Kambodscha rüstet auf

15. September 2010

Nach einem Bericht der Kyodo News International hat die kambodschanische Regierung 94 Militärfahrzeuge aus Osteuropa erworben. Darunter befinden sich 50 Kampfpanzer T-55 und 44 Schützenpanzer der Baureihe BTR 60. Die Lieferung werde bereits am Wochenende im Hafen von Sihanoukville eintreffen. Aus welchem Land die Panzer genau stammten und welche Kosten mit dem Erwerb verbunden seien, wurde allerdings nicht bekannt.

Veröffentlicht unter Politik | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Kambodscha sucht weiterhin Unterstützung bei Indien

15. September 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

Der kambodschanische Premierminister Hun Sen hat laut einem Bericht der Online-Ausgabe der indischen Zeitung “The Hindu” die indische Präsidentin Pratibha Patil am Montag anlässlich ihres Staatsbesuches aufgefordert, weiterhin langfristige Kredite insbesondere für die Landwirtschaft zur Verfügung zu stellen.

Die beiden Länder haben eine Vereinbarung für einen indischen Kredit über 15 Mio. $  für die Vollendung des Stung Tassal Water Development Project unterzeichnet. Hun Sen betonte, dass die Zusammenarbeit in den Bereichen der Öl-/Gas-Exploration, des Bergbaus und Tourismus ausgebaut werden muss. Dazu ist sei notwendig, direkte Flugverbindungen zu haben.

Dieser Aufruf wurde durch einen aufwändigen Empfang der indischen Staatspräsidentin durch den kambodschanischen König Norodom Sihamoni unterstützt, der am Dienstagabend in seinem festlich beleuchteten Königspalast zu einem königliche Staatsbankett eingeladen hatte. Präsidentin Patil betonte in ihrer Grussadresse, dass das Schwergewicht der bilateralen Zusammenarbeit bei der Ausbildung und dem Aufbau von Infrastruktur liege.

Andererseits bestätigt der mehrtägige Besuch von Pratil in Kambodscha und zuvor in Laos die verstärkte Suche von Indien nach mehr Einfluss in SEA. In den kommenden Tagen wird die indische Präsidentin zudem die Tempelanlagen von Angkor besuchen, wo sie die gemeinsame kulturell-religiöse Bindung zwischen den beiden Ländern betonen dürfte.

Veröffentlicht unter Politik, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Ein Loblied auf Hun Sen… und was dahinter steckt

14. September 2010

Kambodschas Premierminister sinniere bereits über sein politisches Erbe, so die thailändische Zeitung The Nation am Montag in ihrer Onlineausgabe. Es folgt ein Loblied, in dem Hun Sen als leidenschaftlicher, erfahrener und umsichtiger Führer gefeiert wird, der Kambodscha in den 90er Jahren den Frieden brachte. Bei der Eröffnungsrede einer Konferenz in Siem Reap vergangener Woche habe man einen reflektierenden Hun Sen erlebt, der ein nachhaltiges Vermächtnis seines Regierens und seines allgemeinen Beitrags für Kambodscha hinterlassen wolle. Und die Fakten belegen seine Erfolgsgeschichte: Vervierfachung des Bruttoinlandsproduktes zwischen 1993 und 2010, Halbierung der Armutsrate auf 27% und Verdreifachung des Pro-Kopf-Einkommens auf 739 USD auf im gleichen Zeitraum.

