Die weltweit größte Party des Wochenendes steigt in Phnom Penh

18. November 2010

Nur noch wenige Stunden bis zum Wasserfestival! Es zieht die Massen magisch an: Zwei Millionen Menschen werden in Phnom Penh erwartet, vor allem die Khmer aus den Provinzen strömen in die Kapitale. Es weist die Menschen aber auch ab: Hauptstädter, die es sich leisten können, flüchten vor dem chaotischen und hektischen Gewimmel und genießen ein ruhiges Wochenende in ruhigeren Gegenden. Der Höhepunkt sind auch in diesem Jahr wieder die Boostrennen auf dem Tonle Sap, in diesem Fall flussabwärts über eine rund 1700 Meter lange Strecke bis auf die Höhe des Königspalastes. Norodom Sihamoni wird zusammen mit anderen Würdenträgern in seinem royalen Pavillon beste Sicht auf den Zieleinlauf haben. In diesem Jahr werden hoffentlich alle 420 Boote – so viele waren bisher noch nie gemeldet – in beiden Rennen das Ziel erreichen. Insgesamt sind 27.734 Paddler und Ruderer gemeldet, auf die größten Boote passen mehr als 100 Personen. Um die hohen Pensen logistisch überhaupt bewältigen zu können, laufen meist drei bis vier Rennen gleichzeitig. Ganz ungefährlich ist die Sache nicht, 2007 ertranken fünf Teilnehmer aus Singapur in einem tückischen Strudel.

Sicher, der rein sportliche Reiz ist begrenzt, da der Wettbewerbscharakter der Bootsrennen quasi inexistent bleibt. Aber darauf kommt es ja auch gar nicht an: Es ist in aller erster Linie eine große Party mit vielen Veranstaltungen und aufgrund der realen Bevölkerungsstruktur ein Fest der jungen Menschen. Es scheint daher nur logisch, dass die staatliche Anti-AIDS-Behörde 450.000 Kondome verteilen wird, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet. Dabei können sich die meisten auswärtigen Besucher gar keine Unterkunft leisten und werden im freien campieren.

Das dreitägige Fest, das die Kambodschaner Bon Om Tuk nennen, geht zurück auf eine Seeschlacht zwischen den Khmer und den Cham im Jahr 1177, die sich beide Völker auf dem Tonle Sap lieferten. Dieses Ereignis wird im Wasserfestival mit einem anderen Ereignis zusammengelegt, nämlich mit dem Strömungswechsel des Flusses: Der Mekong führt wieder weniger Wasser, weil die Regenzeit zu Ende geht und kaum noch Schmelzwasser im Himalaja den Strom mehr speist. Den Tonle Sap fließt ob des gesunkenen Gegendrucks dann wieder in Richtung Phnom Penh, nachdem er zuvor über ein knappes halbes Jahr landeinwärts in die andere Richtung floss und den gleichnamigen See von 2.500 km² auf bis zu 20.000 km² anschwellen ließ. Rituell befiehlt der König dem Tonle Sap im Rahmen des Festes, wieder in die andere Richtung zu fließen. Dann beginnt auch die Hauptsaison der Fischer, die aus dem zurückweichenden Wasser ihre Beute an Land ziehen. Da in dieser Zeit auch die ersten Reisernten der Saison anstehen, feiern die Khmer traditionell also auch noch den Anbruch einer Jahreszeit, in der es den Menschen in Bezug auf Nahrung besser als sonst geht.

Und zu guter letzt muss am mittleren Tag des Wasserfestivals noch Vollmond sein. Klar, dass dies am Sonntag der Fall ist!

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