Is Cambodia becoming the sick man of Southeast Asia?

Lack of transparency, accountability and judicial independence as well as widespread corruption seem to be unalterable elements of Cambodia’s development process. Could the reform bottleneck harm the country’s economic prospects and how far will the regime go to stay in power?

Read the complete analysis at New Mandala of Australian National University’s Coral Bell School of Asia Pacific Affairs.

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Hun Sen unter Druck

Die jüngsten politischen Entwicklungen – mehr als zwei Dutzend politische Gefangene, der Oppositionsführer unfreiwillig im Ausland, sein Stellvertreter seit über zwei Wochen in der Parteizentrale verschanzt, um nicht verhaftet zu werden – haben nun auch ein internationales Echo gefunden. Am 8. Juni wandten sich 41 internationale Nichtregierungsorganisationen, darunter auch die Heinrich Böll Stiftung, in einem offenen Brief an den neuen Außenminister Prak Sokhon, in dem sie die Regierung unter anderem aufriefen, die „juristische Schikanierung“ kambodschanischer Bürger einzustellen. Am selben Tag musste der Außenamtschef außerdem ein Telefonat mit UN-Generalsekretär Ban Ki-moon führen, der seine Besorgnis angesichts der umfassenden Schikanierungen, Einschüchterungen und Verhaftungen zum Ausdruck brachte. Und am Donnerstag verabschiedete das EU-Parlament die vierte Kambodscha-Resolution in zwei Jahren, in der sie die EU-Kommission aufrief, den Umfang der finanziellen Unterstützung Kambodschas – in den beiden vorangegangenen Jahren immerhin 64 Mio. US-Dollar durch die Europäische Union plus weitere 137 Mio. US-Dollar durch einzelne Mitgliedsländer – von einer Verbesserung der Menschenrechtslage abhängig zu machen.

Von kambodschanischer Seite wollte sich wie so häufig niemand aus der ersten Reihe dazu äußern. Und auch sonst fielen die Reaktionen eher kleinlaut aus. Auch wenn es sich, jedenfalls bisher, überwiegend um Symbolpolitik handelt, dürfte die öffentliche Anprangerung nicht gänzlich wirkungslos bleiben. Denn Radio Beehive, Voice of America und Radio Free Asia werden ganz sicher für die notwendige Ventilierung der internationalen Missbilligung sorgen. Und so stark und unangreifbar, wie sich Hun Sen bei seinen bisher weitgehend widerstandslos durchgezogenen Attacken wohl gefühlt haben dürfte, steht er dann plötzlich nicht mehr da – vielleicht sogar ein stückweit blamiert.

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Khmer feiern Neues Jahr mit fantastischem Kulturprogramm

Mit buddhistischen Zeremonien am Vormittag, einem beeindruckenden Kulturprogramm am Abend und einer ausdauernd aufspielenden Band in der Nacht hat die kambodschanische Gemeinschaft Berlins am Samstag das Neujahrsfest (nach)gefeiert. In monatelanger Vorbereitungszeit waren vor allem die traditionellen klassischen Tänze und Volkstänze einstudiert worden, doch diese Mühen hatten sich erkennbar gelohnt. Die zahlreichen, mitunter von weit angereisten Gäste konnten jedenfalls eindeutig feststellen: Die kambodschanische Kultur in Berlin ist vital, verbindend und – wie beim Tanz Robam Neary Chea Chour (Foto: Lina Tach) – einfach nur schön anzusehen. Respekt und Dank galt aber nicht nur den Protagonisten auf der Bühne, sondern auch den vielen Helfern und Unterstützern, vorwiegend Mitglieder des Vereins „Khmer Deutsche Freundschaft e.V.“

Mit buddhistischen Zeremonien am Vormittag, einem beeindruckenden Kulturprogramm am Abend und einer ausdauernd aufspielenden Band in der Nacht hat die kambodschanische Gemeinschaft Berlins am Samstag das Neujahrsfest (nach)gefeiert. In monatelanger Vorbereitungszeit waren vor allem die traditionellen klassischen Tänze und Volkstänze einstudiert worden, doch diese Mühen hatten sich erkennbar gelohnt. Die zahlreichen, mitunter von weit angereisten Gäste konnten jedenfalls eindeutig feststellen: Die kambodschanische Kultur in Berlin ist vital, verbindend und – wie beim Tanz Robam Neary Chea Chour (Foto: Lina Tach) – einfach nur schön anzusehen. Respekt und Dank galt aber nicht nur den Protagonisten auf der Bühne, sondern auch den vielen Helfern und Unterstützern, vorwiegend Mitglieder des Vereins „Khmer Deutsche Freundschaft e.V.“

