Verfahren gegen Mam Sonando eröffnet

Vor dem Stadtgericht Phnom Penh ist die Lage – wie so oft bei politisch motivierten Strafverhandlungen – angespannt: Am ersten Prozesstag stehen mehr als 300 Anhänger des angeklagten Mam Sonando schwer bewaffneten Polizisten gegenüber, aber bis auf eine etwas brenzlige Szene bleibt es friedlich. Drinnen verteidigt sich der Besitzer des unabhängigen und vor allem kritischen Radiosenders „Bienenkorb“ gegen eine absurde Anschuldigung: Er soll das Superhirn der Sezessionsbewegung des Dorfes Prama, Provinz Kratie, sein. Der Fall hat einiges an Aufmerksamkeit erregt, da bei der Erstürmung des Ortes ein vierzehnjähriges Mädchen von Sicherheitskräften erschossen worden war. Während diese Tat ungesühnt bleibt, steht nun also Mam Sondando, der außerdem Präsident der überparteilichen Bewegung Democrat Association ist, vor Gericht. Offenbar möchte Premierminister Hun Sen noch eine Rechnung mit dem 70-jährigen begleichen, und in solchen Fällen haben stichhaltige Beweise noch nie eine Rolle gespielt. Und so wird – jedenfalls als Konklusion der Berichte der Phnom Penh Post als auch von Voice of America – eine absurde Anklage von absurden Zeugen bekräftigt, die über nichts anderes als Gerüchte fabulieren, wofür man sich in einem Rechtsstaat nur bodenlos schämen könnte. Die Chancen stehen jedenfalls schlecht, dass Mam Sonando das Gericht als freier Mann verlassen wird: In ähnlich gelagerten Fällen, also mit Beteiligung von Regierungskritikern, hat es bisher stets eine Verurteilung gegeben, die erst später mit einer Begnadigung oder einer Reduzierung des Strafmaßes abgemildert wurde.

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