Auch Rob Hamill will Nebenkläger werden

7. April 2011

Nach Theary Seng hat nun auch Rob Hamill nach Angaben der neuseeländischen Presseagentur NZPA einen Antrag auf Zulassung als Nebenkläger für die in Aussicht stehenden Verfahren 003 und 004 gegen die Militärkommandeure Meas Muth und Sou Met an den außerordentlichen Kammern an den Gerichten von Kambodscha gestellt. Sein Bruder Kerry Hamil war im August 1978 während eines Segeltörns in einen Sturm geraten und von thailändischen Gewässern auf kambodschanisches Hoheitsgebiet abgetrieben worden. Die drei Segler, der Brite John Dawson Dewhirst, der Kanadier Stuart Glass und der Neuseeländer Hamill überlebten diesen „Ausflug“ allesamt nicht; während Glass direkt bei der Festnahme in der Nähe der Insel Koh Tang, rund 43 Kilometer südwestlich vor der kambodschanischen Küste bei Sihanoukville, erschossen wurde, landeten Dewhirst und Hamill im Gefängnis S-21 in Phnom Penh, wo sie wochenlang gefoltert und „Geständnisse“ der Spionage abgepresst wurden. Sie sollen nach Angaben des damaligen Direktors Kaing Guek Eav, genannt „Duch“, Ende 1978 lebendig verbrannt worden sein, um keine Spuren ihrer Ermordung zu hinterlassen.

Hamill folgt mit seinem Antrag der Aktivistin Theary Seng, die ihren bereits Anfang der Woche stellte und dafür massiv kritisiert wurde. In einem umfangreichen Leserbrief an die Phnom Penh Post hat sie nun aber zurückgeschlagen und versucht, die Attacken juristisch zu widerlegen: Ihr Vorgehen stehe vielmehr im Einklang mit der Prozessordnung, was zuvor von Tribunalsprecher Lars Olsen bestritten wurde. In der Tat scheint letzterer wohl von allen guten Geistern verlassen gewesen zu sein, die „zierliche kambodschanische Frau in Stöckelschuhen“ so zu attackieren. Denn alle Beobachter sind sich darin einig, dass die Einflussnahme durch die kambodschanische Regierung auf die Unabhängigkeit des Khmer Rouge-Tribunals um ein vielfaches größer und effektiver ausfällt als durch jede Privatperson. Es sind fraglos nicht nur persönliche Defizite, also die rhetorische Souveränität, die interkulturelle Empathie und die fachliche Auseinandersetzung, die Olsen im Umgang mit Theary Seng hat extrem vermissen lassen und die seine Angriffen erklären könnten. Sie sind wohl auch Ausdruck einer politischen Agenda, von der man gehofft hatte, dass sie ausschließlich durch die kambodschanische Seite am hybriden Strafgerichtshof verfolgt werde.

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