 

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Kambodscha zum Fremdschämen

Es ist Ende April, und die heiße Jahreszeit hat Kambodscha fest im Griff. Gut möglich, dass dem einen oder anderen diese Hitze zu Kopf gestiegen ist, anders lässt sich die Lawine an Peinlichkeiten, die derzeit über das Land rollt, kaum noch erklären. Ich versuche es trotzdem mit einem Zwischenbericht, sehr verkürzt und der Reihe nach:

  1. Anfang März tauchen im Internet nacheinander Gesprächsmitschnitte auf, auf dem angeblich ein Telefonat zwischen Kem Sokha, stellvertretender Oppositionsführer, und einer Frau namens Khom Chandaraty (besser bekannt unter ihrem Spitznamen Srey Mom) zu hören ist. Die Dame soll die Geliebte sein, die das allerdings bestreitet und außerdem die Behauptung zurückweist, sie sei auf den Audiospuren zu hören. Der verheiratete Kem Sokha äußert sich erst gar nicht. Bis heute ist nicht klargeworden, wer das Gespräch aufgezeichnet und veröffentlicht hat. Es ist allerdings naheliegend, wer dafür überhaupt die technischen Kapazitäten besitzt und ein politisches Interesse hat, der Opposition zu schaden. Und dass Personen, die im politischen Raum in Kambodscha aktiv sind, abgehört werden, ist ein offenes Geheimnis.
  2. Freitag, 11. März: Weil die Anti-Terror-Einheit der Polizei – Achtung, wir erreichen nun die erste Stufe der nach oben hin offenen Skala des Absurden – offensichtlich nicht viel zu tun hat, nimmt sie die Ermittlungen in diesem „Fall“ auf. Srey Mom räumt in einem Verhör ein, Kem Sokha als Kunden des Khmer Angkor Barber Shops zu kennen, aber nicht mehr. Offensichtlich wurde auch ein Grund gefunden, warum sich der Staatsapparat nun ganz offiziell einmischen darf: In den Gesprächen wird ein wenig über die populäre Anti-Regierungsaktivistin Thy Sovantha gelästert, die prompt eine Anzeige wegen Verleumdung gegen den Mann auf der Audiospur erstattet. Thy Sovantha hatte 2013 für die oppositionelle Partei zur Rettung der kambodschanischen Nation (PRKN), dessen stellvertretender Präsident Kem Sokha ist, Wahlkampf geführt. Mit mehr als 200.000 Followern bei Facebook im Portfolio wurde sie der Parteispitze aber schnell zu gefährlich, weswegen die vielleicht erhoffte Karriere zunächst ein jähes Ende fand. Klar, dass das Spuren hinterlassen hat.
  3. Ab Mitte März: Eine Studentengruppe – angeführt von einem gewissen Srey Chamroeun – beginnt mit einer Kampagne, in der Kem Sokha moralisches Fehlverhalten vorgeworfen wird. Tatsächlich ist Polygamie in Kambodscha strafbar (das Gesetz wurde 2006 erlassen und zielte auf die privaten Lebensumstände von Prinz Norodom Ranariddh ab, der lange als politischer Gegenspieler von Premierminister Hun Sen galt), was bei Kem Sokha aber wohl kaum eine Rolle spielen dürfte. Aber ein führender Oppositionspolitiker, der auf die Abschussliste eines korrupten Regimes gekommen ist, wird dann schnell zum Freiwild. Im Übrigen ist es, Stichwort Doppelmoral, ein offenes Geheimnis, dass sich viele wohlhabende Männer in Kambodscha Geliebte und manchmal sogar Zweitfrauen halten – nur mit dem Unterschied, dass die alle nicht der Opposition angehören scheinen.
  4. Montag, 21. März: Der Fall landet – weil es offenbar noch peinlicher werden soll – bei der Anti-Korruptionsbehörde (ACU). Wohlgemerkt in dem Land, das laut Transparency International auch 2015 das korrupteste Südostasiens ist. Damit das so bleiben kann, muss sich die ACU wohl zwangsläufig einem populären Oppositionspolitiker widmen. Ganz offiziell soll es um finanzielle Versprechungen gehen, die der Politiker seiner Geliebten gemacht haben soll. Im Übrigen stellt die ACU unmissverständlich klar, dass die Gesprächsaufzeichnungen benutzt werden