Vergifteter Reiswein tötet 16 Menschen

19. Oktober 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

Mindestens 16 Personen sind in der Provinz Kampong Cham vermutlich an mit Pestiziden versetztem Reisschnaps gestorben. Die Opfer kommen aus den drei Dörfern Preah Theat, Ampil Tapoak und Mean; die ersten starben bereits am Freitag.

Einwohner mit schweren Vergiftungserscheinungen sind ins Provinzkrankenhaus, solche mit geringen in die Preah Theat Pagode eingeliefert worden.

Erste Untersuchungen gehen davon aus, dass mindestens 12 Menschen, davon 6 Frauen, eindeutig an vergiftetem Reiswein starben, weitere zwei sollen ganz einfach zuviel getrunken haben und zwei Opfer sein zu alt gewesen…(sic!)!

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Mekong-Anrainer sollen Staudammprojekte um zehn Jahre verschieben

18. Oktober 2010

Die Mekong River Commission (MRC) hat seine Mitgliedstaaten Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam dazu aufgerufen, sämtliche Entscheidungen über den Bau neuer Staudämme und Wasserkraftwerke um zehn Jahre zu verschieben. Grundlage dafür war die Evaluierung von elf solcher Projekte am Unterlauf des Mekongs, von dessen Fischreichtum die Ernährung von mehr als 60 Millionen Menschen abhänge. Diese werde allerdings gefährdet, da Eingriffe in das sensible Ökosystem bisher noch kaum abzuschätzen seien, wie auch AFP schreibt. In dem Bericht heißt es, die Staudammprojekte werden sehr wahrscheinlich ernsthafte und irreversible Umweltschäden verursachen, die zu Verlusten in biologischer Vielfalt führen und damit auch die Intaktheit des Ökosystems verursachen könnte.

Die Verschiebung wird damit begründet, dass es weitere Studien bedürfe, um die Folgen besser abschätzen zu können. Allerdings handelt es sich nur um eine Empfehlung, die in Südostasien – trotz der recht deutlichen Argumentation – gewöhnlich sehr viel weniger wahrgenommen werden dürfte als etwa in Europa. Dennoch ist auch dieser jüngste Hinweis ein weiterer Beleg für Stichhaltigkeit tiefgehender Befürchtungen über die Staudammprojekte am Mekong.

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Sprüche der Khmer

17. Oktober 2010

Alain Fressanges hat 2008 mit Unterstützung der GTZ ein kleines Büchlein aufgelegt, eine Sammlung kambodschanischer Sprüche. Es handelt sich um Sprichwörter, Redewendungen und Weisheiten, von denen die meisten erstmals der französische Arzt Adrien Pannetier 1915 niederschrieb. Einige dieser Sprüche sind heute nicht mehr gebräuchlich, was insbesondere auf die Kulturrevolution der Roten Khmer zurückzuführen ist, als gebildete Menschen systematisch ermordet wurden. Dennoch bieten sie immer noch sehr wertvolle Einblicke in die Mentalität der Khmer, obwohl uns ihre Poesie mitunter rau und fremd erscheinen mag. Im alten Blog wurden 50 Sprüche über mehrere Monate verteilt einzelnd veröffentlicht, teilweise auch mit Interpretationen, hier finden Sie nun alle auf einen Blick.

Buddha verleugnen, um ein Götzenbild anzubeten; einen Palast verlassen, um in der Wildnis zu leben; das Wort des Weisen ablehnen, um Dummheiten Glauben zu schenken.

 

Sie sagen, man bekommt drei Geisteskrankheiten: 1) von Frauen, 2) vom Alkohol, 3) vom Spiel.

 

Um das Nirwana zu erreichen, musst du deinen Geist trainieren; in einem dunklen Ort sollst Du nach einer Laterne suchen.

 

Möge die Hand, die den Baumwolltalisman darbietet, ihn ohne Bedauern geben.

 

Oft hasst der Unbedarfte den Gebildeten; der Ungebildete und Mittellose hasst den Reichen.

