Tribunal geißelt Theary Sengs Vorpreschen

4. April 2011

Die bekannte Aktivistin Theary Seng hat am Wochenende bekannt gegeben, sich am Khmer Rouge-Tribunal um die Zulassung als Nebenklägerin für die Verfahren 003 und 004 gegen die Ex-Militärkommandeure Meas Muth und Sou Met im Demokratischen Kampuchea zu bewerben. Allerdings steht noch gar nicht fest, ob es diese Verfahren überhaupt geben soll: Die kambodschanische Regierung um Premierminister Hun Sen stemmt sich mit aller Macht gegen weitere Mandate für den hybriden Strafgerichtshof, während die internationalen Akteure – Ermittlungsrichter und Staatsanwälte – grundsätzlich schon daran interessiert sind, die beiden Männer vor Gericht zu stellen.

Insofern hat Theary Seng in ein großes Wespennest gestochen. Ihr Motiv ist dabei vor allem ein persönliches: Sie macht Meas Muth und Sou Met für die Ermordung Ihrer Eltern verantwortlich, kann aber außer bereits bekannten Dokumenten (vor allem das Buch Seven Candidates for Prosecution: Accountability for the Crimes of the Khmer Rouge von Stephen Heder und Brian Tittemore aus dem Jahr 2001) keine eigenen Belege oder Beweise vorlegen. Insofern gab sie gegenüber der Phnom Penh Post auch zu, ein hohes persönliches Risiko einzugehen.

Das besteht vor allem im Bezug zu Ihrer persönlichen Reputation. Schon seit einigen Jahren wird sie ob ihres Drangs zur medialen Selbstinszenierung heftig kritisiert. Nun wird Seng, die in den USA Rechtswissenschaften studiert hat und als Anwältin zugelassen ist, aber auch aus dem Tribunal massiv attackiert. Sprecher Lars Olsen nannte ihre Behauptungen nicht nur „verfrüht“ und „verantwortungslos“, sondern wies auch alle Versuche zurück, den Gerichtshof schurigeln zu wollen. Theary Sengs Vorgehen sei „rücksichtslos und zeige die vollständige Missachtung der Justiz bezüglich Prozess- und Rechtsprinzipien“.

Fraglich bleibt, ob Theary Seng mit ihrem Vorpreschen wirklich ein massiver Fauxpas unterlaufen ist oder ob Tribunalsprecher Olsen nicht vielleicht doch rhetorisch etwas überzogen hat. Fraglos genießt sie jetzt die öffentliche Aufmerksamkeit, wenn auch nur für kurze Zeit.

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