Wer gegen wen mit welchen Motiven kämpft

9. Februar 2011

Der Konflikt um den Tempel Preah Vihear und den Grenzverlauf wirft zahlreiche Fragen auf. Den meisten, so scheint es, sollte man sich aus der thailändischen Perspektive her nähern. Im Zentrum dieser Überlegungen stehen die Parlamentswahlen, die in diesem Jahr noch stattfinden sollen. Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva ist bekanntlich in erster Linie deswegen ins Amt gekommen, weil die nationalistischen Gelbhemden, wie die Volksallianz für Demokratie umgangssprachlich genannt wird, mit ihren Aufständen die Nachfolger von Thaksin Shinawatra – den Rothemden – entscheidend schwächte. Seine extremistischen Steigbügelhalter haben sich in den letzten Monaten allerdings deutlich von Abhisit distanziert, und daher liegt die Vermutung nahe, dass der Konflikt in erster Linie als Geste ihnen gegenüber interpretiert werden kann.

Der britische Telegraph stellt dagegen noch eine zweite Vermutung in den Raum: Es könnte sein, dass Abhisit gar nicht mehr Herr der Lage ist und die Feuergefechte auf eine Vereinbarung radikaler Militärs mit den extremen Nationalisten fußen, um die Regierung zu destabilisieren. Am Ende könnte dann wieder ein „rettender“ Militärputsch stehen, der in Thailand ja eher Regelfall als Ausnahme ist. Träfe dies zu, könnte Kambodscha davon ausgehen, dass der Konflikt wohl nicht ausarten wird, denn das thailändische Militär hat von jeher seine nationalen Pfründe und Privilegien im Blick und verfolgt nicht das Ziel, Ruhm und Ehre auf dem Schlachtfeld zu mehren. Was wiederum Thailands Nationalisten gar nicht schmecken dürfte, denn ihnen geht es nicht nur um das Gebiet um den Tempel, sondern um die Ruine selbst. Aber selbst die größten Hardliner in Thailands Streitkräften werden wohl wissen, dass eine Integration des Tempels Preah Vihear in das eigene Staatsgebiet selbst mit militärischen Mitteln utopisch sein dürfte.

Langsam aber sicher steht auch Thailands internationale Reputation auf dem Spiel. Hanns-Heinrich Schumacher, Deutschlands Botschafter in Bangkok, erkannte in einem Interview mit dem Deutschlandfunk schon „mangelnde politische Reife“ und stellte indirekt in Aussicht, das Thailands internationale Ambitionen – vor allem die angestrebte Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat ab 2016 – wohl keine Unterstützung bekämen, wenn das Land nicht in der Lage sei, diesen Konflikt mit diplomatischen Mitteln zu lösen. Auch er spricht jedoch von lokal begrenzten Gefechten, die auf die Befehlshaber vor Ort zurückzuführen seien als durch die jeweiligen Regierungen in den Hauptstädten orchestriert.

Thailands Regierung hat somit innen- wie außenpolitisch an vielen Fronten zu kämpfen. Im Bezug auf den eigentlichen Konflikt, also der mit Kambodscha, hat man nun – wenn auch überraschend spät – den Hauptkontrahenten ins Visier genommen. Und das ist natürlich kein geringerer als Premierminister Hun Sen persönlich. Der hatte ja nicht nur Thaksin, den Intimfeind des thailändischen Establishments, zu einem seiner Berater ernannt, sondern schleppt noch weit größere historische Bürden mit sich herum: In den achtziger und neunziger Jahren kämpften die Roten Khmer auch von thailändischem Staatsgebiet gegen die Regierung in Phnom Penh, die seit Ende 1984 von Hun Sen geführt wurde. Dabei kooperierte die Bürgerkriegsallianz auch eng mit Thailands Streitkräften, die in ihren Partnern ein willkommenes Bollwerk gegen einen ausufernden Einfluss der Sozialistischen Republik Vietnam sahen. Hun Sen auf der einen und Thailands alte Eliten inklusive des Militärs auf der anderen Seite: das ist dann doch eher die Neuauflage eines alten Spiels als eine gänzlich neue Konfliktlinie.

Der erste Angriff gegen Hun Sen besteht nun darin, dass ihn eine Gruppe aus 40 thailändischen Senatoren beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag wegen Kriegsverbrechen angezeigt hat. Die Chancen einer solchen Klage stehen allerdings äußerst schlecht, und selbst The Nation erkennt darin lediglich eine symbolische Geste. Aber selbst das scheint der Hoffnung doch etwas zu viel zu sein: Thailand erkennt den Internationalen Gerichtshof noch nicht einmal an – die Gefahr, sich mit diesem Schritt bis auf die Knochen zu blamieren, haben die Senatoren offensichtlich nicht bedacht.

