Hun Sen träumt vom höchsten Turm in Asien

2. September 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

Overseas Cambodian Investment Company (OCIC) will das zweithöchste Gebäude der Welt auf der Mekonginsel Koh Pich, im Osten der Hauptstadt Phnom Penh, erstellen. Der 555 Meter hohe Turm wird deutlich kleiner ausfallen als Dubais 829 Meter hoher Wolkenkratzer Burj Khalifa, aber immer noch höher als Taipei 101.

PM Hun Sen stellte das Projekt persönlich anlässlich seiner gestrigen Rede am National Insitute of Education vor. Wörtlich soll er – in Anlehnung an seinen offiziellen Namen “Samdech Akka Moha Sena Padei Techo Hun Sen” gesagt haben: Wir bauen ein sehr hohes Gebäude um die “Techo“-Ära zu kennzeichnen.”

Vorläufig spricht man vom “Tower 555″, aber es sei nicht ausgeschlossen, dass er nach seiner Fertigstellung “Techo-Tower” heißen werde.

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CTN-TV sammelt Geld und Baumaterial für die RCAF

2. September 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

Am Dienstag hat der kambodschanische TV-Sender CTN eine breit ausgelegte Kampagne gestartet, um Geld und Baumaterialien für die kambodschanischen Streitkräfte zu sammeln.

Das ganze mag für westliches Verständnis unvorstellbar sein. Doch bereits Ende Februar 2010 hat PM Hun Sen offiziell privates Sponsoring für die kambodschanische Armee angekündigt. Bis heute sollen bereits mehr als 40 in Kambodscha ansässige Unternehmen finanzielle Unterstützung mit einzelnen ausgewählten Armeeeinheiten vereinbart haben.

Die aktuelle CTN-Mittelbeschaffung soll entlang der 113 km langen Grenze zu Thailand in der nördlich gelegenen Provinz Oddar Meanchey die bestehenden militärischen Bunkeranlagen sanieren und ausbauen helfen.

Die Royal Cambodian Armed Forces RCAF verstärken momentan die bestehenden Verteidigungsanlagen, aber ihnen fehlt das weitere Geld. Bis heute soll CTN mehr als 40 Tonnen Zement aufgetrieben haben.

Die Fernsehstation hat in diesem Sommer bereits eine knapp 5 km lange Militärstrasse in der gleichen Provinz mitfinanziert; die feierliche Eröffnung wird immer wieder PR-mäßig in vielen CTN-Sendegefäßen ausgeschlachtet.

Mit dem privaten Sponsoring-Programm für die RCAF will PM Hun Sen sich die Loyalität seiner Generäle erkaufen: immerhin gibt es mehr als 2000 Generäle in den kambodschanischen Streitkräften. Es geht ihm dabei weniger um eine verstärkte Aufrüstung der Armee, obwohl die Militärausgaben 2010 gegenüber dem Vorjahr wesentlich erhöht worden ist. Auch das Budget 2011 soll eine markante Erhöhung aufweisen.

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Öl und Gas bringen Iran und Kambodscha zusammen

2. September 2010

Der kambodschanische stellvertretende Premierminister Sok An hat am 30. August 2010 mit dem Botschafter des Iran in Kambodscha, Seyed Javad Ghavam, die Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern im Erdöl- und Gas-Sektor vertieft.

Eines der Ergebnisse der Besprechung ist die Entsendung von kambodschanischen Experten in den Iran, um vor Ort mehr einschlägige Erfahrungen zu sammeln. Im Gegenzug wird der Iran seinen Technologietransfer im Bereich der Erdöl-und Gas-Exploration nach Kambodscha verstärken.

Der in Hanoi stationierte iranische Botschafter äusserte ferner die Absicht seines Landes, kambodschanischen Reis zu importieren und in anderen Bereichen wie Kultur und Tourismus zusammen zu arbeiten.