Mit diesem Spruch ließen sich Ansprüche zum schweigen bringen: Die recht unbelegte erste Aussage dient dazu, die zweite, für die gesellschaftliche Ordnung gefährlichere Ungleichheit besser zu verharmlosen.

 

Dass du dein Wissen nicht mit anderen teilst, macht dich zu einem Ignoranten, egal wie gebildet du bist.

 

Wenn du Menschenkinder aufziehst, achte auf ihr Herz; wenn du Tiere aufziehst, achte auf ihr Gebiss.

 

Ein Schwachkopf, der beim Reis auskratzen den Topf durchlöchert.

Dieser Ausdruck spricht die ungeahnten Fähigkeiten an, die in einem ansonsten unauffälligen Menschen stecken können. Er beschreibt etwa einen Mann, der Erfolge bei Frauen verbuchen mag, ohne dass man ihm dies zutrauen würde.

 

Du gibst an, gefallen zu sein, um liegen zu bleiben; aus einem leichten Umknicken machst du eine Verstauchung.

 

Am anderen Ufer angekommen zeigst du deinen Hintern.

Das kambodschanische Ausgangswort kuch bedeutet eigentlich Exkrement. Hiermit wird die Dreistigkeit dieses menschlichen Zuges unterstrichen.

 

Mensch, verachte den Menschen nicht.

 

Er stirbt wie eine Schlange, er lebte wie ein Frosch.

Wie es bei Khmer Sprüchen oft der Fall ist, wenn sie aus zwei symmetrischen Satzteilen bestehen, liefert der zweite Teil die Erklärung für den ersten, und kehrt hierin die westliche Logik um: Er stirbt zertreten wie eine Schlange, weil er wie ein Frosch gelebt hat, das heißt wie ein Ignorant, der zur Gesellschaft nichts beizutragen wusste.

 

Klauen wird zur Gewohnheit deiner Hand, ein Mittagsschlaf zur Gewohnheit deiner Augen, Trinken zur Gewohnheit deines Weinens und Bananen essen zur Gewohnheit deines Mundes.

 

Das gackernde Huhn ist jenes, das das Ei gelegt hat.

Der Spruch wird in einer Situation verwendet, wo jemand Beschuldigungen lautstark vorzubeugen versucht. Dieses Verhalten lenkt umso mehr den Verdacht auf ihn.

 

Hast du Alkohol getrunken, so ist deine Rede kühn.

Der Spruch ist gleichzeitig eine Warnung und ein nützlicher Hinweis auf die Eigenschaft des Alkohols, Zungen zu lockern. Tatsache ist, dass in Asien Arbeitgeber ihre Mitarbeiter gelegentlich zu entspannten Trinkrunden einladen, unter anderem um ihnen zu erlauben, sich ihr Leid von der Seele zu reden. Die Anständigkeit gebietet dann, eventuelle Frechheiten nicht zu strafen. Dennoch wird sich der Chef das Erfahrene wohl merken.

 

Es gibt weder einen Kürbis ohne zarte Mitte noch einen wahren Menschen ohne Herz.

 

Besitz bringt die Qual der Sorge um ihn; Armut bringt die Qual des endlosen Nachdenkens.

Im westlichen Denken würde man es vorziehen, die Qual der Armut im ersten Satzteil zu erwähnen, um Trost in der Tatsache zu finden, dass Geld auch nicht glücklich macht; die Khmer-Formulierung hebt das hervor, was schließlich Arm und Reich verbindet: die Qual.

 

Lieber ein Bündel Geld verlieren als das eigene Wort verraten.

Der Spruch ist in erster Linie eine Benimm-Regel des Geschäftsleben: was man im Westen per Handschlag beschließt, wird hier in seiner Konsequenz unterstrichen. Selbstverständlich erstreckt sich diese Regel auf alle Bereiche des sozialen Lebens.

 

Gewalt siegt über Gesetz.

Gewalt heißt im Khmer kamlang  und kann auch Macht bedeuten. Dieser Spruch erinnert daran, dass in Zeiten, wo die Macht des Gesetzes nicht gefestigt ist, schiere Gewalt die Gesetze diktiert.

Der Gute unterliegt, der Boshafte ist erfolgreich und erreicht ein hohes Alter.