Der zweite Angriff besteht in lautstarken Vorwürfen gegen Hun Sens ältesten Sohn, Generalmajor Hun Maneth. Der soll laut Bangkok Post Initiator der Feuergefechte sein, die nach Freitag ausgetragen wurden, offensichtlich, weil er sich nicht mit den Verlusten des ersten Feuergefechts abfinden konnte. Demnach soll Hun Maneth dort ganz bewusst Erfahrungen sammeln und bestenfalls noch Erfolge vorweisen, um demnächst auf der Karriereleiter die Stufe des Oberkommandierenden der kambodschanischen Streitkräfte einzunehmen (wobei das Ende als Nachfolger seines Vaters ja angeblich auch schon feststehen soll). The Nation hat dieses Thema ebenfalls aufgegriffen und berichtet außerdem, dass Hun Maneth am Sonntag während den Kampfhandlungen verwundet worden sei.

Auch Hun Sen selbst soll den Konflikt vor allem aus innenpolitischen Gründen führen. Auch er brauche Zustimmung, die er durch das „Ausspielen der nationalen Karte“, so Professor William Case gegenüber AFP, beleben möchte. Im Unterschied zu Thailand, wo die Regierung auf externen Nationalismus reagiert, wird er in Kambodscha an der Regierungsspitze bewusst kultiviert – was sicherlich auch daran liegen mag, dass in Kambodscha sonst niemand wagen würde, offen eine politische Meinung zu äußern.

Wer kämpft da eigentlich gegen wen und mit welchen Motiven: diese Fragen können weiterhin nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Allerdings dürfte auch dem letzten Beobachter klar geworden sein, dass komplexe politische Absichten im Hintergrund laufen, die eine schnelle Beilegung des Konflikts unwahrscheinlich machen. Doch das ist bitter nötig, denn es handelt sich hier um keine Wirtshausschlägerei oder einen sportlichen Wettkampf: nein, hier sterben Menschen, wobei einem Bericht von Reuters zufolge weit mehr Menschen ums Leben gekommen sind als von offizieller Seite, die von fünf Todesopfern spricht, zugegeben wird. Hun Sen lehnt die Bezeichnung Konflikt mittlerweile ab spricht laut Phnom Penh Post von einem „echten Krieg“. Selbst wenn das stimmte: der Premierminister bleibt weiterhin jede Antwort schuldig, wie er denn gedenkt, diesen wieder zu beenden und den Verlust weiterer Menschenleben zu vermeiden.

Immerhin ist es in den letzten beiden Tagen ruhig geblieben.

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Preah Vihear: Die organisierte Tatenlosigkeit der ASEAN

7. Februar 2011

Ein Kommentar von Markus Karbaum

So sieht der kambodschanisch-australische Karrikaturist Sacrava die Rolle der ASEAN im Preah Vihear-Konflikt.

So sieht der kambodschanisch-australische Karrikaturist Sacrava die Rolle der ASEAN im Preah Vihear-Konflikt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dass der kambodschanisch-thailändische Konflikt um den Tempel Preah Vihear und Fragen zur Grenzziehung nur mit internationaler Mediation entschärft werden kann, liegt schon seit über zwei Jahren nahe. Doch bisher hat es diesbezüglich so gut wie kein Engagement gegeben, vor allem die Staatengemeinschaft ASEAN zeigt sich völlig überfordert. Das Prinzip der Nichteinmischung mutiert hier zur organisierten Tatenlosigkeit, was einmal mehr die Frage aufwirft, ob die ASEAN überhaupt ein Garant für Stabilität und Sicherheit in der Region sein kann. Dennoch fällt auf, dass Kambodscha immer wieder um internationale Intervention bat – und kein Gehör fand, nicht zuletzt auch deswegen, weil Thailand sich dem sperrte. Ganz nebenbei: Generalsekretär der ASEAN ist ein gewisser Surin Pitsuwan, seines Zeichens nicht nur thailändischer Staatsbürger, sondern auch Mitglied der Demokratischen Partei von Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva.

