Kambodscha: Einer der schlimmsten Orte der Welt für erwerbstätige Menschen

arton14691-41cceNein, es geht nicht um eine Beliebtheitsumfrage der Entwicklungshelferindustrie, deren Protagonisten sich in Kambodscha mehrheitlich recht wohlfühlen dürften. Sondern um ein Ranking des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB), der just in dieser Woche auf seinem Weltkongress in Berlin tagt. Natürlich ist der Bericht eher politisch als wissenschaftlich zu verstehen, aber gerade deswegen dürfte die Wirkung noch stärker sein. Kambodscha soll also zu den Ländern der Welt gehören, in denen Arbeiter ihre Rechte so gut wie gar nicht wahrnehmen können. Insgesamt 139 Länder wurden untersucht, und Kambodscha erhält zusammen mit weiteren 31 Staaten die schlechtesten Noten.

Der Bericht bezieht sich vor allem auf die Gewaltorgie Anfang des Jahres, die fünf Menschenleben forderte, als Textilarbeiterinnen für einen höheren Mindestlohn streikten. Weiter wird die mangelhafte Implementierung von Arbeitsstandards beklagt und ein insgesamt völlig unzureichender Rechtsrahmen, der Arbeitnehmerrechte garantieren könnte. In der Bekleidungsindustrie herrschten ausbeuterische Bedingungen mit gesundheitsgefährdenden Konsequenzen.

Eine Vertreterin der Arbeitgeberseite wies die Anschuldigungen im Cambodia Daily zurück. Dabei wissen doch alle, dass fehlende Arbeitnehmerrechte einen gewichtigen Standortvorteil für in Entwicklungsländern aktive Unternehmen darstellen. Insofern will der IGB auch ein bewusstes Zeichen gegen den „naiven“ Ansichten der Weltbank setzen, die in ihren „Doing Business“-Publikation suggeriere, dass Einschränkungen von Arbeitsnormen erstrebenswert seien.

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5 Antworten zu Kambodscha: Einer der schlimmsten Orte der Welt für erwerbstätige Menschen

  1. Wagner Matthias schreibt:

    Grad diese Zerrissenheit zwischen einem vergleichsweise luxuriösen Leben als Expat und der aussichtslosen Hilflosigkeit und ungeheuren Armut der einfachen, für einen Hugerlohn hart arbeitenden Menschen ist nur für hart gesottenen erträglich – solange man noch dafür Augen hat.

  2. Sam Ul Kong schreibt:

    Wenn die Arbeiterinnen und Arbeiter geholfen werden sollen, dann müssen wir in Europa unser Kaufverhalten ändern. Die Käufer haben Macht, etwas zu ändern. Denkt Ihr nur an Shell wegen Bohrtürmer. Das war auch der Sieg der Käufermacht! Aber wenn wir weiterhin nur an „Geiz ist geil“ denken oder glauben, dann wird unsere verbale Unterstützung nur Makulatur, eine Muster ohne Wert.

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