Jagdszenen in Snuol

Augenzeugen berichteten aus Snuol, auf die Menschen sei geschossen worden "wie auf Tiere". (Foto veröffentlicht auf KI-Media)

Es ist Kambodschas Konfliktmuster par excellence: Einem Unternehmen, in diesem Fall die TTY Co. Ltd., wird durch die Regierung eine Konzession zum Anbau von Kautschuk gewährt. Dass auf dem ausgewiesenen Grund und Boden bereits andere Menschen in aller Regel legale Besitzansprüche geltend machen, führt angesichts der enormen wirtschaftlichen Bedeutung der Fläche für jeden Bauern dann meist zwangsläufig zu existentiellen Konflikten. Wie jetzt in Snuol, Provinz Kratie: Rund 200 Menschen wollten am 18. Januar ihre Kassava-Anbaufläche vor den anrückenden Bulldozern der TTY schützen, die selbige dem Erdboden gleichmachen wollten. Ohne Vorwarnung eröffneten Sicherheitskräfte der Firma mit Kalaschnikows der Baureihe AK-47 das Feuer auf die Menge und verletzten dabei mindestens vier Personen, eine davon schwer.

Die Konzession bezieht sich auf rund 9000 Hektar und wurde 2008 gewährt. Angeblich steht die TTY in Verbindung mit einem Zwei-Sterne-General, der im Verteidigungsministerium tätig ist. Lokale Polizeikommandeure verwehrten sich gegen Vermutungen, die Schützen stammten aus ihren Reihen. Nach ihnen wird derzeit gefahndet, nicht auszuschließen, dass sie bereits in Vietnam untergetaucht sind. Nach dem Beschuss blockierten die Anwohner einen Highway; umfassende Verhandlungsangebote der zuständigen Provinz- Distriktgouverneure wurden laut Phnom Penh Post zurückgewiesen – ein untrügerisches Zeichen, wie wenig die Menschen den Repräsentanten des Staates noch vertrauen.

Gewaltsam ausgetragene Landdispute sind in den letzten Jahren immer häufiger geworden – land-grabbing und Zwangsvertreibungen gelten als die größten gesellschaftlichen Konflikte Kambodschas. Allein auf Basis kambodschanischer Regierungsangaben lässt sich ermitteln, dass bereits mehr als die Hälfte der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche Kambodschas (54,9%, Stand Oktober 2011) als agroindustrielle Landkonzessionen ausgewiesen sind – die Dunkelziffer dürfte hingegen noch höher liegen. Snuol, Borei Keila oder auch Boeung Kak zeigen, dass sich der sorglose Umgang mit Landbesitzrechten zu echten Zeitbomben mit erheblicher Sprengkraft entwickelt – weitere Eskalationsformen sind leider nicht unwahrscheinlich.

Der Anteil agroindustrieller Landkonzessionen (2 Mio. Hektar) und Schürfrechte zur Gewinnung von Bodenschätzen (1,9 Mio. Hektar) an Kambodschas gesamter Landfläche betrug im Oktober 2011 bereits 22 Prozent. (Quelle: Licadho)

 

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3 Antworten zu Jagdszenen in Snuol

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