Kambodscha dürfte wohl nicht viel Vertrauen in einen solchen „ehrlichen Makler“ setzen und hat durch Hun Sen persönlich erneut den UN-Sicherheitsrat angerufen. So, wie er allerdings UN-Generalsekretär Ban Ki-moon im Herbst letzten Jahres gedemütigt hatte, dürften Kambodschas Premierminister dort allerdings nicht gerade alle Türen einladend offen stehen. Darüber hinaus forderte Hun Sen auch schon UN-Blauhelmsoldaten, die eine Pufferzone in der umstrittenen Region einrichten sollten. Aber die allein werden an den Fundamenten des Konflikts nicht rütteln können, selbst wenn es tatsächlich eine solche Mission geben sollte. Die Gefahr, damit eine – letztendlich unrealistische – Dauerlösung schaffen zu wollen, ist sicherlich nicht ganz von der Hand zu weisen. Daher werden sich beide Seiten – mit oder ohne Unterstützung Dritter – schlussendlich am Verhandlungstisch einigen müssen, und dazu muss vor allem Thailand einige Positionen grundlegend überdenken (was nicht leicht sein dürfte, denn Abhisit ist auf die radikalen Nationalisten angewiesen).

Alternativlos ist dieses wünschenswerte Szenario natürlich auch nicht: Die andere Option bestünde darin, militärische Fakten zu schaffen. Doch das käme der Öffnung der Büchse der Pandora gleich und könnte halb Südostasien destabilisieren.

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Waffenruhe hielt nur kurz

7. Februar 2011

Die Waffenruhe hielt nur kurz: Sowohl am Sonntag als auch am Montag gab es wieder vereinzelte Feuergefechte an der kambodschanisch-thailändischen Grenze. Meldungen über Tote und Schäden sind so unüberschaubar, dass an dieser Stelle keine Mutmaßungen vorgenommen werden. Überhaupt entwickelt sich neben dem Kampf um den Tempel auch immer mehr jener um die Deutungshoheit. Kambodscha stellt Thailand konsequent als Aggressor dar, was die Regierung in Bangkok ebenso ausdauernd bestreitet. Dennoch ist auffällig, wie selbstverständlich und offensiv Kambodscha in dieser für die Weltöffentlichkeit nicht ganz unbedeutenden Frage agiert und wie defensiv Thailand reagiert.

Auch Falschmeldungen sollen die Kampfmoral des Gegners schwächen: So spricht Thailand laut AFP von 64 toten kambodschanischen Soldaten, nachdem die Gegenseite schon am Wochenende von mehr als 30 thailändischen Kämpfern sprach, die offenbar ums Leben gekommen seien – bestätigt sind gerade einmal eine gute handvoll Menschen, die bisher durch die Kampfhandlungen umkamen. Offensichtlich ist nun auch der eigentlich als seriös geltende Sender Radio Free Asia zwischen die Räder der Propaganda geraten: Sofern die Übersetzung zutreffend ist, hätten thailändische Truppenführer die Parole ausgerufen, alles zu unternehmen, um den Tempel Preah Vihear einzunehmen – koste es was es wolle. Thailand plane daher den Einsatz von Kampfflugzeugen und Giftgas.

Es sind gewöhnlich solche – zumindest bezogen auf das Giftgas – aus dritter Hand gerüchteweise lancierten (Falsch-)Meldungen, die lokal begrenzte Konflikte anfeuern, in dem sie Ängste bei den beteiligten Menschen schüren und Überreaktionen provozieren. Eine weitere Eskalation scheint nicht nur deswegen weiterhin möglich; vorsorglich evakuieren die Thailänder (in weiser Voraussicht?) weiter die Zivilbevölkerung aus der Gegend – ähnliches lässt sich auf kambodschanischer Seite (leider) nicht berichten.

Die Schäden am Tempel Preah Vihear sind nicht ganz unbegründet: Die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehörende Ruine liegt zumindest auf dem Patrouillenweg kambodschanischer Soldaten. Fotos zeigen, wie sie dort im Schatten der Mauern eine Pause machen. Die Geschichte vieler Kriege hat gelehrt, dass in einem bewaffneten Konflikt immer dorthin geschossen wurde, wo der Feind erkannt oder vermutet wird. Will Kambodscha also den Tempel schützen, sollten sie dort einfach keine Soldaten mehr hinschicken – nun ganz so einfach ist es auch nicht, denn dann läge er wie auf dem Präsentierteller für Thailands Truppen.

