zu können.

Dass dies in diesem Fall notwendig war, ist allerdings auszuschließen – schließlich versuchte die 23-jährige Medizinstudentin Keam Piseth Narita der Polizei zu entkommen, die sie und ihre beiden Brüder nach dem zweiten Unfall selbstverständlich geschützt hat. Laut Cambodia Herald wurde sie mittlerweile ins Gefängnis Prey Sar verlegt, ihr droht eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren. Für Empörung sorgten dagegen ihre Eltern: Sie besuchten zwar die Trauerfeiern der getöteten Kinder, boten deren Familienangehörigen aber sage und schreibe jeweils 500 US-Dollar für einen Verzicht auf die Strafverfolgung. Dies ist nach kambodschanischem Recht nach wie vor möglich: Man kann Menschen töten und sich von der Strafverfolgung freikaufen.

Doch die Eltern winken bisher ab: Sie wollen Gerechtigkeit für ihre toten Kinder – oder deutlich mehr Geld.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Gesellschaft abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Drama auf dem Norodom-Boulevard

  1. Pingback: Fast and the Furious in Thailand

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s