In seiner Vision werde Kambodscha ein bedeutendes Zentrum für politische Stabilität und Entwicklung in der Region, wird Hun Sen zitiert. Er verfolge eine dreiteilige Strategie bestehend aus der Stärkung von Frieden und Sicherheit, der Integration Kambodschas in die internationale Staatengemeinschaft und wirtschaftlichen wie sozialen Reformen. Dabei sei die Volksrepublik China Kambodschas wichtigster Entwicklungspartner, weil eine Art Rundum-Unterstützung ohne Bedingungen erfolge. Auch die wirtschaftlichen Beziehungen hätten sich in den letzten Jahren intensiviert. Um Chinas Einfluss auszugleichen, ist man in Phnom Penh aber auch an guten Beziehungen zu den USA interessiert. Außerdem nehme Kambodscha mittlerweile eine Schlüsselrolle im Staatenbund ASEAN ein: als freiestes Land unter den neuen Mitgliedern Burma, Vietnam, Kambodscha und Laos sei das Votum Phnom Penhs oft ausschlaggebend und könne dadurch Entscheidungsprozesse fördern oder vorzeitig beenden. Hun Sen sei der wandlungsfähigste politische Führer in Südostasien, der sich bestens mit der Charta der ASEAN auskenne und sich als hervorragender Diplomat bewiesen habe. 2012 wird Kambodscha turnusgemäß den Vorsitz der Organisation übernehmen, und 2013/2014 soll dann auch noch ein nichtständiger Sitz im UN-Sicherheitsrat folgen. 

Ein Diplomat sagte Hun Sen bereits nach, er wolle Kambodschas Lee Kuan Yew sein. Wohl nicht nur, was dessen unangefochtene, patriarchalische Herrschaft, sondern auch, was die Nachfolgeregelung angeht: Singapurs Regierungschef hatte – wenn auch nach einer Pufferzeit von zwölf Jahren – seinen Sohn Lee Hsien Loong als seinen Nachnachfolger installiert. In Kambodscha könnte dies Hun Sens ältester Sohn Hun Maneth sein, Anfang 30, bereits Armeegeneral und an westlichen Hochschulen ausgebildet.

Angesichts der politischen Spannungen zwischen Thailand und Kambodscha, die sich in den letzten Monaten verschärft hatten, passt dieser äußerst positive Artikel über Hun Sen zum außenpolitischen Tauwetter. Allerdings kann dieses Loblied nur gelingen, wenn man zahlreiche Fakten außer Acht lässt:

