Hun Sen will bis 2028 Premierminister bleiben

20. Juli 2010

Nach überstandener Schweinegrippeninfektion und einer angeblichen Augenuntersuchung in Singapur hat sich Hun Sen in der Öffentlichkeit gewohnt angriffslustig zurückgemeldet. Wie der Blog von KI-Media Radio France International vom 19. Juli 2010 zitiert, waren vor allem Spitzenpolitiker der Opposition Ziel seiner Kritik. Hun Sen kündigte an, bis 2028 an der Macht bleiben zu wollen – der Rücktritt käme dann zur achten Legislaturperiode der Nationalversammlung. Wer ihn illegal stürzen wolle, erwarte eine bewaffnete Auseinandersetzung. Und überhaupt: Niemand traue sich, Hun Sen zu verhaften; nur er selbst sei in der Lage, andere zu inhaftieren.

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Mu Sochua vs. Hun Sen: Das ungleiche Kräftemessen geht weiter

19. Juli 2010

Was andernorts wohl eher als überflüssige Politposse kaum die Schwelle der öffentlichen Wahrnehmung überschritten hätte, hat in Kambodscha für eine weitere besorgniserregende Konfrontation gesorgt. Erneut wird die grundsätzliche Frage diskutiert, wie frei und unabhängig die Opposition in dem südostasiatischen Land überhaupt agieren kann. Dabei hätten die Protagonisten ungleicher nicht sein können: Auf der einen Seite der seit zweieinhalb Jahrzehnten unangefochten regierende Premierminister Hun Sen, auf der anderen die Parlamentsabgeordnete Mu Sochua, ehemals Frauenministerin in einer Koalitionsregierung unter Hun Sen und heute einer der führenden Köpfe der oppositionellen Sam Rainsy Partei (SRP).

Im April 2009 reichte Mu Sochua Klage gegen Hun Sen ein, da der sie öffentlich als cheung klang, eine für Frauen stark herabwürdigende Bezeichnung, beleidigt habe. Der Premierminister seinerseits konterte umgehend mit einer Verleumdungsklage. Während das zuständige Gericht die Klage wegen Beleidigung erst gar nicht zuließ, wurde Mu Sochua in einem rein politischen Verfahren zur Zahlung von 8,5 Mio. Riel Strafe und 8 Mio. Riel Entschädigung (zusammen knapp 4000 USD) an Hun Sen wegen des „erlittenen Traumas“ verurteilt. Bis zur Vollstreckung des Urteils ist bereits, für kambodschanische Verhältnisse recht unüblich, fast ein Jahr vergangen, aber bis zuletzt weigerte sich die SRP-Abgeordnete, dem Urteil nachzukommen. Sie wolle lieber ins Gefängnis gehen, so lautet stets ihre Beteuerung.

Für Hun Sen hat sich ein kaum zu kalkulierender Konflikt angebahnt, den er von Anfang an unterschätzt hatte. Zum ersten Mal in seiner politischen Laufbahn wurde er von jemandem mit weichen Mitteln – dazu noch von einer Frau – herausgefordert, wogegen er noch kein Rezept zu haben scheint. Gewiss, Mu Sochua (die auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt) ist es in den letzten Jahren wie kaum einer anderen Politikerin Kambodschas gelungen, international Interesse für ihre Sache zu fördern. Aber es waren wohl weniger ihre Kontakte zur amerikanischen Außenministerin Hillary Clinton und anderen, sondern mehr die innenpolitische Wirkung, die Hun Sen so nicht vorausgesehen hatte. Zumal er überaus überrascht war: Wann hatte ihn jemand letztmalig derart herausgefordert, wo doch mittlerweile alle Kambodschaner zu wussten, dass er keinen politischen Widerspruch duldet? Seine Landsleute schienen sich in den letzten Jahren immer mehr mit seinem solitären Führungsstil arrangiert zu haben: Der Druck auf Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und unabhängige Medien war spürbar gestiegen, ohne dass es dagegen Auflehnung gegeben hatte. Die Opposition gilt seit jeher als zersplittert und zerstritten ohne realistische Aussichten zum Machtwechsel, und auch seine Kambodschanische Volkspartei (KVP) steht bereits seit einigen Jahren geschlossen hinter dem Regierungschef.

Aber dann kam Mu Sochua und zeigte ihm, dass auch seine Macht Grenzen hat – vor allem dann, wenn sie uneingeschränkt gelten soll. In letzter Zeit entwickelte sie sich zu einer charismatischen Führungspersönlichkeit auf einer Ebene mit ihrem Parteivorsitzenden Sam Rainsy. Ihre Taktik im ungleichen Kräftemessen war und ist weiterhin bemerkenswert: Sie stilisiert den Konflikt nicht nur als politische Repression gegen alles Unabhängige, Liberale und Demokratische in Kambodscha, sondern auch als Unterdrückung der Frauen. In der traditionellen kambodschanischen Gesellschaft hat sie damit viel Aufmerksamkeit und Anerkennung erfahren – und hat aufgrund ihres Mutes, dem Premierminister die Stirn zu bieten, auch Respekt beim männlichen Geschlecht erfahren.

Und diese große Popularität durfte wohl auch der Grund gewesen sein, warum Hun Sen es sich letztendlich wahrscheinlich doch nicht leisten kann, Mu Sochua ins Gefängnis zu stecken. Mit einer typischen Form der Rechtsbeugung wurde Mu Sochua am 16. Juli verkündet, dass ihre Abgeordnetendiäten solange einbehalten werden sollen, bis der Betrag zusammen und dem Urteil damit nachgekommen sei. Somit ist der Premierminister dem Konflikt noch halbwegs glimpflich entkommen, bevor es zu einer kaum kalkulierbaren Eskalation hätte kommen können. Dass diese Entscheidung noch gekippt wird (selbst der KVP-Abgeordnete Cheam Yeap hatte – äußerst ungewöhnlich – öffentlich seine Bedenken geäußert), ist eher unwahrscheinlich.