In jeder Gesellschaft werden ähnliche Feststellungen gemacht, doch angesichts des ruhigen Ablebens des Militärchefs der Roten Khmer Ta Mok im Jahr 2006 sowie der Schwierigkeiten, den noch lebenden Kadern den Prozess endlich zu machen, klingt dieser alte Spruch besonders bitter.

 

Deine Zunge ist die Ursache; wenn du es zu etwas bringst, dann durch deine Zunge.

 

Deine Verwandten zu bevorzugen heißt, dich vom Gesetz zu entfernen.

 

Wenn sich der Tiger duckt, dann sage nicht, dass er sich vor dir verbeugt.

Es könnte sich um den Moment handeln, in welchem der Tiger sich duckt, um in die Jagdhaltung zu kommen. Dieses starke Bild zielt auf unsere Neigung zur Einbildung und Eitelkeit. Da der Tiger den mächtigen, gefährlichen Menschen darstellt, sind wir gut beraten, sein höfliches Nicken nicht als eine Zustimmung zu verstehen.

 

Gutes Herz – armer Mensch.

 

Schmeichelei siegt über Erfahrung; Unterwürfigkeit siegt über Pflichttreue.

 

Emsige Finger, voller Bauch.

 

Vor Ideen nur so sprudeln, und nicht wissen, sie zu verwirklichen.

 

Flott in der Rede, jedoch unfähig, den Hintern zu bewegen.

 

Ungeschickter Schmied beschuldigt das Eisen.

 

Bis zur Nacht hütest du einen Ochsen, dabei könntest du in der gleichen Zeit für zehn sorgen.

 

Bleibe nicht liegen und warte auf den Tod; bleibe nicht sitzen und warte auf Reichtum.

Hilf dir selbst, so hilft dir Gott. In der Aufforderung steckt aber auch der Rat: Genieße das Leben!

 

Wenn du schon nicht rudern hilfst, so nimm zumindest deinen Fuß aus dem Wasser.

 

„Tork tork“ tropft der Palmensaft und hat bis zum nächsten Tag das Bambusrohr gefüllt.

 

Erst denken, dann handeln.

 

Oft ist das richtige Wort hart, oft wirkt das wahre Wort wie Gift.

 

Wer mit Kindern spielt, kommt in Verruf;wer mit Schlangen spielt, wird gebissen; wer mit Greisen spielt, kommt in Schwierigkeiten.

 

Das Eichhörnchen aß die Feige, sie blieb in der Kehle der Ente stecken und juckte schließlich im Hintern des Rehs.

Dieser drollige Spruch ruft Erinnerungen an Kinderreime wach, erinnert aber auch daran, wie ungerecht es in unserer Gesellschaft zugehen kann.

 

Ist die Katze weg, besteigt die Ratte den Thron.

 

In Schwierigkeiten denkst du an deine Familie; sind sie vorüber, so vergisst du sie gänzlich.

 

Schau dir an, wie der Elefant kackt, dennoch sollst du nicht wie ein Elefant kacken.

Dieser Ratschlag warnt davor, sich in einer Weise zu verhalten, die der eigenen sozialen Position bzw. Kompetenz nicht entspricht: Eine in der Khmer-Gesellschaft häufig anzutreffende Empfehlung.

 

Alkohol zum Entspannen; Reis zum Arbeiten.

Die hier gewählte Übersetzung verringert beträchtlich die Anzahl der möglichen Interpretationen des Spruchs. Sie erinnert daran, dass es für jeden Moment des sozialen Lebens ein adäquates Verhalten gibt. Darin vergleichbar mit dem deutschen Abendbrot, bedeutet bay nicht nur (gekochter) Reis, sondern auch Mahlzeit.

 

Der Streitsüchtige verliert die Freunde und gerät in die Einsamkeit; ständig wütend wird er schließlich zugrunde gehen.

 

Der König braucht das Volk, der Mönch braucht die Regeln, der Fisch braucht das Wasser.

 

Streite nicht mit einer Frau, handle nicht mit einem Beamten, prozessiere nicht mit einem Chinesen.