  • Hun Sen hat bereits angekündigt, bis 2023 oder sogar bis 2028 Premierminister bleiben zu wollen. Die Frage nach seinem Erbe stellt sich also noch längst nicht.
  • Die innere Befriedung Kambodschas ist noch längst nicht vollendet. Gewalt ist lediglich virtuell geworden, Bedrohungsszenarien durch bewaffnete Kräfte sind nach wie vor vorhanden. Es fehlt flächendeckend an friedlichen Konfliktlösungsmechanismen, und ernsthafte Menschenrechtsverletzungen bleiben meist ungesühnt. Illegale und entschädigungslose Enteignungen (land-grabbing) haben bereits mehreren hunderttausend Menschen die Existenzgrundlage genommen und die Armut im Land forciert.
  • Der ökonomische Aufschwung geht am Großteil der Bevölkerung vorbei. Das Wirtschaftssystem basiert auf engen Beziehungen einiger weniger Großunternehmen mit den Spitzenpolitikern der regierenden Kambodschanischen Volkspartei (KVP). Die meisten volkswirtschaftlichen Gewinne werden durch die institutionalisierte Korruption nahezu vollständig absorbiert. Außerdem findet ein Raubbau an den natürlichen Ressourcen des Landes statt, dessen nachhaltige Schäden bereits sichtbar sind.
  • Das Pro-Kopf-Einkommen ist ein Mittelwert, der die massiven Unterschiede im Volk unberücksichtigt lässt. Mindestens 80% der Kambodschaner sind meilenweit vom durchschnittlichen Einkommen entfernt und habe sogar Schwierigkeiten, genug zum Überleben ihrer Familie zu erwirtschaften.
  • Es gibt keine sozialen Reformen, die diesen Namen verdient hätten. Im Gegenteil forciert die unausgewogene Wirtschaftspolitik massive Ungleichheit, die soziale Notlagen provozieren. Dies kann dann auch zu neuerlicher politischer Instabilität führen.
  • Die Verringerung der Armut findet zwar statt, aber nur in kosmetischen Dimensionen. Der statistische Kunstgriff liegt darin, die Teuerungsrate unberücksichtigt zulassen. Berücksichtige man aber das reale und nicht das nominale Einkommen, hätte sich die Armutsrate nur geringfügig reduziert und läge immer noch bei rund 50%.
  • Die Handelsbilanz mit der Volksrepublik China ist negativ; Kambodscha importiert deutlich mehr Güter als es exportiert. Billige chinesische Produkte überschwemmen den Markt und behindern die Entstehung eigener Industrie- und Dienstleistungszweige. Die Direktinvestitionen können diese Nachteile kaum ausgleichen.
  • China stellt für seine Transferzahlungen keine Bedingungen, hat aber andere Mittel und Wege gefunden, seine Interessen zu wahren. Im Dezember 2009 wurden 20 Uiguren zurück nach China deportiert, nach dem sie in Kambodscha um politisches Asyl gebeten hatten. Kurz danach wurde bekannt, dass Kambodscha rund eine Milliarde US-Dollar an zusätzlicher Entwicklungshilfe erhielt. Einige der rückgeführten Uiguren, die 2009 in einen Volksaufstand verwickelt waren, sollen bereits hingerichtet worden sein.
  • Außerdem will China am Oberlauf des Mekongs neun weitere Staudämme bauen, drei sind bereits errichtet. Schon jetzt eilt der Pegel von einem Rekordtiefstand zum nächsten. Laos, Burma, Thailand, Kambodscha und Vietnam drohen das Wasser auszugehen. Allein in Kambodscha lebt knapp die Hälfte der Menschen vom Binnenfischfang an Mekong, Tonle Sap und Tonle Bassac. Eine massive Nahrungsmittelkrise ist durchaus denkbar, aber China baut weiter – Einmischung unerwünscht.
  • ASEAN kämpft immer noch damit, eine tiefergehende Integration nach dem Vorbild der alten Europäischen Gemeinschaft (EG) zu realisieren. Es ist nicht bekannt, dass sich Kambodscha in diesem Prozess jemals als treibende Kraft präsentiert hat.
  • Im Vergleich mit Burma, Vietnam und Laos erscheint Kambodscha in der Tat als freier hinsichtlich politischer Partizipations- und individueller Freiheitsrechte. Das sollte jedoch nicht davor täuschen, auf welchem absoluten Niveau sich Kambodscha befindet und wie intensiv bestehende Freiheitsrechte in den letzten Jahren zurückgefahren wurden.
  • Hun Sens politisches Talent ist unbestritten und wird eines Tages sogar als legendär bewertet werden müssen. Außenpolitisch agiert Kambodscha aber weiterhin in engen Bahnen, man orientiert sich vor allem an China und Vietnam. Diplomatische Beziehungen gedeihen nur mit  Schmuddelkindern wie Iran und Burma, während dagegen das Verhältnis zur EU stagniert (von den USA ganz zu schweigen).

Auch der Vergleich zu Lee Kuan Yew hinkt. Singapurs Patriarch hatte es jedenfalls geschafft, massiv gegen die Korruption im Stadtstaat vorzugehen anstatt sich an ihre Spitze zu setzen. Außerdem ist ein Zitat überliefert, mit dem sich Lee Kuan Yew deutlich vom kambodschanischen Premierminister abzugrenzen versucht: Hun Sen sei “utterly merciless and ruthless, without humane feelings”. Dies soll er zur Zeit des Putsches 1997 gesagt haben, als Hun Sen gegen seinen damaligen Koalitionspartner, die royalistische Funcinpec, aufbegehrte und mehrere hochrangige Repräsentanten der königstreuen Partei ihr Leben ließen. Das war das letzte, aber nachhaltig wirkende Zeichen, welchen Beitrag Kambodschas Premierminister zum nationalen Frieden auch geliefert hat.

Veröffentlicht unter Politik | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Streik der Näherinnen zeigt erste Wirkung

14. September 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

Während je nach Zählart Tausende bis Zehntausende von Näherinnen seit gestern auf die Strasse gehen, um ihre Mindestlöhne zu erhöhen, sprechen die Textilunternehmer von ersten Produktionsausfällen.