dürfen, obwohl auch in Kambodscha gilt, dass Gespräche, die ohne Zustimmung der Beteiligten mitgeschnitten wurden, vor Gericht keine Beweiskraft haben. Om Yentieng, ACU-Präsident und darüber hinaus Menschenrechtsbeauftragter der Regierung, deutet aber das wochenlange Schweigen von Kem Sokha nicht nur als Beweis, dass es seine Stimme ist, sondern auch als Zustimmung für die Aufzeichnung – er hätte schließlich Zeit genug gehabt, seine Ablehnung zu kommunizieren. Also alles wie bei Pipi Langstrumpf (Lebensmotto: „Ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt“) – die ACU gewissermaßen als Villa Kunterbunt.
  5. Parallel dazu ab Anfang März: Die arme Srey Mom steht inzwischen heftig unter öffentlichem Druck. Ihr wird von der Anti-Terrorismus-Einheit der Polizei vorgeworfen, eine Prostituierte zu sein, was tatsächlich rechtliche Schwierigkeiten bedeuten könnte (obwohl Prostitution, Vorsicht Doppelmoral Teil zwei, in Kambodscha allgemein geduldet wird). Deshalb bittet die 24-jährige Friseuse die Menschenrechtsorganisation ADHOC darum, ihr anwaltlichen Beistand zu organisieren. Außerdem springt ihr die Frauenrechtlerin Thida Kus, Präsidentin der Organisation SILAKA, zur Seite, auch öffentlich.
  6. Dienstag, 19. April: Von einem Staatsanwalt unter zusätzlichen Druck gesetzt, legt Srey Mom eine 180 Grad-Wende hin. Sie behauptet nun (was durchaus glaubhaft ist), dass es tatsächlich ihre Stimme und die von Kem Sokha sei, die auf der Audiospur zu hören ist. Außerdem räumt sie ein, den Oppositionspolitiker zweimal in Bangkok getroffen zu haben, wo der sie verführt habe. Dafür habe sie unter anderem 3.000 US-Dollar erhalten und das Versprechen, von ihm ein Haus zu bekommen. Die Ermittlungen gegen sie wegen Prostitution werden aber (noch) nicht eingestellt, weswegen sie auch weiterhin nicht besonders gut schlafen dürfte.
  7. Freitag, 22. April: Srey Mom, das wird nun allen Beobachtern klar, hat ihren Kopf aus der Schlinge gezogen und wendet sich gegen ihren (vorgeblichen) Liebhaber Kem Sokha, den sie auf 300.000 US-Dollar Schadenersatz verklagt. Dann folgt ein überraschender Rundumschlag: Sie bezichtigt Seang Chet, einen Kommunalpolitiker der Opposition und wohl als Überbringer Kem Sokhas fungierend, ihrer Mutter Schweigegeld bezahlt zu haben, und beschuldigt darüber hinaus die renommierte Menschrechenrechtsorganisation ADHOC (sie nennt fünf Mitarbeiter namentlich), Soen Sally vom UN-Flüchtlingswerk und Thida Kus sie dazu angestiftet zu haben, über die Beziehung zu Kem Sokha die Unwahrheit zu verbreiten. Die Höhe des Schadenersatzes begründet sie mit den gebrochenen Versprechen, dem Verlust ihre Ehre und Würde, Zeitverschwendung und vor allem mit einer jüngst eingetretenen Arbeitslosigkeit, weswegen sie nicht mehr den Unterhalt für ihre Familie erwirtschaften könne. Außerdem mache sie sich Sorgen, dass sie nach dem ganzen Bohei keinen Ehemann mehr fände. (300.000 US-Dollar – ich erlaube mir an dieser Stelle den Hinweis, dass das durchschnittliche Jahreseinkommen in Kambodscha nominal bei knapp 1200 US-Dollar liegt. Srey Mom hätte also für die nächsten gut 250 Jahre ausgesorgt, was allerdings wiederum mit einer Lebenserwartung von aktuell 72 Jahren im Konflikt stünde – immerhin würde sie aber auf diesem Weg für die nächste Generation vorgesorgt haben. Angehörige von Mordopfern, auch dieser Vergleich drängt sich auf, erhalten vom Täter in der Regel nur einen vier- bis niedrigen fünfstelligen Betrag an Kompensation.)
