Bewohner des Boeung Kak werden zwangsvertrieben

9. November 2010

Große Bagger haben am Montag mindestens acht Häuser am See Boeung Kak in Phnom Penh abgerissen, wie Voice of America berichtet. Mehr als hundert weitere Familien erwartet noch dasselbe Schicksal, im Rahmen eines groß angelegten Entwicklungsprojekts der Firma Shukaku Inc. zwangsvertrieben zu werden. Der See wird bereits seit mehr als einem Jahr mit Sand aufgefüllt, wodurch der ansteigende Wasserpegel bereits mehrere Häuser zerstört hatte.

Das Projekt ist unter Menschenrechtsaktivisten schon lange umstritten: 2007 hatte die Stadtverwaltung 133 Hektar Land im Bereich des Sees für 99 Jahre verpachtet, mit dem Ziel, diesen Bereich städtisch zu entwickeln. Die Vertragssumme betrug 79 Mio. Dollar, was einem Quadratmeterpreis von knapp 0,6 Dollar entspricht. Schätzungen unabhängiger Immobilienexperten bezifferten den eigentlichen Wert jedoch auf 700-1.000 Dollar pro Quadratmeter. Diesen Angaben zufolge läge der Flächenwert bei bis zu 1,3 Milliarden Dollar. Über Vertragsdetails wurde wie gewöhnlich keine weiteren Angaben gemacht, aber selbst wenn man davon ausgeht, dass in einem Gesamtfinanzierungsplan zur Erschließung und Bebauung dieses Areals ein geringerer Quadratmeterpreis durchaus realistisch ist, dürfte er auf keinen Fall bei lediglich rund 6-8,5% des Schätzwertes liegen.

Hinter Shukaku Inc. stecken enge Vertraute von Premierminister Hun Sen: Inhaber ist KVP-Senator Lao Meng Khin, dessen Ehefrau Choeung Sopheap in der Vergangenheit nicht nur Hun Sens Dolmetscherin für vietnamesisch war, sondern auch chinesische Investitionen nach Kambodscha vermittelte und bis heute beste Kontakte zu dessen Gattin Bun Rany unterhält.

Die Bewohner des umstrittenen Gebiets weigern sich nach wie vor, ihre Häuser zu verlassen und zeigten Formen kreativen, letztendlich aber doch erfolglosen Widerstands: Sie demonstrierten nicht nur mit den typischen Großplakaten der drei Führer der Kambodschanischen Volkspartei (KVP), auf denen Parteipräsident Chea Sim, dessen Stellvertreter Hun Sen und Ehrenpräsident Heng Samrin abgebildet sind (siehe Fotos bei KI-Media). Außerdem spielten sie den anwesenden Arbeitern und Polizisten über Megaphone eine Rede Hun Sens vor, in der er jenen Familien Schutz durch die Regierung versprach, die von Entwicklungsprojekten bedroht seien.

Angesichts zahlloser ähnlich gelagerter Fälle von land-grabbing und Zwangsvertreibungen in ganz Kambodscha kann man sich schon die Frage stellen, was Hun Sen damit wohl genau gemeint hat.

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2 Antworten zu Bewohner des Boeung Kak werden zwangsvertrieben

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