Der Generalsekretär des Garment Manufacturers Association in Kambodscha (GMAC), Ken Loo, sagte, Mitarbeiterinnen aus 19 GMAC-Fabriken streikten, 10 davon hätten die Produktion eingestellt.

Wer die Homepage der GMAC heute besucht, ist erstaunt, dass der Streik der Textilarbeiterinnen keine aktuelle Meldung Wert ist. Der letzte aktuelle Eintrag stammt vom 26. August 2010 über ein Arbeitsrechtsseminar. Zum gegenwärtigen Streik ist lediglich ein Statement vom 8. Juli 2010 publiziert, worin das Labor Advisory Committee seinen Entscheid betreffs Erhöhung des Mindestlohnes bekannt gibt. Erstmals ist da – wenigstens für den Schreibenden zu lesen -, dass die Erhöhung bis 2014 Wirkung haben soll. Mit andern Worten heisst das: damit ist für die kommenden vier Jahre der Mindestlohn festgeschrieben! Aus Sicht des Labor Advisory Committee zumindest.

Veröffentlicht unter Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Die letzten, sprich die Näherinnen, beißen die Hunde

13. September 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

Nachfolgend ein “bitterböser” Kommentar (in der Originalfassung) eines Redaktors der “The Phnom Penh Post”: er zeigt die volkswirtschaftlichen Zusammenhänge auf, weitet damit die Diskussion um die Mindestlöhne in Kambodscha aus und zeigt Lösungsansätze auf.

Strikes could undermine Cambodia’s advantage

FEW could doubt the moral case for the strikes that look set to crippleCambodia’s garment sector this week, but worker action could undermine one of the few advantages the Kingdom has over its competitors – low wages.

When garment producers look toCambodia, low monthly wages remain one of the few competitive advantages the Kingdom has over major rivals in the industry.

At US$61 per month,Cambodia’s minimum wage for garment workers is one of the lowest in the world.

OnlyBangladeshpays less at $45 per month, and neighbouringVietnamoffers a minimum wage of between $63 and $90 per month.

If Cambodia’s garment industry is to remain competitive on the global stage and raise wages, the key is to offer investors a reason to come to the
Kingdom.

And unfortunately little else about the country offers foreign companies a competitive advantage.

In terms of costs,Cambodiaremains one of the most expensive garment exporters in the world.

Electricity, a major cost for factories, was three times as expensive inCambodialast year as inVietnamat $0.22 per kilowatt-hour, according to the International Monetary Fund.

And the Kingdom’s neighbour offers a workforce that the World Bank ranks as more efficient and productive than that inCambodia.

In addition, garment exporters inCambodiahave been plagued by persistently high export costs. GivenCambodia’s lack of a deepwater port all shipments must go viaHong Kong,Singaporeor southernVietnam.

Therefore this week’s strikes pose a real threat to an industry that last year suffered a much more significant downturn than its main competitors and is only just in recovery.

After a 15.6 percent rise in exports in the first half of this year,Cambodiais only just starting to get back to the same level of production experienced before the onset of the global economic crisis.

It was notable thatCambodiafaired much worse during the slump last year than competitorsVietnamandBangladesh, a sign that buyers looked to more competitive products according to the IMF. Therefore,Cambodia’s dilemma of paying its workers well while remaining competitive on costs is an issue that must be addressed at the structural level of the economy.

In the long term, the government has to begin to initiate economic policies that don’t simply rely on paying the Kingdom’s workers a low wage.

If foreign companies were able to operate here without incurring high costs, the industry could compete and expand in a hugely competitive global market.

In many ways this week’s strikes represent a symptom of the main problems facingCambodia’s economy – the key is therefore to cure the underlying problems.

Unfortunately, if companies were to pay the $93 per month demanded by unions then the Kingdom’s wages would be higher thanVietnam’s.