Mu Sochua, die weiterhin um die Wiederherstellung ihrer parlamentarischen Immunität kämpft, folgt weniger dem Vorbild einer Aung San Suu Kyi, mit der sie mitunter verglichen wird. Als moderne Führungspersönlichkeit pflegt sie vielmehr ihren eigenen Stil; zur unerschrockenen Anführerin einer breiten Frauen- und/oder Oppositionsbewegung ist es zwar noch ein weiter Weg, aber völlig utopisch scheint er nicht mehr zu sein. Hun Sen weiß das und wird sie fortan auf der Rechnung haben. Die nächste Konfrontation, für Mu Sochua sicherlich nicht ganz ungefährlich, kommt bestimmt.

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Internationale Militärübung für UN-Friedenseinsätze

17. Juli 2010

Am Wochenende begann in Kambodschas Provinz Kampong Speu das größte internationale Militärtraining für internationale UN-Friedensmissionen, das jemals in dem Land stattfand. Nach Angaben von AFP nahmen insgesamt 700 Soldaten aus 23 Ländern an der Operation “Angkor Sentinel” (Wächter Angkors) teil, die teilweise durch die USA finanziert wurde. Kambodscha, 1992-1993 für knapp 18 Monate selbst Schauplatz der bis dato teuersten UN-Mission (UNTAC) überhaupt, beteiligt sich seit kurzem mit kleinen Kontingenten, hauptsächlich Minenräumer, an UN-Blauhelmmissionen, zuletzt im Sudan, im Tschad und in der Zentralafrikanischen Republik. Im Oktober 2010 soll ein weiterer Einsatz im Libanon folgen. Die Kooperation von US-Außenministerium und Pentagon mit dem kambodschanischen Militär wurde von Human Rights Watch angesichts der zahlreichen Menschenrechtsverstöße, die auch durch das Militär begangen würden, als “skandalös” kritisiert.

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Regierung verbannt Lehrbücher

17. Juli 2010

Die kambodschanische Regierung hat die Verwendung von zwei Lehrbüchern an seinen Schulen verboten. Wie lokale Medien nach Angaben von DPA berichten, seien die Bücher in einigen Passagen zu kritisch gegenüber Premierminister Hun Sen und seiner regierenden Kambodschanischen Volkspartei (KVP). In einem Buch wurde auf die Frage, ob das Land in der Lage sei, sich in der naher Zukunft weiter zu entwickeln, vom Autor Pen Puthsphea entgegnet, dass dies nicht möglich sei, weil Korruption von der Spitze der Regierung bis runter auf die lokale Ebene auftrete und die Umsetzung von Gesetzen sowie die Sicherung der Menschenrechte noch unter null lägen. Einem Bericht der Phnom Penh Post am 15, Juli 2010 nach stimmten Beobachter in der Analyse überein, der von Bildungsminister Im Sethy verfügte Bann reflektiere die Weigerung der Regierung, Diskussionen über politisch sensible Themen zuzulassen.

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Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte und IPU kritisieren Regierung

17. Juli 2010

Der Fall Mu Sochua schlägt auch international hohe Wellen: Navanethem Pillay, die Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte (UNHCHR), hat in Genf die kambodschanische Regierung deutlich kritisiert. Sie monierte vor allem die Schwächung von Justiz und Grundrechten, die im Fall der verurteilten Parlamentsabgeordneten der oppositionellen Sam Rainsy Partei (SRP) sichtbar werde. Wie Voice of America am 14. Juli 2010 berichtet, wies Regierungssprecher Phay Siphan das Statement als private Meinungsäußerung zurück, die die Realität des Landes nicht reflektiere. Erst am Vortag hatte Rupert Colville, Sprecher Pillays, gegenüber DPA die alamierende Erosion der Meinungsfreiheit und der Unabhängigkeit der Justiz beklagt. In diesem Zusammenhang kritisierte Colville vor allem die Verstöße der kambodschanischen Regierung gegen den UN-Zivilpakt, den das Land ratifiziert habe.

Auch die Interparlamentarische Union (IPU) äußerte sich ähnlich: Einem AP-Bericht zufolge bezeichnete die neue Präsidentin des Kommittees für Menschenrechte für Parlamentarier Rosario Green (Mexiko) die Verleumdungsklage gegen Mu Sochua als “restlose Travestie von Recht und Gerechtigkeit”.

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Erste Auswirkungen des Anti-Korruptionsgesetzes?

17. Juli 2010

Hat Kambodschas Regierung der endemischen Korruption nun endlich den Kampf angesagt? Die Verabschiedung des Anti-Korruptionsgesetzes im März 2010 – nach rund 16-jähriger Vorbereitung – gibt nur wenig Anlass zur Hoffnung. Dazu reicht ein Blick auf die Details des Gesetzes, dessen Intention nicht zu übersehen ist, diejenigen zu schützen, die von Korruption profitieren. Immerhin wurden jetzt 100.000 Beamte von der Anti-Korruptionseinheit (ACU) aufgerufen, gegenüber der Behörde Auskunft über ihre Vermögensverhältnisse zu erteilen, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua am 14. Juli berichtet. Die Ergebnisse werden aber, wie vom Gesetz vorgesehen, nicht veröffentlicht.

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