Verkauf der Phnom Penh Post besiegelt das Ende ihrer journalistischen Unabhängigkeit

Erst am Samstag gab der australische Bergbauindustrielle Bill Clough bekannt, die renommierte Phnom Penh Post, die er 2008 vom legendären Gründer Michael Hayes übernommen hatte, an den malaysischen Geschäftsmann Sivakumar S. Ganapathy zu verkaufen – und schon am Montag waren vier Journalisten arbeitslos. Ursache war ein Hintergrundbericht zur Übernahme der Zeitung, der am Sonntag online erschien und die dem neuen Inhaber allem Anschein nicht passte. Seine Anordnung durch die Hierarchieebenen hinab, den Artikel zu löschen, wurden nicht befolgt. Letztendlich traten Stuart White (Managing Editor), Jenni Reid (Webeditor) sowie die Autoren des Artikels Brendan O’Byrne und Ananth Baliga – offiziell besorgt um ihre journalistische Integrität (und vielleicht auch um ihre Karriereperspektiven) – von ihren Positionen zurück. Neben diesen wohlgemerkt westlichen Journalisten wurde der kambodschanische Chefredakteur Kay Kimsong dagegen fristlos entlassen. Am Dienstagabend wurden dann weitere Demissionen bekanntgegeben; insgesamt 13 Journalisten, Redakteure und der CEO Marcus Holmes sollen bis dahin die Post verlassen haben.

Der umstrittene Artikel, in dem wohl keine gravierenden Fehler zu finden sind oder gar tendenziös berichtet wird, beleuchtet vor allem die politischen Verbindungen der malaysischen Asia PR, als deren CEO Sivakumar firmiert, zur kambodschanischen Regierung, die bis in die 90er Jahre zurückreichen. Besonders pikant ist in diesem Zusammenhang die im März bekanntgewordene Steuernachforderungen in Höhe von 3,9 Mio. US-Dollar an die Phnom Penh Post, da ein ähnlicher Vorgang den Cambodia Daily im letzten Jahr erledigt hatte, was völlig zu Recht als rein politisch motivierter Angriff auf die Presse- und Meinungsfreiheit gewertet werden darf. Nun war es durchaus überraschend, wie sehr diese Forderung vor einigen Wochen heruntergespielt wurde, obwohl die Lage dramatisch gewesen sein muss.

Und wie es nicht anders hätte sein können, ist die Steuernachforderung mit dem Verkauf nun vom Tisch. Die Regierung hat also definitiv die Finger in diesem Deal und scheint mit einer erpresserischen Methode eine ihr missliebige Zeitung loswerden zu wollen, ohne selbst unmittelbar aktiv zu werden. Dass es aber nur zwei Tage dauert, bis zum ersten Mal massiv in die redaktionelle Unabhängigkeit eingegriffen wird und ein Anlass konstruiert wird, um einen Chefredakteur mit höchster Reputation rauszuschmeißen, überrascht dann aber doch.

Man kann durchaus davon ausgehen, dass die wenigen verbliebenen Journalisten die Zeichen der Zeit erkennen. Ob sie alle ihr Gewissen so hoch hängen, dass ihnen der Verbleib bei ihrem Arbeitgeber nicht mehr möglich ist, darf getrost bezweifelt werden. Denn im Gegensatz zu ihren westlichen Kolleginnen und Kollegen können sie nicht einfach in ein Flugzeug steigen und woanders neu anfangen. Andererseits ist auch klar, dass sich mit willfähriger Akzeptanz der politischen Repressionen nicht viel ändern wird in Kambodscha.

Die Phnom Penh Post dürfte sich von diesen Vorgängen kaum noch erholen können, auch wenn sie nicht verschwinden wird. Wer nach den Perspektiven für die Post fragt, sollte sich einmal die Khmer Times anschauen, die ebenfalls englischsprachig publiziert. Sie hat sich vor allem einen Namen als unkritisches regimenahes Blatt gemacht, das jeglichen Investigativjournalismus ausschließt. Auch sie wird von einem malaysischen Geschäftsmann, T Mohan, geführt, der sich in den letzten Jahren immer wieder unrühmlich in die redaktionelle Arbeit eingemischt hatte.

Ob das ein reiner Zufall ist? Sicher ist jedenfalls, dass Kambodscha im jüngsten Pressefreiheitsindex von Reporter ohne Grenzen um zehn Plätze auf Position 142 unter 180 Staaten abgerutscht ist. Malaysia steht übrigens noch drei Plätze dahinter.

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