 

Die Sternbilder: wie könnten sie sich über die Naturgesetze erheben?

 

Augen wie eine Ananasfrucht haben.

Die Augen überall haben. Dieser Ausdruck beschreibt jemanden, dem nichts verborgen bleibt. Man hat ihn auch für die Angkar benutzt. (Angkar steht für Organisation und war unter den Roten Khmer die Bezeichnung für die Partei.)

 

Alles schmeckt dem Hungrigen; dem Liebenden ist nichts hässlich.

 

Nimmst du dir Zeit, so kommst du an; beeilst du dich, so schläfst du unterwegs.

 

Im Schein einer Kerze zu Abend essen, mit gebildeten Menschen zu sprechen ist ein Genuss.

 

Wächst es von alleine, brauchst du es nicht zu pflanzen; ist es dir bestimmt, vom Tiger aufgefressen zu werden, brauchst du nicht in den Wald zu gehen.

Die Aussage dieses Spruchs legt den Gedanke nahe, dass unser Schicksal ungeachtet unseres Tuns vorbestimmt ist. Diese und ähnliche Sprüche erklären möglicherweise die überraschende Gelassenheit, mit der in Kambodscha Missstände hingenommen werden.

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Ganz Kambodscha hat unter Hochwasser zu leiden

16. Oktober 2010

Starke Regenfälle haben zu Überschwemmungen im ganzen Land geführt. Laut Voice of America seien in Folge des Sturmtiefs und des Hochwassers vier Menschen ums Leben gekommen. Selbst die Mitarbeiter des Rote Khmer-Tribunals waren gezwungen, ihre Arbeit vorübergehend einzustellen, weil Wasser in das Gebäude eindrang. In Banteay Meanchey sei ein Deich geborsten, und in der Stadt Poipet wurde vorsorglich der Strom abgeschaltet. Wie der Nordwesten ist aber auch die Küste im Süden betroffen, von wo schwere Schäden gemeldet wurden. Mehrere Provinzen warnten überdies vor weiteren Überschwemmungen.

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Schwimmen Enten auf Siem Reaps Grundwasserspiegel?

16. Oktober 2010

Vor einiger Zeit haben wir hier im Blog über die Gefährdung des Tempels Angkor Wat durch den absinkenden Grundwasserspiegel in Siem Reap berichtet; dabei stützten wir uns hauptsächlich auf einen Bericht des Sydney Morning Herald, der unserer Meinung nach ein alt bekanntes Problem aufgriff. Peter Olszewski von der Phnom Penh Post meinte nun dazu, es sei obligatorisch für jeden internationalen Journalisten, bei einem Besuch in Siem Reap einen Bericht darüber zu schreiben, wonach die ikonischen Tempel durch Veränderungen im Grundwasser gefährdet seien. Es wäre allerdings bisher noch nicht zurückgegangen, trotz des erhöhten Verbrauchs durch immer mehr Touristen. Er zitiert Experten einer Tokioter Universität, die im Juni dieses Jahres herausgefunden hätten, dass sich der Wasserspiegel seit 1999 nicht sehr verändert habe.

Prima, dann dürfte also offensichtlich alles in Ordnung zu sein!

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2.4 Mrd. Budget für 2011 verabschiedet

16. Oktober 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

Die kambodschanische Regierung hat am Freitag das Budget 2011 zuhanden des Parlaments verabschiedet.

Es sieht ein Wachstum von 18 % gegenüber dem laufenden Jahr vor und beläuft sich insgesamt auf 2.4 Mrd. US-Dollar Staatsausgaben. Die für 2011 geplanten zusätzlichen Aufwendungen sollen gemäss Aussagen von Finanzminister Keat Chhon den Bereichen Gesundheit, Ausbildung und Infrastrukturinvestitionen zugute kommen. Im weiteren brauche die Rural Development Bank vermehrt finanzielle Zuschüsse.

Laut Voice of America erhalten u. a. das Verteidigungsministerium 185 Mio. USD, das Innenministerium 111 Mio. USD, das Gesundheitsressort 165 Mio. USD und das Bildungsministerium 218 Mio. USD.

