Der König ergreift Partei

Nachdem König Norodom Sihamoni nach vier Wochen in Peking (wo er sich wie immer zu angeblich ausgedehnten medizinischen Untersuchungen aufhielt) nach Kambodscha zurückgehrt ist, hat er sich zum ersten Mal seit seiner Thronbesteigung vor knapp neun Jahren aktiv in die Innenpolitik des Landes eingemischt, auf den ersten Blick zunächst ohne greifbaren Erfolg. Aber gerade weil der König angesichts der Dominanz des Regierungschefs und seines eigenen Naturells bisher nie über eine rein zeremonielle Bedeutung hinausgekommen ist, scheinen seine Worte vom Samstag – immer noch auf den ersten Blick – umso bemerkenswerter:

„With the aim to maintain the country’s peace and stability, I beg the leaders of the two parties to cooperate with each other in the spirit of mutual understanding in order to resolve political differences through peaceful talks.“

Obwohl es ihm gelang, die Streithähne Hun Sen und Sam Rainsy nach Jahren wieder an einen Tisch zu bekommen, bleibt auf den zweiten Blick völlig unklar, ob König Norodom Sihamoni aus eigenem Antrieb als Vermittler agiert hat oder dazu von Hun Sen mandatiert worden war.  Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass dem König bei praktisch allen öffentlichen Angelegenheiten die Hände gebunden sind, wenn er nicht zuvor die Erlaubnis des Regierungschefs erhalten hat.

Ein weiteres starkes Indiz dafür, dass Premierminister und König gemeinsame Sache machen, entstand durch die Ankündigung, Sihamoni werde am 23. September die neue Nationalversammlung feierlich eröffnen. Damit erkennt der König das umstrittene Wahlergebnis hochoffiziell an und brüskiert die Opposition und zahlreiche zivilgesellschaftliche Gruppen, die eine erhebliche Anzahl – und vor allem glaubwürdige – Belege für gravierende Unregelmäßigkeiten vorgebracht haben. Und er setzt indirekt die Opposition unter Druck, auf ihren angekündigten Boykott der konstituierenden Sitzung zu verzichten.

Will Sihamoni also den politischen Status quo zugunsten von Premierminister Hun Sen konservieren? Sein Verhalten legt das ziemlich nahe. Die Kambodschaner können sich jedenfalls darauf einstellen, einmal mehr von ihrem König enttäuscht zu werden.

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4 Antworten zu Der König ergreift Partei

  1. Pingback: Sihamoni’s Royal meeting with Cambodian ruling, opposition leaders abruptly ends | Living in Phnom Penh

  2. Pingback: Cambodia post-election – A small spark of hope? | Cambodia Elections 2013

  3. Matthias Wagner schreibt:

    Sehe ich genau so.
    M. Wagner

  4. Pingback: Kambodscha vor Staatskrise? | cambodia-news.net

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