  8. Samstag, 23. April: Thy Sovantha, die beleidigte Ex-Unterstützerin der Opposition, kündigt in einer Pressekonferenz an, Kem Sokha aufgrund des ihr angetanen Leids (siehe zweitens) auf eine Millionen US-Dollar verklagen zu wollen. Gründe, warum dieser Betrag angemessen sein soll, bleibt sie schuldig. Man sollte das Wort „kafkaesk“ nicht allzu inflationär verwenden, aber hier scheint es wohl zuzutreffen. Zumindest hilft uns diese Nachricht, Srey Moms Bescheidenheit zu erkennen (trotz des tatsächlich vorhandenen und künstlich in diesen Text hineingebrachten Zynismus: Srey Mom ist bei aller Naivität ein Bauernopfer mit Betonung auf der zweiten Silbe).
  9. Am selben Tag veröffentlicht das Justizministerium eine Erklärung, in der die betroffenen zivilgesellschaftlichen Akteure des Verbrechens bezichtigt werden, durch die Anstiftung zur Lüge die Würde von Srey Mom beschädigt zu haben. Dabei waren es staatliche Akteure, die ihr lange vorher schon öffentlich vorgeworfen hatten, eine Prostituierte zu sein und bisher davon auch nicht abgerückt sind.
  10. Sonntag, 24. April: Seang Chet, einer der ganz wenigen Bürgermeister der Opposition – die regierende Kambodschanische Volkspartei (KVP) hält in mehr als 98% aller Gemeinden die Ratsmehrheit –, wird verhaftet. Welchem Verbrechen er verdächtigt wird, wissen wohl nur diejenigen, die diese ganze Farce initiiert haben. Im Übrigen sollen 2017 landesweit Kommunalwahlen stattfinden – vielleicht auch dann, wenn der ganze ausgeschüttete Dreck der immer noch hohen Popularität der Opposition nichts anhaben sollte.
  11. Am selben Tag: Mittlerweile wird die Geschichte richtig hässlich und überaus politisch. Dass die Kritik etwas deutlicher wird, kann daher niemanden überraschen. Mein geschätzter Kollege und Freund Ou Virak weist in einer Radiosendung von Radio Free Asia u.a. darauf hin, dass die Regierungspartei wohl Kem Sokha und seine Finanzen ins Visier genommen habe. Das könne letztendlich ihrer eigenen Popularität schaden, wenn sie die Opposition derart unterdrücke. Er liefert zwar keine Beweise dafür, wie die KVP nun konkret involviert ist, aber Meinungsfreiheit gilt offiziell auch in Kambodscha. Und er hatte sich in der Vergangenheit rhetorisch schon sehr viel weiter vorgewagt.
  12. Montag, 25. April: Premier Minister Hun Sen schreibt laut Cambodia Daily auf Facebook (Social Media-Kampagnen hat die KVP im Übrigen von der CDU gelernt): “I appeal to members of the Cambodian People’s Party and leaders at all levels: Prepare lawyers to be ready to file lawsuits with the court against those cases of slander against the Cambodian People’s Party. I appeal to analysts and commentators not to attempt to be fraudulent and claim that the colors red and pink are the same. All of you have rights, but don’t forget that we also have rights like all of you too.”
  13. Am selben Tag: Die KVP reicht Klage gegen Ou Virak wegen Verleumdung ein und verlangt als Entschädigung 100.000 US-Dollar (die er nach eigener Darstellung aber nicht habe, was ich ihm persönlich glaube). Ich wage mich trotzdem vor und gebe der Phnom Penh Post meine Einschätzung mit – bisher noch folgenlos.
  14. Immer noch am selben Tag: Die anderen von Srey Mom beschuldigten Personen (siehe siebtens) inklusive Ny Chakrya, dem stellvertretenden Generalsekretär der Nationalen Wahlkommission, haben mittlerweile eine Vorladung von der ACU für den 27. bzw. 28 April erhalten. Kem Sokha schweigt noch immer, was soll er auch sagen. Vor exakt einem halben Jahr war er noch stellvertretender Parlamentspräsident, bis Hun Sen das nicht mehr wollte. Zumindest befindet sich Kem Sokha noch in Freiheit, aber wer weiß, wie lange noch. Anders als Parteichef Sam Rainsy hat er allerdings schon kambodschanische Gefängnisse von innen gesehen. Das war über den Jahreswechsel 2005/2006, für 17 Tage, damals noch als Präsident der Organisation Cambodian Center for Human Rights (CCHR).