Hingegen sollen die Aufwendungen für die RCAF (Kambodschanische Armee) auf dem Niveau von 2010 bleiben, denn gegenüber 2009 wurden die Militärausgaben im laufenden Rechnungsjahr bereits massiv um Rund einen Viertel erhöht.

Das von der Regierung vorgestellte Budget 2011 weisst zwar ein erhebliches Wachstum auf; frühere Äußerungen des kambodschanischen Finanzminister gingen noch von einem Budgetrahmen von 3 Mrd. für 2011 aus, was von der Opposition vehement als unrealistisch eingestuft worden war.

Der IMF (International Monetary Fund) hat vor wenigen Tagen die kambodschanische Regierung ermahnt, den Steueranteil auf der Einnahmeseite des Budgets zu erhöhen. Während in Kambodscha das Steueraufkommen lediglich etwa 11 % des Bruttoinlandsproduktes ausmacht, liegt der Steueranteil in vergleichbaren Entwicklungsländern bei 16 %. Die Regierung plant den Prozentsatz im kommenden Jahr auf 13 % erhöhen zu können. Diese Zahl dürfte aber kaum realistisch sein: ohne massive Reduktion der Korruption kann das flächendeckende Veranlagen und Eintreiben der Steuern nicht erreicht werden.

Knapp die Hälfte aller Staatseinnahmen machten in den letzten Jahren die von der internationalen Gemeinschaft finanzierten Entwicklungshilfegelder aus, die an Kambodschas Regierung gehen. Im vergangenen Juni trafen sich die führenden Geberländer, darunter China, Japan, die EU und UN, das letzte Mal in Phnom Penh und haben eine Finanzrahmen von 1.1 Mrd. $ für die nächsten 18 Monate verabschiedet.

Gegenüber der Tageszeitung “The Cambodia Daily” kritisierte der oppositionelle Abgeordnete Son Chhay den gesamten Budgetprozess als wenig transparent: in vielen Fällen entsprächen die effektiven Ausgaben in weiten Teilen nicht den vom Parlament verabschiedeten Budgetvorgaben. In der Praxis würden die Bereiche Bildung und Gesundheit die budgetierten Mittel meist nicht erhalten.

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Haben Polizisten mutmaßlichen Serienküsser misshandelt?

15. Oktober 2010

Kambodschanische Polizisten haben auf einer Tanzveranstaltung in Kampong Cham hart durchgegriffen und einen Serienküsser festgenommen. Der 21-jährige Mey Ravy soll offensichtlich zu viele junge Frauen geküsst und auf Verwarnungen nicht reagiert haben. Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe laut dpa und gab an, von den sieben involvierten Polizisten misshandelt worden zu sein. Er meinte, träfen die Vorwürfe zu, wäre er von den Betroffenen bereits umgebracht worden und der Polizei wäre es gar nicht mehr möglich gewesen, ihn zusammenzuschlagen. Offensichtlich hat die Polizei der Familie des mutmaßlichen Serienküssers einen Deal vorgeschlagen, doch die hat bereits mit Hilfe einer lokalen Menschenrechtsorganisation eine Beschwerde eingereicht, die sie nicht zurückziehen wollen. Der Bericht schließt mit der Bemerkung, dass Kambodschas Polizei eine Reputation für korruptes und manchmal brutales Verhalten habe und selten für die begangenen Taten zur Verantwortung gezogen werde.

Der Gouverneur von Kampong Cham ist übrigens Hun Neng, der älteste Bruder von Premierminister Hun Sen. Seine Tochter Hun Kimleng ist verheiratet mit Neth Savoeun, dem kambodschanischen Polizeikommandeur.

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ECCC: Bericht über Korruptionsvorwürfe wird nicht veröffentlicht

14. Oktober 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier | Keine Kommentare »

Im August des vergangenen Jahres hatten die UN und die kambodschanische Regierung die Schaffung eines Unabhängigen Beraters am ECCC beschlossen, um die Forderungen der Geldgeber nach einem wirksamen Mechanismus zur Bekämpfung der Korruption am Khmer-Rouge-Tribunal erfüllen zu können. Diese neue Stelle sollte vor allem das HRM (Human Resources Management) in der gesamten ECCC-Verwaltung unterstützen und zur Korruptionsbekämpfung beitragen.

