Hun Sen setzt sich selbst ein Denkmal

…vielleicht weil er weiß, dass die Zeit drängt und er dabei nicht auf seine Nachfolger zählen kann. Deswegen hat der Regierungschef – viele andere Diktatoren haben es vorgemacht – nun ein zwanzigköpfiges Komitee ins Leben gerufen, das seine „Win-win-Politik“ (Originalzitat aus dem Cambodia Daily) in architektonischer Form angemessen würdigen soll – wobei schon diese Begründung eine bodenlose Unverschämtheit ist, da Hun Sens hochgradig korruptes, auf die Plünderung der Ressourcen des Landes ausgerichtetes Regime ein konsequentes Nullsummenspiel betreibt, also der Gewinn des einen speist sich allein aus dem Verlust des anderen.

Und während der selige Norodom Sihanouk  mit einer Statue gegenüber dem Unabhängigkeitsdenkmal in Phnom Penh beschieden wurde, soll Hun Sen einst auf einem 15 Hektar großem Areal – gestiftet von Ly Yong Phat, einem der umstrittensten Unternehmer Kambodschas – im Stadtteil Chroy Changva (auf der Halbinsel zwischen Tonle Sap und Mekong) gedacht werden, in dessen Mitte ein mindestens 50 Meter hohes Monument errichtet werden soll. Deren Grundmauern sollen der angkorianischen Tradition entsprechend mit Bas-Reliefs verziert werden, die die Entwicklungsgeschichte der letzten 30 Jahre erzählen sollen. Ob da wohl auch den hunderttausenden Opfern der Landkonflikte gedacht wird, die seitdem Kambodscha heimsuchen? Ob man auch Hinweise auf die politischen Mordopfer wie Chea Vichea, Om Radsady oder Ho Sok, deren Fälle allesamt bis heute nicht aufgeklärt wurden, finden wird? Und eine Erinnerung an die Zeit, in der Kambodscha noch weitgehend bewaldet war? Vielleicht auch eine Gedankenstütze, dass Hun Sen als Regimentskommandeur unter den Roten Khmer selbst einen Anteil am schrecklichsten Kapitel der kambodschanischen Geschichte hatte?

Viele Kambodschaner neigen dazu, Vergangenes auf sich beruhen lassen zu wollen und es vorziehen, in die Zukunft zu blicken. Auch Politiker der regierenden Kambodschanischen Volkspartei (KVP) argumentiert oft in diese Richtung, wenn ihnen unangenehme Ereignisse thematisiert werden. Angesichts der Komplexität der geschichtlichen Bürde und der extremen Erosion des gesamtgesellschaftlichen Vertrauens und des Kooperationspotentials kann man für diese Einstellung durchaus Verständnis aufbringen. Oder auch gar kein Verständnis, wenn sich diese Haltung dann doch als billiger Versuch in Sachen Geschichtsklitterung entpuppt.

Immerhin ist die Einberufung des Komitees, das von Verteidigungsminister Tea Banh angeführt wird, auch ein Eingeständnis des sich abzeichnenden Machtverlusts. Aber es verwundert schon, dass sich Hun Sen lieber um seinen Nachlass kümmern möchte als die Ärmel hochzukrempeln und die große Herausforderung, vor die ihn die Opposition stellt, anzugehen. Selbst wenn man ihn diesbezüglich nicht unterschätzen sollte, ist die Absicht, sein eigenes Denkmal zu bauen, ein eindeutiges Zeichen politischer Schwäche: Hun Sen stellt sich so als Mann der Vergangenheit und nicht der Zukunft dar.

Und er sollte auch nicht davon ausgehen, dass er mit einem pompösen Denkmal seine Landsleute in der Art und Weise, wie sie einst über ihn urteilen werden, wird beeinflussen können – die meisten warten nur darauf, Hun Sen spätestens 2018 zu zeigen, was sie wirklich von ihm halten.

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