Diese abscheuliche Geschichte – eine vergleichbare ist mir in der langen Zeit, in der ich mit Kambodscha beschäftige, noch nicht untergekommen – wird weitergehen. Leider, denn sie lenkt von den wirklichen Problemen des Landes ab. Eines macht ihre alleinige Existenz allerdings auch deutlich: So nah ist Hun Sen dem möglichen Machtverlust sehr lange nicht mehr gewesen. Um den zu vermeiden, nimmt er scheinbar alles in Kauf, um seine Gegner zu zermürben. Im Moment ist es nur der letzte Rest an Reputation aller Beteiligten, aber es könnte noch deutlich schlimmer kommen.

Gerade deswegen müssen wir weiter hinschauen. Und Haltung bewahren.

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Bäumchen wechsle dich: Hun Sen kündigt Kabinettsumstellung an

Premierminister Hun Sen stellt sein Kabinett um. Der langjährige Außenminister Hor Namhong (80) bleibt zwar einer der stellvertretenden Regierungschefs, verabschiedet sich nach 18 Jahren an der Ressortspitze wohl eher unfreiwillig in den Teilzeitruhestand und wird durch Prak Sokhon ersetzt, der bisher das Ministerium für Post und Telekommunikation leitete. Nicht weniger überraschend erscheint die Degradierung von Sun Chantol, der erst zu Beginn der Legislaturperiode das wichtige Handelsministerium übernahm und dem reformorientierten Flügel der Kambodschanischen Volkspartei (KVP) zugerechnet wird: Der Harvard-Absolvent und ehemalige Politiker der royalistischen FUNCINPEC übernimmt das Ministerium für Verkehr und Bau und wird damit die Verantwortung für den Infrastrukturausbau übernehmen. Tram Iv Tek, der dort bisher die Amtsgeschäfte leitete, wird demnächst für Post und Telekommunikation verantwortlich sein. Pan Sorasok, bisher Staatssekretär im Handelsministerium, rückt an die Spitze seines Ressorts.

Weitere Personalien: Chea Sophara löst Im Chhun Lim, der angeblich selbst um die Versetzung in den Ruhestand bat, als Minister für Landmanagement ab. Der dadurch im Ministerium für ländliche Entwicklung freigewordene Chefsessel fällt an Ouk Rabun, der das Ministerium für Landwirtschaft verlässt und durch Veng Sakhon ersetzt wird. Him Chhem, bisher ein Minister ohne Geschäftsbereich, wird neuer Minister für Religion; der dortige Amtschef Min Khin wiederum wird dem Kabinett weiter angehören, allerdings ohne ein Ressort zu leiten. Ausscheiden aus der „Königlichen Regierung“ wird der langjährige stellvertretende Regierungschef Keat Chhon (81), der bis zur Parlamentswahl 2013 das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen geleitet hatte.

Inklusive der Staatssekretärs-Ebene betrifft die Kabinettsumbildung 24 Positionen, die von der Nationalversammlung am 4. April formal bestätigt werden soll. Die Rochade war in den letzten Tagen bereits angekündigt worden, ohne jedoch bereits die Personalien konkret zu benennen, was wiederum die Gerüchteküche zum Brodeln brachte. So wurde etwa über ein neues Ministerium für Jugend und Sport spekuliert, das Hun Many, KVP-Abgeordneter und jüngster Sohn des Premierministers, hätte leiten sollen.

Daraus ist (erst mal) nichts geworden. Einige andere wiederum dürften erleichtert sein: Schon im Februar hatte Hun Sen die Minister Tram Iv Tek und Ouk Rabun öffentlich kritisiert, ohne seine Vorbehalte inhaltlich zu begründen. Aufgrund der weitverbreiteten Korruption und generellen Ineffizienz des öffentlichen Dienstes in Kambodscha kann man sich daher durchaus fragen, welche Qualitätsmaßstäbe da wohl angelegt werden. Zumindest Hun Sens politisches Motiv scheint klar: bloß kein personeller Neuanfang, schon gar keine strukturellen Veränderungen. Obwohl beides dringend nötig ist.

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Europäer wollen keinen kambodschanischen Zucker mehr

Es war vom Blut-Zucker die Rede, und auch wenn dieser Begriff schon vor einigen Jahren ziemlich martialisch klang, wies er doch auf eine dramatische Entwicklung hin: Um Zucker in die Europäische Union zu liefern, benötigten die kambodschanischen Exporteure entsprechend geeignete Anbauflächen. Die Rechnung war einfach: Mehr Land – mehr Plantagen – mehr Zucker – mehr Gewinn. Geprägt von Korruption und Rechtlosigkeit, kam in Kambodscha das, was kommen musste: Einflussreiche Großunternehmer, die nicht viel tun mussten, um sich widerrechtlich Land anzueignen, insbesondere in den Provinzen Kampong Speu und Koh Kong. Tausende waren von dem Phänomen, das im Englischen Land-Grabbing bezeichnet wird, betroffen, und gewöhnlich ist der Verlust des eigenen Landbesitzes für einen Bauern und seine Familie unmittelbar existenzbedrohend.