In such a scenario why would a foreign company decide to come toCambodia?

Source: The Phnom Penh Post, Sept 13, 2010

Veröffentlicht unter Wirtschaft | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Textilarbeiterinnen nehmen Streik auf

13. September 2010

Reuters berichtet, dass tausende Textilarbeiter am Montag ihren fünftägigen Streik aufgenommen haben, der zur größten Arbeitsniederlegung in Kambodschas Geschichte werden könnte. Das Ziel seien höhere Mindestlöhne, die derzeit bei 56 USD liegen, womit die Näherinnen zu den working poor gehören. Manche Unternehmen zahlten sogar weniger als 50 USD, und andere wiederum entrichteten lediglich Akkordlöhne. Der Streik appelliert nicht nur an die lokalen Arbeitgeber, sondern auch an ihre westlichen Auftraggeber wie Nike, Adidas oder Gap, die allesamt über Verhaltenskodizes verfügen, um die Ausbeutung von Arbeitern zu vermeiden, doch dies sähe in der Realität meist anders aus.

Kambodscha liefert sich in der Region vor allem mit China, Vietnam und Bangladesch einen Wettbewerb um die günstigsten Standortbedingungen. Die Verlagerung von Maschinen und Produktionsstätten ist nicht besonders aufwendig, und die Lohnkosten spielen in der Rentabilitätsberechnung eine erhebliche Rolle. Daher wird gefürchtet, dass zu hohe Löhne direkt in einem Anstieg der Arbeitslosigkeit münden. Da aber zuletzt auch in China, Vietnam und Bangladesch für höhere Löhne gestreikt wurde, scheinen sich zwei generelle Trends abzuzeichnen, die gegen diese Argumentation sprechen: Die Löhne in der asiatischen Textilindustrie sind grundsätzlich zu niedrig, und die Arbeiter der unterschiedlichen Nationen wollen nicht länger das race to the bottom (sprich immer niedrigere Reallöhne für den Erhalt der Arbeitsplätze) mitspielen.

Veröffentlicht unter Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Mindestlohn und Unterstützung der Familie

12. September 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier | Keine Kommentare »

In der “Phnom Penh Post” vom Freitag, 10. September 2010 werden im Hinblick auf den bevorstehenden Streik in der Textilindustrie die Probleme um den Mindestlohn in Kambodscha beleuchtet.

Im vergangenen September kam das Cambodian Institute of Development Study in einer Analyse zum Schluss, dass der ideale Mindestlohn für die Textilbranche $ 71,99 im Monat betragen müsste. Die Studie interviewte 300 Näherinnen in  74 Fabriken aus fünf Provinzen. In den 71.99 $ sei mindestens ein Betrag von 15 $ mit ein berechnet, der jeden Monat als Unterstützung an Familienangehörige gehe.

Sun Seak Lay teilt sich ein enges Steinhäuschen im Phnom Penh Meanchey Viertel mit vier anderen jungen Frauen, von denen jede 12 Stunden sechs Tage die Woche als Näherinnen arbeitet; sie können sich kaum was leisten, um sich selbst zu ernähren. Nachts schlafen drei von ihnen auf einer hölzernen Plattform, die anderen beiden auf dem Fußboden.

Wie viele ihrer Arbeitskolleginnen, schicken die Näherinnen einen großen Teil ihres Lohnes an ihre Familie; sie behalten gerade soviel, damit sie essen, wohnen und zur Arbeit fahren können.

“Manchmal gebe ich nur 500 Riel für eine Mahlzeit aus, die dann wie Wasser schmeckt “, sagte die eine, “aber ich esse, damit ich beim Arbeiten gerade mal überleben kann.”

Nach dem Abitur im Alter von 12 Jahren arbeitete Sun Seak Lay während vier Jahren im Reisfeld ihrer Eltern in der Provinz Kandal. Dann ging es in die Hauptstadt, um in einer Fabrik zu arbeiten, mit dem klaren Hauptziel ihre Familie zu unterstützen und sicher zu stellen, dass ihre neun Geschwister weiterhin in der Schule gehen können.