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“Nicht ungewöhnlich”: Sechsjährige wegen Ohrringen ermordet

1. September 2010

Verstörende, für westliche Beobachter nicht und auch für Kambodschaner selbst kaum verständliche Verbrechen gehören zur traurigen Realität des Landes am Mekong und Tonle Sap. In der Provinz Kampong Thom ist nun eine 19-jährige Frau verhaftet worden, die ein sechsjähriges Mädchen ertränkte, um an ihre Ohrringe im Wert von ca. 45 USD zu gelangen. Die Frau lockte das Kleinkind an einen Fluss, ertränkte es dort und versteckte die Leiche anschließend in einem rund ein Kilometer entfernten Reisfeld, wie die Deutsche Presseagentur berichtet. Laut Polizei gestand die Frau bereits den Mord, soll dabei allerdings keinerlei Gefühlsregungen gezeigt haben; ihr droht nun eine zwanzigjährige Gefängnisstrafe. Ein Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation Licadho wies darauf hin, dass Verbrechen dieser Art nicht ungewöhnlich sind und vor allem Kinder zwischen drei und fünf Jahren gefährdet seien. Er wies Eltern an, ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt zu lassen, wenn die Schmuck trügen.

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Vereidigung der Antikorruptions-Einheit

1. September 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

Die ersten 14 Beamten der Antikorruptions-Einheit (ACU) haben gestern ihren Amtseid abgelegt. Damit kann die Untersuchungsarbeit in Verdachtsfällen von Korruption offiziell aufgenommen werden, gerade mal 16 Jahre nachdem ein erster Gesetzesentwurf bezüglich Korruptionsbekämpfung in Kambodscha diskutiert worden ist.

Im Rahmen der 20-minütigen Vereidigungs-Zeremonie legte der Chef der ACU, Om Yentieng, im Namen aller Beamten einen speziellen Amtseid ab.

Der Eid, den ACU-Chef Om Yentieng stellvertretend für seine Beamten sprach, übersetzt und gedruckt im Cambodia Daily.

 

Am Rande der Amtseid-Zeremonie war zu vernehmen, dass das Monatsgehalt der Beamten etwas über dem eines Parlamentariers liegen werde; gewählte Volksvertreter erhalten eine Entschädigung von 1000 $ im Monat.

Gegenwärtig bereitet die ACU das Verfahren für das Offenlegen des Vermögens von gegen 100’000 höheren Regierungsvertretern, Richtern und weiteren Mitarbeitern des Öffentlichen Dienstes vor.

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Drakonische Strafen

31. August 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

Das Gericht der Provinz Takeo hat hat vier Personen wegen Desinformation zu harten Strafen verurteilt. Sie werden für das angebliche Verbreiten von regierungskritischen Flugblättern zur Verantwortung gezogen.

Alle vier Verdächtigen, darunter ein Mitarbeiter einer Menschenrechtsorganisation, wurden der Desinformation für schuldig befunden: drei von ihnen erhalten jeweils zwei Jahre Gefängnis und müssen eine Geldstrafe von 2 Millionen Riel (US $ 476) bezahlen.

Die vierte Person – der angebliche Anführer der Gruppe – wurde in Abwesenheit zu drei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 6 Mio. Riel (US $ 1,430) verurteilt.

Konkret wird den Verurteilten vorgehalten, dass sich die verteilten Flugblätter kritisch zum am  7. Januar begangenen Jahrestag des Sturzes des Regimes der Roten Khmer äusserten; es werde behauptet, dass der 7. Januar weniger ein Tag der Befreiung durch Vietnam sei, als vielmehr ein Tag der Erinnerung daran, wie Kambodscha durch Vietnam besetzt und ausgebeutet wurde.

Die Menschenrechtsorganisation Licadho erklärte, dass der Fall ein Beispiel sei für die zunehmend problematische Rolle der Gerichte im Dienste heikler innenpolitischer Auseinandersetzungen. Licadho bemängelt die schludrige Abklärung der Polizei und vermutet politischen Druck durch einen hoch gestellten Regierungsvertreter.

Der Fall dürfte vor das nächst höhere Gericht weiter gezogen werden.

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Anklage wegen Beleidigung: Kem Sokha droht Verlust der parlamentarischen Immunität

31. August 2010

Die Liste der strafrechtlich verfolgten Parlamentsabgeordneten wird aller Voraussicht nach um einen prominenten Namen erweitert: Kem Sokha, Präsident der oppositionellen Human Rights Party (HRP), sieht sich einer Beleidigungsklage ausgesetzt, die von ehemaligen Mitarbeitern der Menschenrechtsorganisation Cambodian Center for Human Rights (CCHR) am städtischen Gericht in Phnom Penh eingereicht wurde. Kem war bis zur Gründung der HRP Präsident des CCHR; die Vorfälle sollen sich Ende 2006 ereignet haben. Damals sollen sich heftige Differenzen zwischen dem Präsidenten und seinen Mitarbeitern ereignet haben, die zu einer wahren Welle von Beschuldigungen und Klagen gegen Kem Sokha führten, so Radio France International. Allerdings verschärft die Justiz just in dem Moment ihre Gangart, in dem Kem Sokha durch die USA tourt und dabei auch die kambodschanische Regierung heftig attackiert. Die Hintergründe sind allerdings mehr als diffus: Es kursieren immer wieder Vermutungen, dass die Etablierung der HRP von der regierenden Kambodschanischen Volkspartei (KVP) unterstützt wurde, um eine vereinigte Opposition zu verhindern. Das ist zweifelsohne gelungen, aber welche Rolle die HRP und ihr Präsident nun im Machtkalkül der Regierung spielen, ist praktisch nicht erkennbar. Die weitere Karriere Kem Sokhas und damit auch das Fortbestehen seiner Partei liegen aber offensichtlich nicht mehr in seinen eigenen Händen.

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Die 71 Berater des stellvertretenden Parlamentspräsidenten

30. August 2010

Wer mal wieder die „ketzerische“ Frage stellen möchte, wo denn all das Geld hinfließt, dass westliche Geber Kambodscha im Rahmen von Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung stellt, dem bietet die Sam Rainsy Partei (SRP) eine Antwort, die wohl kaum Anlass zur Hoffnung gibt, dass diese Mittel rundum sinnvoll eingesetzt werden: Wie die Oppositionspartei in einer Anfrage an den Parlamentspräsidenten Heng Samrin (KVP) offenbarte, verfüge dessen Stellvertreter und Parteifreund Nguon Nhel über 71 Berater, die jährliche Kosten über 320.000 USD verursachten. Der Vorsitzende des Finanzausschuss Cheam Yeap (ebenfalls KVP), verteidigte seinen Kollegen in einem Bericht der Phnom Penh Post: Der große Mitarbeiterstab diene dem nationalen Interesse und helfe Nguon Nhel, seinen Führungsaufgaben nachzukommen.

Kambodschas Nationalversammlung wird oft als willfähriges Ausführungsorgan exekutiver Vorlagen kritisiert. Die Abgeordneten sind nicht dem Volk, sondern ihren Parteiführern gegenüber verantwortlich und können praktisch jederzeit ihr Mandat verlieren. Die Wahl des Premierministers erfolgt per Handzeichen, um so abweichende Voten zu verhindern. Es existiert keine demokratische Debattenkultur, worunter vor allem die Oppositionsparteien leiden.

Es ist üblich und allseits bekannt, dass in Kambodscha öffentliche Ämter dafür missbraucht werden, um eine Vielzahl von Stellen zu schaffen, die mit Getreuen besetzt werden. So alimentiert der gewöhnliche Politiker seine Gefolgschaft und baut seine Machtposition in Amt und Partei aus. Das hehre Ziel, das Parlament zu fördern und allgemein die formalen Institutionen zu stärken – vielleicht eines Tages sogar als Machtbalance zur Regierung –, bleibt dabei auf der Strecke. Kambodscha sei eben der Lenker seines Entwicklungsprozesses, und äußere Einmischung widerspreche dem Leitbild der partnerschaftlichen Zusammenarbeit, so heißt es immer wieder von den großen internationalen Entwicklungsagenturen. Angesichts der Persistenz von Armut in Kambodscha und der sehr grundsätzlichen Probleme autokratischer Herrschaft und endemischer Korruption stellt sich allerdings die Frage, ob mit dieser Taktik irgendjemandem in Kambodscha geholfen ist – außer vielleicht den 71 Beratern von Nguon Nhel, deren zehntausende Kollegen in vergleichbaren Positionen und den Hundertschaften von gut bezahlten Entwicklungshelfern, die darauf achten, dass wenn das durch westliche Steuerzahler erwirtschaftete Geld schon verschwendet wird, sie selbst dabei wenigstens gut und vor allem noch lange zu tun haben.

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Sam Sothea erkämpft Bronzemedaille bei Jugendolympiade

30. August 2010

Man kann nicht gerade behaupten, Kambodscha sei für seine Spitzensportler berühmt. Weder Exil-Kambodschaner, die sich etwa aufgrund einer hohen Konkurrenzsituation in ihrer (neuen) Heimat ihrer Wurzeln erinnern, noch einheimische Athleten haben in letzter Zeit internationale Meriten errungen. Daher erfreut das Land die Nachricht umso mehr, dass die fünfzehnjährige Sam Sothea bei den diesjährigen Olympischen Jugend-Sommerspielen in Singapur die Bronzemedaille im Judo errang. In der Gewichtsklasse bis 44 Kilogramm besiegte sie im kleinen Finale am 21. August ihre bulgarische Gegnerin nach nur 24 Sekunden mit einem Ippon und katapultierte ihr Heimatland im Medaillenspiegel auf den geteilten 84. Rang unter 205 startenden Nationen. Neben Som Sothea traten noch weitere kambodschanische Athleten im Ringen, Schwimmen und in der Leichtathletik an, wie chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet. Dass gerade ein Erfolg in einer Kampfsport-Disziplin erzielt wurde, dürfte kein Zufall sein: Durch die verschiedenen Klassen wirken sich Gewichtsunterschiede praktisch kaum aus. Kambodschanische Athleten haben bis in die Gegenwart immer noch Schwierigkeiten, sich angemessen zu ernähren, was in vielen Sportarten einen nicht unerheblichen Wettbewerbsnachteil bedeutet. Außerdem gehen von der staatlichen Sportförderung, wie in anderen südostasiatischen Ländern übrigens auch, nicht gerade erhebliche Impulse aus.

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Nur auf den ersten Blick ein süßes Geschäft

30. August 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

Auf den ersten Blick eine Win-Win-Situation. Kambodscha kann seinen Zucker – unter der Neuregelung der allgemeinen Zollpräferenzen der EU (EBA-Agreement) – zu einem garantierten Mindestpreis zollfrei in die Mitgliedsstaaten verkaufen. Damit sollen Kambodscha, sowie weitere Entwicklungsländer, bei der Armutsbekämpfung unterstützt werden, durch Zollpräferenzen vom internationalen Handel zu profitieren. Und der zollfreie Import in die EU ist zudem für europäische Handelsunternehmen ein gutes Geschäft.

Auf den zweiten Blick hingegen gibt es bei diesem Zuckerdeal in Kambodscha fast nur Verlierer, aber nur einen einzigen Gewinner: der kambodschanische Zuckerproduzent.  Meist hat dieser seine Bewilligung im grossen Stil industriell Zuckerrohr anzubauen für viel Geld von der Regierung erkauft.

Der nach der EU exportierte Zucker wird auf Plantagen geerntet, die den rechtmässigen Landbesitzern, meist Kleinbauern und arme Familien, z.T. gewalttätig weggenommen wurden, weil die Bewilligungen die bestehenden Besitzverhältnisse vielfach nicht berücksichtigten. Diese industrielle Zuckerproduktion hat gemäss Untersuchungen  zu unrechtmässiger Enteignung, Landraub, Verarmung und gewalttätiger Verdrängung von tausenden von armen Familien in den Provinzen Koh Kong, Kompong Speu und Oddar Meanchey geführt.

So gesehen ist das EBA-Aggreement geeignet, das Missachten von Menschenrechten in Kambodscha zu fördern. Das folgende Statement des EU-Vertreters in Kambodscha ist bedenklich: “…….Es ist ungerechtfertigt, Zollpräferenzen verantwortlich zu machen für Land Grabbing und unrechtmässige Vertreibung…..!”

Die EU-Organe müssen vermehrt vernetzt denken.

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