Die drei muslimischen Strömungen in Kambodscha

4. März 2011

Über Kambodschas Muslime ist bislang wenig bekannt. Man könnte behaupten, dies läge vor allem daran, dass sie so gut integriert seien – und läge damit noch nicht einmal besonders falsch. Die Phnom Penh Post will dieser Unkenntnis etwas abhelfen und hat in einem knappen Artikel die drei Hauptströmungen des sunnitischen Islams in Kambodscha beschrieben. Demnach bilden orthodoxe Muslime die größte Gruppe der Korangläubigen, 80% sind dieser Strömung zuzuordnen. In ihren Ritualen ähneln sie der überwiegenden Mehrheit der Muslime weltweit. Sie bilden auch eine eigene ethnische Minderheit mit eigener Sprache: die Cham, jene Überlebenden des im 15. Jahrhundert von Vietnam besiegten und untergegangenen Königreichs Champa, die Asyl bei den Khmer fanden und heute vor allem entlang des Mekongs, in erster Linie in der Provinz Kampong Cham, leben. Seit einigen Jahren werden die orthodoxen Muslime verstärkt von Organisationen aus Kuwait, Saudi-Arabien und Malaysia gefördert und wohl auch beeinflusst – inwieweit dies zu einer Radikalisierung führen könnte wurde bereits an dieser Stelle thematisiert. Damit einhergehend verschwinden allerdings nach und nach die kulturellen Bräuche der Cham, jedenfalls im Bezug zur Religionsausübung.

Oft wird unterschlagen, dass es neben den Cham noch zwei weitere, in etwa gleichstarke islamische Strömungen in Kambodscha gibt. Die Chvea sind, wie der Autor Bjørn Atle Blengsli schreibt, Einwanderer aus dem insularen Südostasien, genauer gesagt Malaien aus Sumatra, Malaysia und Südthailand, die im 14. und 15 Jahrhundert nach Kambodscha kamen. Sie sollen auch die ankommenden Cham vom Hinduismus zum Islam bekehrt haben. Sie sprechen kein Cham und leben vor allem in den südlichen Provinzen Koh Kong, Sihanoukville, Kampot und Takeo. Die dritte Gruppe, laut Blengsli mehr eine Subgruppe neben den Cham und den Chvea, besteht aus den Anhängern des Imam San, der laut dem Thai-ASEAN News Network im 19. Jahrhundert lebte und in der alten Hauptstadt Oudong unter einer Stupa begraben liegt. Die meisten Anhänger dieser Glaubensrichtung leben im Distrikt Kampong Tralach in der Provinz Kampong Chhnang. Die Riten der Imam San-Gruppe sind die am wenigsten strengen, und außerdem beten sie nur einmal in der Woche.

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