Zurzeit beläuft sich ihr Grundgehalt auf ca. 53 $ pro Monat; sie verdient zusätzlich mit Überzeitarbeit bis zu $ 30  im Monat. Sie schickt den Gegenwert ihrer Überstunden nach Hause zur Aufbesserung des landwirtschaftlichen Einkommens ihrer Grossfamilie.

Eine ihrer Mitbewohnerinnen, die den gleichen Lohn verdient, schickt jeden Monat zwischen 40 und 50 $ an ihre Familie in der Provinz Kandal. Für sie selbst bleiben dann um die 20 $ im Monat für Essen, Wasser, Strom und Miete.

In Juli beschloss das Labour Advisory Committee, ein Gremium aus Vertretern der Regierung, der Arbeitgeber und -nehmer der Textilindustrie, den Mindestlohn auf $ 61 pro Monat  anzuheben. Der Anstieg, der erste seit 2006, fällt weit unter die von vielen  Gewerkschaften geforderten $ 93.

Sowohl Sun Seak Lay Kong und ihre Kollegin betonen, dass die für den kommenden 1. Oktober bewilligte Erhöhung zu gering ausfallen würde, um einen spürbaren Einfluss auf ihr Leben zu haben, zum großen Teil wegen der hohen Rücküberweisungen an ihre Familien, zu denen sie sich verpflichtet fühlten. Eigentlich sei es egal, wie hoch der Mindestlohn ausfalle, sie müssten so oder so den Grossteil nachhause schicken. Selbst wenn der Lohn auf 90 $ ansteige, würde sie den Anteil für ihre Familie verdoppeln. Unter dem Strich bleibe dann für sie selbst kaum mehr als vorher.

Damit spielen bei den gegenwärtigen Diskussionen um den Mindestlohn diese Unterstützungszahlungen an die Familien eine zentrale Rolle.

Untersuchungen bestätigen nämlich, dass die meisten Textilarbeiterinnen ihr Hauptziel darin erblicken, möglichst hohe Unterstützungsbeiträge für ihre Familie zu erarbeiten. Wenn sie nicht genug verdienen, um Geldüberweisungen nach Hause zu schicken, werden sie ihre Eltern nachhause zurückholen. So muss der Mindestlohn nicht nur die Grundbedürfnisse der Arbeitnehmer, sondern auch ihrer Angehörigen abdecken.

Auch ein Mindestlohn von 61 $ wird diese Grundproblematik nicht lösen können. Eigentlich  kann eine Textilarbeitern mehr oder weniger gut mit dem Mindestlohn leben, wenn sie niemanden unterstützen muss. Die Meinungen gehen daher weit auseinander, ob ein Mindestlohn auch Zahlungen an die Familie einbeziehen sollte.

Die Arbeitgeber sehen dieser Auseinandersetzung eher gelassen entgegen. Jeder Jahr kommen in Kambodscha um die 250’000 neue Arbeiter und Arbeiterinnen auf den Arbeitsmarkt. Und die kambodschanische Textilindustrie, die weitaus der grösste Arbeitgeber in Kambodscha ist, weist nur gut 300’000 Arbeitende auf.

Damit dürfte wenigstens in den kommenden Jahren sicher gestellt sein, dass die Mindestlöhne kaum stark ansteigen werden, denn wo sonst als in der Textilindustrie sollen diese neuen Arbeitskräfte denn unter kommen?

Veröffentlicht unter Gesellschaft, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Kambodscha bewirbt sich als Gastgeber für das UNESCO-Weltkulturerbe-Meeting 2012

11. September 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

Wie aus regierungsnahen Kreisen zu erfahren ist, will das Königreich der Khmer im Jahr 2012 in Siem Reap/Angkor als Gastgeber der 36. Versammlung der Unesco-Weltkulturerbe-Organisation auftreten.