Noch im Juni des laufenden Jahres hatte Urh Chhorn, der den Posten des unabhängiges Beraters beim ECCC-Gericht inne hat, angekündigt, dass bald ein erster, durch seine Mitarbeiter erstellter Untersuchungsbericht zu den Korruptionsvorwürfen am ECCC-Gerichtshof, veröffentlicht werde.

Am Mittwoch nahm er nun seine Aussage zurück: es gebe keine solchen Pläne für eine Offenlegung. Im Gegensatz zu früheren Aussagen soll die erstellte Untersuchung nicht veröffentlicht werden. Beide Seiten, die kambodschanische Regierung und die Vereinten Nationen, hätten Stillschweigen über den Bericht vereinbart. Gründe kenne er keine.

Erste Korruptionsvorwürfe beim von der UN-gestützten ECCC-Tribunal sind bereits 2006 bekannt worden. Kambodschanische Mitarbeiter sollen von Vorgesetzten gezwungen worden sein, einen Teil ihres Gehaltes an sie weiterzugeben.

Ein Bericht einer deutschen Parlamentarier-Delegation aus dem Jahr 2008 soll den stellvertretenden Verwaltungsdirektor des ECCC, Knut Rosandhaug, mit den Worten zitieren ,, dass die Korruption “ein schwerwiegendes Problem sei, ..welches die Gerichtsarbeit behindere “.

In einem veröffentlichten Bericht vom Juli dieses Jahres jedoch beschwichtigt die Open Society Justice Initiative, das Gericht hätte “wichtige Schritte eingeleitet, um die Korruptions-Problematik anzugehen”.

Im März kündigte der US-Gesandte für Kriegsverbrechen, Stephen Rapp, eine 5 Mio. $ Spende an das Gericht an, da nach der amerikanischen Einschätzung “glaubwürdige Schritte” in Sachen Korruptionsbekämpfung getroffen worden seien.

Die kambodschanischen Behörden betonen, dass es keine Veröffentlichungspflicht des unabhängigen Beraters am ECCC gebe. Menschenrechtsorganisationen hingegen hinterfragen den Sinn dieser Stelle, wenn deren Untersuchungsergebnisse nicht einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.

Für den außenstehen Beobachter ist dieser Fall ein weiteres Mosaiksteinchen im Hintertreiben von Antikorruptionsmassnahmen in den kambodschanischen Verwaltungs- und Regierungsstellen.

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Zwei-Jahres-Strafe von Sam Rainsy bestätigt

14. Oktober 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

Das erstinstanzliche Berufungsgericht von Phnom Penh hat gestern die zweijährige Haftstrafe wegen Volksverhetzung und Beschädigung öffentlichen Eigentums gegen den im Exil lebenden Oppositionspolitiker Sam Rainsy bestätigt, jedoch die beiden mit verurteilten Kambodschaner freigelassen.

Den beiden Kambodschanern (je ein Mann und eine Frau) wurde die einjährige Haftstrafe auf etwas über zwei Monate mit der Begründung verkürzt, sie seien ohne Vorstrafen, nicht so rechtskundig wie Sam Rainsy und arme Bauern, die eine Familie zu unterstützen hätten. Effektiv haben die beiden bereits mehr als 9 Monate ihrer erstinstanzlichen Strafe abgesessen!

Sam Rainsy und die beiden Bauern waren im vergangenen Januar erstinstanzlich verurteilt worden, weil sie in der Svay Rieng Provinz an der Grenze zu Vietnam Grenzpfähle ausgegraben und versetzt hatten.

Das Appellationsgericht hat hingegen die alle drei Verurteilten betreffende Geldbuße im Betrag von 55 Mio. Riels (US$12,999) aufrecht erhalten, zusammen mit der Kompensationszahlung von 8 Mio. Riel, die Sam Rainsy an die Bezirksbehörden leisten muss.

Gemäß der Aussagen des verurteilenden Richters Khun Leang Meng hätten die Straftaten von Sam Rainsy, den er als Rädelsführer betrachtet, und der beiden Dorfbewohner den kambodschanisch-vietnamesischen Beziehungen geschadet.

Sam Rainsy wurde im letzten Monat zudem in der gleichen Angelegenheit zu zehn Jahren Haft wegen Dokumentenfälschung und Disinformation verurteilt.

Auf die Frage, ob er gegen die gestrige Entscheidung Beschwerde einlegen werde, soll Sam Rainsy gemäß “The Phnom Penh Post” geantwortet haben, er habe “keinen Respekt vor irgendeinem Gericht in Kambodscha” und dass ” für dieses politische Problem eine politische Lösung nötig sei”.

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IPU stärkt Oppositionellen den Rücken – Sam Rainsy attackiert weiter

13. Oktober 2010

Im Rahmen der 123. Versammlung der Interparlamentarischen Union (IPU) Anfang Oktober in Genf waren auch die Fälle der kambodschanischen Oppositionspolitiker Mu Sochua und Sam Rainsy Thema im Komitee für Menschenrechte. In einem Bericht an den Verwaltungsrat hieß es, man sei „empört“, dass ein Brief Mu Sochuas an die IPU vom zuständigen Gericht benutzt wurde, um die Abgeordnete zu verurteilen. Eine Schutzfunktion für Parlamentarier sei hier dazu missbraucht worden, ihr Grundrecht der freien Meinungsäußerung zu missachten. Auch zu Sam Rainsy gab es ähnlich kritische Äußerungen, sein Fall sei ein Beispiel der Nutzung von Gerichten zu politischen Zwecken. Auch inhaltlich habe die kambodschanische Regierung keine Beweise vorgelegt, die ein Fehlverhalten des Oppositionsführers zumindest hätte vermuten lassen. Außerdem habe der kambodschanische Regierungsausschuss zu Grenzfragen bereits anerkannt, dass die von Sam Rainsy entfernten Grenzpfosten an den falschen Stellen standen. Man hoffe auf eine politische Lösung und wünsche sich, dass Sam Rainsy seine Arbeit als Abgeordneter so schnell wie möglich wieder aufnehmen kann. Abschließend gab es dann auch noch eine schallende Ohrfeige für die Nationalversammlung: Die könne und sollte „viel mehr“ unternehmen, um ihre Mitglieder vor Übergriffen der Exekutive zu schützen.

Derweilen scheint eine politische Lösung auf absehbare Zeit immer unwahrscheinlicher zu werden. Auf einem Kongress der SRP im kanadischen Montreal kündigte der zu einer Haftstrafe von zwölf Jahren verurteilte Sam Rainsy an, nicht klein beigeben zu wollen, was seine Anschuldigungen gegenüber Premierminister Hun Sen betrifft. Er warf dem Regierungschef laut Voice of America konkret Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor und setze sich dafür ein, Hun Sen verhaften zu lassen. Dazu sollten Klagen an vielen Gerichten der ganzen Welt eingereicht werden, was bereits in den USA, Belgien, den Niederlanden und Spanien erfolgt sei. Er werde sich auch nicht wieder auf einen Kuhhandel einlassen und werde solange nicht nach Kambodscha zurückkehren wie Hun Sen die Nation zerstöre und den vietnamesischen Interessen diene. Hun Sens Politik habe den Tot hunderttausender Kambodschaner verursacht und sei vergleichbar mit Panamas Manuel Noriega und Liberias Charles Taylor.

Vertreter der regierenden Kambodschanischen Volkspartei (KVP) wiesen die Anschuldigungen erwartungsgemäß zurück. Regierungssprecher Phay Siphan meinte, es sei unmöglich für Kambodscha, einen Diktator zu haben, denn Hun Sen sei ordnungsgemäß gewählt worden. Auch der Abgeordnete Cheam Yeap verwahrte sich gegen Kritik an der Umsetzung des Friedensvertrages von 1991, die Sam Rainsy ebenfalls heftig kritisiert hatte. Seiner Meinung nach gebe es heute keine Unabhängigkeit, keine Souveränität und keine Freiheit.

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