Die EU-Kommission spielte dabei eine wenig ruhmreiche Rolle: Durch die „Everything But Arms“-Regelung können die ärmsten Entwicklungsländer (LDC) wie Kambodscha alles außer Waffen, Waffenteilen und Munition zoll- und quotenfrei in den europäischen Binnenmarkt exportieren. Eigentlich eine lobenswerte Politik, die in Kambodscha aber Anreize schaffte, die so nicht beabsichtigt waren. Erstmals wurde die EU-Kommission vor knapp sechs Jahren auf diesen Umstand hingewiesen, doch seitdem wurde das Problem ignoriert, relativiert, ausgesessen. Als die „Zuckerbarone“ (Ly Yong Phat, die Nummer eins in diesem Geschäft, sitzt für die Regierungspartei im kambodschanischen Senat und ist dadurch vor Strafverfolgung geschützt) in manchen Gegenden schon Fakten geschaffen hatten, entschied sich die Kommission 2014 immerhin, eine Untersuchung in Auftrag zu geben. Deren Ergebnisse liegen aber auch 2016 (noch) nicht vor, was wohl nur durch einen gut entwickelten Instinkt im bürokratischen Selbstschutz und einen Mangel an Verantwortungsbewusstsein und politischer Führung zu erklären ist.

Doch erst die allem Anschein nach vorsätzliche Untätigkeit der Kommission ermöglichte eine Sternstunde zivilgesellschaftlichen Engagements: Durch den Druck verschiedener Nichtregierungsorganisationen fuhr der vormals wichtigste Importeur, der britische Tate & Lyle-Nahrungsmittelkonzern, seine Zuckereinkäufe aus Kambodscha schrittweise zurück. Während 2013 noch 65.500 Tonnen Zucker im Gegenwert von rund 38 Mio. € nach Europa exportiert wurden, waren es ein Jahr später nur 38.000 Tonnen (15,6 Mio. €). 2015 fiel der Export noch einmal deutlich auf 3.400 Tonnen, und die Phnom Penh Post berichtet in dieser Woche, dass seit 1. Oktober sogar nur 20 Tonnen nach Europa verschifft worden seien. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass auch andere Konzerne wie Coca-Cola und die Deutsche Bank über ihre Tochter DWS in der Vergangenheit vom kambodschanischen Zuckerboom profitiert hatten.

Dieses Beispiel gibt Hoffnung, dass sich auch in anderen Wirtschaftszweigen mit zivilgesellschaftlichen Engagement, kritischen Verbrauchern und einem langen Atem einiges zum Besseren bewegen lässt. Die Bekleidungsindustrie fällt einem sicherlich zuerst ein, auch wenn sie unterm Strich den Kambodschanern nach wie vor deutlich mehr nutzt als schadet. Aber solange weder die kambodschanische Regierung noch die EU-Kommission oder andere Institutionen mit politischer Verantwortung ein grundsätzliches Problembewusstsein dafür entwickelt haben, dass nur inklusives Wachstum wünschenswert sein kann, bleibt noch viel zu tun.

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The Dynamics of Social Change in Cambodia – Moving away from Traditionalism?

Internationales Asienforum_3_4_2015

By Markus Karbaum

Abstract

Despite enormous exogenous influence since the early 1990s and considerable changes caused by the economic rebound, Cambodian society still appears largely traditional and has taken only limited steps towards modernization. Although the motivation of the current regime – maintaining its hegemony – does not offer incentives for the evolution of modern attitudes, perceptions and behavior, the impact of a change in government would not be sufficient for a general shift. Instead, the level of education, likely to continue to improve, has already had a noticeable positive effect on attitudes toward a more modern way of life. By analyzing quantitative and qualitative data, the author examines the evolvement of religion, family cohesion, gender roles and equality, the hierarchic social order, economics, and politics to find evidence for the dynamics of Cambodian Society.

Read the full article on https://hasp.ub.uni-heidelberg.de/journals/iaf/article/view/3725/3827.

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Bertelsmann Transformation Index 2016: Cambodia Country Report

Cambodia_BTI 2016

Executive Summary

The outcome of Cambodia’s parliamentary elections in July 2013 was much closer than expected. Although the ruling Cambodian People’s Party (CPP) used various instruments to reduce the competitive character of the election, it lost more than 9% points and garnered just 48.8% of the vote, while the fledgling Cambodian National Rescue Party (CNRP) – founded in 2012 through the merger of two liberal opposition parties, the Sam Rainsy Party and the Human Rights Party – garnered 44.5% of the vote. The CNRP refused to take its seats in parliament and claimed systematic fraud in the election process, particularly regarding the use of inconsistent voter lists that allegedly disfranchised tens of thousands of CNRP voters. It organized mass demonstrations and established a protest camp in the capital Phnom Penh. This camp was violently cleared in January 2014 in parallel with a violent crackdown on a strike by garment workers. Five people were killed and dozens were injured in the process.

In mid-2014, Prime Minister Hun Sen and opposition leader Sam Rainsy – who returned to Cambodia in 2013 after more than three years abroad, avoiding imprisonment in his home country – agreed on a compromise to end the political deadlock. The government agreed to give the opposition more rights in parliament and a TV license, and agreed to overhaul both Cambodia’s election law and the National Election Committee. Although not all these promises had been implemented by the government as of January 2015, it is very likely that they will ultimately increase political competitiveness in Cambodian politics. As of the time of writing, a defeat of Hun Sen and his CPP in the 2018 parliamentary elections even looked more probable than another CPP victory.

To be sure, the government has not hesitated to employ violence and legal prosecution against dissidents in order to preserve its decades-old hegemony. However, Hun Sen has also elevated some technocrats to ministerial roles, a possible indication of a reform agenda in upcoming years. However, major challenges remain, including a lack of judicial independence, widespread corruption, and an overall lack of transparency or accountability among state actors. These elements have to date seemed untouchable within Cambodia’s development process, and will probably cause increasing dissatisfaction among Cambodians.

Cambodia remains a market economy with a weak state and only rudimentary social-welfare mechanisms. The country has struggled to preserve its competitiveness under the upcoming ASEAN Free Trade Agreement framework, which will come into effect at the end of 2015. Although the country has a prosperous garment industry, its lack of a skilled labor force, infrastructure shortcomings, legal uncertainties and high energy-production costs endanger further economic development. In addition, the government has continued to take a hands-off approach to the plundering of natural resources, indicating a lack of sustainability in the country’s economic growth patterns.

Cambodia’s relations with neighboring countries have stabilized. The People’s Republic of China remains the kingdom’s most important ally, though it does not border Cambodia. Cambodia’s has established bilateral relations with both Vietnam and Thailand, reducing the probability of further conflicts at common borders. However, strong anti-Vietnamese sentiments fueled by opposition politicians have raised fears regarding the security of ethnic Vietnamese and the stability of bilateral relations should there be a regime change in Cambodia.

Source: Bertelsmann Stiftung, BTI 2016 — Cambodia Country Report. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, 2016.

Read the full report online at http://www.bti-project.org/en/reports/country-reports/detail/itc/khm/.

For the Asia and Oceania regional report, please see http://www.bti-project.org/en/reports/regional-reports/asia-and-oceania/.

This report is part of the Bertelsmann Stiftung’s Transformation Index (BTI) 2016. It covers the period from 1 February 2013 to 31 January 2015. The BTI assesses the transformation toward democracy and a market economy as well as the quality of political management in 129 countries. More on the BTI at http://www.bti-project.org.

This work is licensed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License.

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Wo die Gier hinführt oder wie man im Kapitalismus Land erobern kann

Kambodschaner sind sich nicht in vielem einig, wohl aber in der Wahrnehmung, dass ihre Nachbarn sie von oben herab behandelten. Das mag teilweise tatsächlich stimmen und auf Ignoranz oder Chauvinismus zurückzuführen sein, sicherlich auch auf die vergleichsweise hohe Armut, als deren Boten kambodschanische Bettler und Hilfsarbeiter in Thailand nicht gerade zu einem Imagegewinn ihrer Heimat beitragen (aber das ist ja auch nicht ihre Absicht). Eine weitere Quelle wird von den Regierenden in Phnom Penh dagegen geflissentlich übersehen, nämlich Korruption, Willkür und bürokratische Inkompetenz (mitunter zusammengefasst zu dem nur bedingt politisch korrektem Begriff der Bananenrepublik), was ebenfalls nicht gerade dazu beiträgt, von anderen Respekt zu erwarten. Wer sich mal wieder fragt, ob allein die internationale Entwicklungszusammenarbeit die teuren Villen finanziert (nein!) oder ob es in erster Linie Kambodschas Wirtschaftskapitäne sind, deren Beitrag zum Wirtschaftswachstum für die Lexus-Flotten im Straßenbild sorgen (nein, auch nicht!), der wird dieser Tage eben an genau diesen Zusammenhang zwischen erstens mangelndem Respekt und zweitens gedankenloser Gier erinnert.

Der Cambodia Daily hatte Heiligabend berichtet, dass ab 1996 unmittelbar an der gemeinsamen Grenze in der Provinz Ratankkiri knapp 40.000 Hektar für 99 Jahre über Tarnfirmen an das 15. Korps der Vietnamesischen Volksarmee in Form von vier agroökonomischen Landkonzessionen verpachtet wurden. Derzeit verfügen die Vietnamesischen Streitkräfte also über ein beträchtliches Stück Land auf dem Territorium ihres Nachbarn, mit dem es erst im Juni wieder einen Konflikt über den tatsächlichen Grenzverlauf führte. Schützt man in Phnom Penh so die nationale Souveränität und territoriale Integrität, von der die Spitzen des Regimes immer so gerne sprechen?

Man wird den Verdacht nicht los, dass es sich hierbei lediglich um Worthülsen handelt und dass der eine oder andere Entscheidungsträger für den richtigen Preis wohl auch seine Großmutter verschachert hätte. Denn in dem Bericht heißt es, dass der Landdeal für Kambodscha nicht besonders lukrativ sei, was in Bezug auf den Staatshaushalt wohl stimmen mag. Doch niemand kann ernsthaft davon ausgehen, die Vietnamesen (oder irgendein anderer Lizenznehmer in Kambodscha) hätten hier den Schnapp des Jahrhunderts gemacht. Die Luxus-Villen/-Autos/-Lebensstile der Neureichen in Phnom Penh können dafür durchaus als genereller Beleg herhalten. Dennoch dürfte sich das Arrangement für die Vietnamesen schon aus rein wirtschaftlichen Gründen lohnen, wie Angaben zu den Gewinnen aus dem internationalen Holzhandel zeigen. Und aus der sicherheitspolitischen Perspektive sowieso.

Warum also noch über den Grenzverlauf streiten, wenn man sein Grenzland freiwillig verhökert? Den zwischenzeitlichen Schlusspunkt unter dieses tragikomische Schauspiel setzte am Wochenende nun Hun Sen selbst. Der Regierungschef ließ es sich nicht nehmen, zwei neue Grenzsteine zu Vietnam persönlich einzuweihen – ganz so, als hätte es den Bericht des Cambodia Daily nie gegeben.

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Baldige Rückkehr Rainsys immer unwahrscheinlicher

Als Tiger gesprungen, als Bettvorleger gelandet: Sam Rainsy, Präsident der oppositionellen Partei zur Rettung der kambodschanischen Nation (PRKN), wird trotz seiner markigen Sprüche vor einigen Tagen wohl so bald nicht nach Kambodscha zurückkehren. Anstatt dessen sei er um eine politische Lösung bemüht, um die Inhaftierung nach seiner Rückkehr zu vermeiden. Das dürfte bedeuten, dass sie auf den Sankt-Nimmerleinstag verschoben wird – es sei denn, Premierminister Hun Sen vollzöge eine 180 Grad-Wende. Aber nach der Ankündigung neuer Ermittlungen gegen Rainsy, die zu einem weiteren Haftbefehl führen dürften, kann man davon nun wirklich nicht ausgehen.

Über die verfahrene Lage beriet der PRKN-Führungszirkel am Wochenende in Manila. Wie bei den vorherigen Exilierungen hat sich wohl auch dieses Mal die Einschätzung durchgesetzt, dass ein Sam Rainsy im Ausland mehr nütze als in einem kambodschanischen Gefängnis. Vor einigen Tagen hieß es bereits, bei einer Rückkehr seien Zusammenstöße von Oppositionsanhängern und Sicherheitskräften unvermeidlich. Hun Sen könne dies als Anlass nehmen und die kommenden Wahlen 2017 und 2018 aus Sicherheitsgründen verschieben oder gar aussetzen, was die Opposition auf jeden Fall vermeiden wolle.

Damit riskiert Sam Rainsy, der sich gerne mit Aung San Suu Kyi vergleicht, nicht nur seine Glaubwürdigkeit, sondern seine gesamte politische Karriere. Er offenbart einen erschreckenden Mangel an Härte und Entschlossenheit, ohne die es in der rauen politischen Wirklichkeit gerade in Kambodscha nun mal nicht geht. Dazu kommen eklatante strategische Defizite: Seine offensichtliche Entscheidung, die angesichts der Haftbedingungen in Kambodscha menschlich überaus verständlich ist, fußt in der irrigen Annahme, dass Konflikte dadurch gelöst werden können, indem man ihnen am besten aus dem Weg geht. Genauso abenteuerlich erscheint die Einschätzung, Hun Sen würde nach einer Wahlniederlage die politische Macht freiwillig der PRKN überlassen.

Gleichzeitig enttäuscht Sam Rainsy viele Anhänger, die seit Jahren auf einen politischen Wandel hoffen – und auch bereit sind, sich dafür einzusetzen. Es könnte sein, dass sie sich schon bald nach einer neuen Führungsfigur umsehen werden, auch wenn sich aktuell nun wirklich niemand aufdrängt. Ein Automatismus, nach dem Sam Rainsy die informelle Rolle des Oppositionsführers auch weiterhin zugesprochen wird, ist damit allerdings nicht verbunden.

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