Vertreter der kambodschanischen Regierung in Phnom Penh wie der Provinzverwaltung in Siem Reap sind überzeugt, dass Siem Reap dazu geeignet sei. In den letzten 10 Jahren seien hier mehr als 30 Staatspräsidenten und Premierminister empfangen worden. Der slowakische Präsident Ivan Gasparovic habe soeben in Siem Reap seinen Staatsbesuch in Kambodscha sicher und unbeschadet beendet. Bereits im Jahre 2006 sei der frühere US-Präsident Bill Clinton als Gast in Siem Reap gewesen. Siem Reap sei sehr sicher und die Bevölkerung äußerst freundlich.

Veröffentlicht unter Allgemein, Kultur und Religion | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Kambodscha auf Platz 109 von 139

10. September 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

Kambodschas Wettbewerbsfähigkeit hat sich nach einer Untersuchung des WEF (World Economic Forum) nur geringfügig verbessert. Damit bleibt das Königreich weiterhin weit hinter seinen regionalen Nachbarn.

Das WEF untersucht in einem jährlichen Rhythmus die Wettbewerbsfähigkeit und das Wirtschaftsklima anhand von 110 Faktoren in insgesamt 12 Bereichen einer Volkswirtschaft.

Mit Ausnahme von Laos und Myanmar, die bei der Erhebung nicht berücksichtigt wurden, erreichte Kambodscha von den 10 ASEAN-Staaten den schlechtesten Rang: den 109. Platz (2009: 110. Rang).

Singapur lag an dritter Stelle in der Welt, hinter der Schweiz und Schweden. Die Vereinigten Staaten fielen von ihrem zweiten Platz im Jahr 2009 auf den vierten Platz zurück, während Deutschland den fünften Rang einnimmt. Japan war die einzige andere asiatische Nation, die es unter die Top Ten schaffte.

Kambodschas beste Beurteilungen liegen bei der Preisstabilität (Rang 12) und bei der Besteuerung von Gütern (15. Platz). Die Wettbewerbsfähigkeit wird gemäss der Schweizer Studie weiterhin durch Korruption und ineffiziente Bürokratie sowie mangelhafte Infrastruktur stark beeinträchtigt.

So landet das Königreich von den 139 Ländern auf Platz 124 beim (unregelmässigen) Zahlungsverkehr und bei den Bestechungsgeldern, auf dem 125. Rang bei der Beurteilung der Transparenz der politischen Entscheidungsfindung und auf dem 132. Platz für die benötigte Zeit, um ein Unternehmen zu gründen. Die schlechteste Note erhielt Kambodscha mit Platz 135 für den Bereich der “Telefon-Festnetzanschlüsse”.

Veröffentlicht unter Wirtschaft | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

3 Mrd. $ chinesischer Direktinvestitionen fließen nach Kambodscha

10. September 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

Das chinesische Konglomerat Inner Mongolia Erdos Hongjun Investment Co will in den kommenden Jahren drei Milliarden Dollar in verschiedene Projekte in Kambodscha investieren.

Die geplante Investition ist eine hohe Summe in einem der ärmsten Länder der Welt. Das chinesische Unternehmen soll vorderhand ein 700-Megawatt-Kohlekraftwerk in dem beliebten Badeort Sihanoukville bauen; andere Wirtschaftsbereiche sollen folgen, so Investitionen in die Aluminiumverarbeitung.

Trotz mehrerer Jahre mit zweistelligem Wirtschaftswachstum vor der globalen Finanzkrise bleibt Kambodscha bitterarm, mit mehr als 30 Prozent der gut 14 Millionen, die mit weniger als 50 US-Cent pro Tag auskommen müssen.

Fast 400 chinesische Unternehmen haben in den vergangenen Jahren Milliarden von Dollar in das Königreich der Khmer investiert, vor allem in wichtige Infrastrukturprojekte wie Staudämme und Kohlekraftwerke.

Das gesamte chinesische Engagement in Kambodscha ist Teil eines komplexen Gefüges von Investitionen und gezielter langfristiger Einfluss in der Region SEA.

Veröffentlicht unter Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar