Kurzdurchlauf der makroökonomischen Bedingungen

2. August 2010

Eine kurze und im Ton eher zurückhaltende, wenn auch durchaus prägnante Analyse der makroökonomischen Bedingungen Kambodschas bieten Hal Hill, Jayant Menon und Chan Sopha am 2. August in der Online-Ausgabe des Jakarta Globe. Die Autoren präsentieren sowohl die guten als auch die schlechten Seiten der wirtschaftlichen Entwicklung und leiten aus dem Beispiel Kambodschas allgemeine Schlussfolgerungen für ökonomische Reformen ab. Vor allem betonen sie, dass angesichts weit des verbreiteten land-grabbing Eigentumsrechte effektiv geschützt werden müssen und dass es auch regulativer Eingriffe in die liberale Marktwirtschaft bedarf.

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OSJI fordert mehr Transparenz gegen politische Einflussnahme

31. Juli 2010

Die Open Society Justice Initiative, eine Untergliederung des von George Soros privat gegründeten Open Society Institute, hat eine umfassende Analyse zur politischen Einflussnahme auf den hybriden Strafgerichtshof veröffentlicht. Ausgehend von den rechtlich vereinbarten Grundlagen des Tribunals beschreibt der Bericht konkrete Fälle politischer Einflussnahme und schließt mit einigen Empfehlungen. Neben dem erwarteten Appell, dass vor allem die internationale Seite sich jeglicher Form der Einmischung durch die kambodschanische Regierung entgegenstellen solle, wird vor allem mehr Transparenz eingefordert, den nur so könne politische Einflussnahme erst wahrgenommen und eingedämmt werden. Die OSJI beobachtet das Tribunal gegen die noch lebenden Führer der Roten Khmer seit mehreren Jahren und hat sich regelmäßig mit kritischen Stellungnahmen und Enthüllungen zu korrupten Praktiken am Gerichtshof zu Wort gemeldet.

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Urteil gegen Duch im Fokus der Weltpresse

29. Juli 2010

Das Urteil gegen Kaing Guek Eav, besser bekannt als Duch, beschäftigt in dieser Woche die Weltpresse in erheblicher Weise. Zahlreiche Hintergrundberichte, Analysen und Kommentare sind zu einer Informationsflut angestiegen, in der man leicht den Überblick verlieren kann. Fast alle Beobachter sind sich jedenfalls einig, dass das erste Verfahren nur das Vorspiel, ein Testlauf war für die zweite, weitaus wichtigere Verhandlung gegen die gebrechlichen Greise Nuon Chea, Khieu Samphan, Ieng Sary und Ieng Thirith. Peter Maguire hebt in einem Beitrag für die International Herald Tribune noch einmal die politische Einflussnahme hervor, die auf das Tribunal seitens der kambodschanischen Regierung einwirkt. Nur solange sich der hybride Gerichtshof Hun Sens Willen unterwerfe, werde er toleriert; strebe er aber nach Autonomie – eigentlich die Grundbedingung für eine unabhängige Rechtsprechung – könnte dies sein Ende bedeuten. In einem bemerkenswerten Aufsatz im Cambodia Tribunal Monitor konzentriert sich John Ciorciari auf das Urteil gegen den Kommandeur des Foltergefängnisses S-21: Er spekuliert, dass es eventuell deshalb so milde ausgefallen sei, weil Duchs Zeugenaussage noch im zweiten Prozess gebraucht werden könnte, um die Verantwortung der politischen Führung der Roten Khmer für die begangenen Verbrechen belegen zu können. Außerdem kritisiert er, dass die Richter (noch) nicht ausreichend von ihrer Möglichkeit gebraucht gemacht haben, die Opfer von S-21 zu entschädigen. Dabei ging es den Nebenklägern nicht um eine finanzielle Kompensation, sondern um kostengünstige Initiativen für Gedenkstätten und anderen Formen der Erinnerung. Dies könnte etwa eine Stupa sein, deren Errichtung einige Opfer nun vorgeschlagen haben.

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Polizei beendet Streik am Stadtrand Phnom Penhs

28. Juli 2010

Bei der Niederschlagung eines wochenlangen Streiks sind neun Textilarbeiterinnen verletzt worden. Auf Grundlage einer gerichtlichen Verfügung zwang ein schwerbewaffnetes Polizeiaufgebot die 3000 meist weiblichen Beschäftigten, den Streik zu beenden und an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren. Dabei sind die Streikenden, die die Wiedereinstellung einer entlassenen Betriebsrätin erreichen wollten, nach Angaben von Reuters offensichtlich mit Elektroschockgeräten attackiert worden. Die PCCS Garments Ltd. am Rande Phnom Penhs befindet sich in malaysischem Besitz und produziert unter anderem auch für die deutschen Sportartikelhersteller Adidas und Puma.

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Wolfgang Moser neuer Deutscher Botschafter

28. Juli 2010

Dr. Wolfgang Moser ist neuer Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Kambodscha. Er löste am 22. Juli Frank Mann ab, der seit Juli 2007 das Amt innehatte. Moser, am 27. Mai 1948 in Bad Hersfeld geboren, war in den letzten vier Jahren Botschafter in Antananarivo auf Madagaskar. Er studierte Sinologie, Soziologie und Wirtschaftsgeographie und war zuvor unter anderem eingesetzt als Referatsleiter im Auswärtigen Amt, Generalkonsul in Houston und Marseille sowie Botschafter in Lesotho. Für Moser dürfte Phnom Penh die letzte Station in seiner Diplomatenkarriere sein.

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Hun Sen wirbt in Singapur um Investitionen in seiner Heimat

27. Juli 2010

Premierminister Hun Sen ist mit einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation nach Singapur gereist und hat dort für Investitionen in Kambodscha geworben. Der Regierungschef versicherte zahlreichen hochrangigen Unternehmern des Stadtstaates, sich persönlich für günstige Geschäftsbedingungen in seinem Heimatland zu engagieren, wie die Business Times am 27. Juli berichtet. Die Wirtschaftsbeziehungen beider Länder waren erst im Mai 2010 in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, als die britisch-amerikanische Nichtregierungsorganisation Global Witness Kambodschas Sandexport nach Singapur in einem Aufsehen erregenden Bericht als illegal kritisierte.

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Unterschiedliche Reaktionen auf das Urteil gegen Duch

27. Juli 2010

Während sowohl Anklage als auch Verteidigung noch überlegen, gegen das Urteil Berufung einzulegen, haben Beobachter unterschiedlich auf das Ende des Verfahrens gegen Kaing Guek Eav, genannt Duch, reagiert. Allgemein wird sehr positiv bewertet, dass mit dem Urteil der erste Schritt gegangen wurde, um sich der Vergangenheit zu stellen und den Opfern der Roten Khmer Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Dagegen haben die Nebenkläger in teils sehr emotionalen Statements deutlich gemacht, dass die Strafe gegen den Kommandeur des Foltergefängnisses S-21 zu milde ausgefallen sei. Duch wird nur noch maximal bis 2029 inhaftiert bleiben, so dass durchaus denkbar ist, dass der heute 68-Jährige noch einmal in Freiheit wird leben können. Die Nichtregierungsorganisation Cambodian Center for Human Rights (CCHR) begrüßte vor allem die Reduzierung der Strafe um fünf Jahre aufgrund der illegalen Untersuchungshaft. Diese sei ein gutes Beispiel und ein klares Zeichen an das kambodschanische Rechtssystem, in dem es bei den allermeisten Strafverfahren zu langer, rechtswidriger Untersuchungshaft käme.

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Erst der zweite Prozess entscheidet über den Erfolg des Tribunals

26. Juli 2010

Es sei kein Skandalurteil, aber dennoch kommentiert Erich Follath das Urteil gegen Kaing Guek Eav, besser bekannt als Duch, am Tag der Verkündung auf Spiegel-Online durchaus kritisch. Das Urteil sei milde, die Reue nicht sehr überzeugend und die Wahrscheinlichkeit gegeben, das Duch doch noch einmal in Freiheit käme. Letztendlich gehöre der Kommandeur des Foltergefängnisses trotz der von ihm angeordneten Gräueltaten jedoch nicht in die erste Reihe der Völkermord-Verantwortlichen. Apropos Völkermord: Im kommenden Verfahren gegen Nuon Chea, Khieu Samphan, Ieng Sary und Ieng Thirith wird dies ein Anklagepunkt sein. Laut Follath sei dies den Kambodschanern wichtig, allerdings ist dieser Tatvorwurf nicht auf das eigene Volk der Khmer anwendbar, sondern nur auf die ethnischen Minderheiten der Cham und Vietnamesen. Der Christian Science Monitor berichtete bereits am 23. Juli, warum gerade Völkermord juristisch sehr schwer wird nachzuweisen sein; dies könne noch eine erhebliche Bürde im kommenden Verfahren darstellen. In einem scheinen sich die Beobachter dann aber doch einig: Entscheidend für den Erfolg des Tribunals sei nicht der erste, sondern der zweite Prozess.

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Nebenkläger im Rote Khmer-Tribunal forcieren die Aufarbeitung

26. Juli 2010

Das erste Verfahren im Rote-Khmer-Tribunal ist heute mit dem Urteil gegen Kaing Guek Eav, genannt Duch, zu Ende gegangen. Dabei waren auch Nebenkläger zugelassen, die entweder wie Chum Mey selbst zu den wenigen Überlebenden des Foltergefängnisses S-21 gehörten oder deren Angehörige – die Autorin und Menschenrechtsaktivisten Theary Seng verlor beispielsweise ihre gesamte Familie – dort inhaftiert waren. Wolfgang Möllers und Andreas Selmeci beschreiben am 23. Juli 2010 in der Neuen Züricher Zeitung den Fortgang des Tribunals aus Sicht der Nebenkläger und weisen vor allem auf die beginnende Aufarbeitung der Verbrechen in Kambodscha hin. Dieser Prozess sei oft sehr schmerzhaft, und die Gefahr einer Re-Traumatisierung bestünde vor allem für die Nebenkläger, so der Tenor.

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Wie lange muss Duch noch im Gefängnis bleiben?

26. Juli 2010

Wenige Stunden nach der Urteilsverkündung gegen Kaing Guek Eav alias „Duch“ herrscht Unklarheit, was seine noch zu verbüßende Gefängnisstrafe betrifft. Letzte Zweifel werden auch durch die offizielle Pressemitteilung durch den Strafgerichtshof nicht beseitigt. Fakt ist immerhin, dass er heute vom Rote-Khmer-Tribunal zu einer 35-jährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Einige Medien berichten, dass die Strafe um 16 Jahre reduziert werde, weil die Untersuchungshaft angerechnet werden müsste. Duch wurde allerdings 1999 gefasst, was bedeutete, dass es bei dieser Erklärung eigentlich nur eine elfjährige Reduzierung geben könnte. Andere Medien verlautbaren, die Strafe werde lediglich auf 30 Jahre Gefängnis reduziert, weil Duch fünf Jahre lang durch das kambodschanische Militär unrechtmäßig inhaftiert war. Hinzu kommt, dass es nach kambodschanischem Recht offenbar möglich ist, nach zwei Dritteln der verbüßten Gefängnisstrafe den Rest in eine Bewährungsstrafe umzuwandeln. Dies könnte im Extremfall sogar bedeuten, dass Duch 2023 wieder in Freiheit kommen könnte.

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