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Waffenruhe hält – Anzahl der Todesopfer weiter unklar – Schäden am Tempel – Abhisit spricht von „Gegenangriff“

6. Februar 2011

Die vereinbarte Waffenruhe zwischen Thailand und Kambodscha hat bisher gehalten. Dennoch hat Thailand am Samstag mehrere tausend Menschen aus der Kampfzone evakuiert. Unterdessen stieg die Zahl der Todesopfer auf kambodschanischer Seite auf mindestens drei an (zwei Soldaten und ein Zivilist). Ein kambodschanischer Regierungssprecher behauptet, auf der Gegenseite seien mehr als 30 Soldaten gestorben. Offiziell sind bisher jedoch erst zwei Todesfälle (ein Zivilist und ein Soldat) bekannt geworden. Fotos sollen belegen, dass bei den Gefechten auch der Tempel Preah Vihear in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Thailands Ministerpräsidenten Abhisit Vejjajiva sprach am Sonntag laut staatlicher chinesischer Nachrichtenagentur Xinhua von einem „Gegenangriff“ seines Militärs, das die Souveränität verteidigt und deshalb zurückgefeuert habe.

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Warum Thailand keine Argumente hat und Kambodscha trotzdem kaum Unterstützung findet

5. Februar 2011

Ein Kommentar von Markus Karbaum

Die thailändische Zeitung The Nation hat eine interessante Graphik angefertigt, die Aufschluss über die geographischen Hintergründe des Konflikts gibt. Sofern sie wirklichkeitsgetreu ist, wäre sie ein Beleg dafür, dass Thailand auch formal den Tempel Preah Vihear für sich beansprucht und nicht nur das nordwestliche Territorium in der unmittelbaren Umgebung. Demnach soll die Wasserscheide die Grenze konstituieren, obwohl der Internationale Gerichtshof bereits 1962 entschied, dass auf Basis einer von Thailand nie widersprochenen Karte von 1904 der Tempel eindeutig auf kambodschanischem Territorium steht.

Dieses Urteil dürfte neben dem eigenen Patriotismus wohl die zweite Quelle des großen Selbstvertrauens sein, mit der Kambodscha in dem Konflikt die nationale Integrität verteidigt. Der Regierung in Phnom Penh ist sich sicherlich bewusst, dass die Kollegen in Bangkok argumentativ und auch politisch am weitaus kürzeren Hebel sitzen. Deren großes Problem besteht offensichtlich darin, dass einige zum Chauvinismus neigende Extremisten (die pikanterweise auch mit dafür gesorgt haben, dass die jetzige Regierung um Ministerpräsidenten Abhisit Vejjajiva im Amt ist) partout nicht mehr akzeptieren wollen, was seit Jahrzehnten common sense ist. Ganz so, als solle Deutschland Ostpreußen oder Elsass-Lothringen wieder eingemeinden.

Thailand wird letztendlich nur durch massiven militärischen Druck seine Ziele erreichen können. Dies könnten wie jetzt auch jahrelange Scharmützel bedeuten, um die Gegenseite zu zermürben – einen offenen Feldzug kann sich Thailand angesichts der kambodschanischen Verbündeten China und Vietnam dagegen auf keinen Fall leisten. Kambodscha hat dagegen den politischen Nachteil, dass praktisch niemand – auch Vietnam nicht – derzeit motiviert sein dürfte, Hun Sen zur Seite zu stehen – dafür hat das Regime durch seine Innenpolitik vor allem im Westen jegliche Sympathien verspielt. Soll der Autokrat doch selbst zusehen, wie er mit der Lage zu Recht kommt – so dürften nicht wenige denken. Der Regierungschef wird für sein Land also nicht zum ersten Mal zur außenpolitischen Bürde. Wäre Kambodscha so demokratisch organisiert wie es die Verfassung vorschreibt, wäre dem Land die internationale Unterstützung in diesem Fall sicher gewiss.

So wird verständlich, dass etwa die Vereinigten Staaten lediglich beide Seiten zur Zurückhaltung auffordern, anstatt an der grundsätzlichen Beilegung des Konflikts mitzuwirken und dazu Thailand erst einmal zur Ordnung zu rufen. Das wäre – objektiv gesehen – mehr als überfällig, wird aber trotz aller Notwendigkeit nicht geschehen, und Kambodscha wird daher weiter nach außenpolitischer Unterstützung suchen müssen. Die Benachrichtigung des UN-Sicherheitsrats entspricht genau dieser Motivation, allerdings dürften die diplomatischen Kompetenzen Kambodscha zu limitiert sein, um eine wirkungsvolle Kampagne zu starten. Die Chancen, internationalen Beistand zu finden, fallen also recht mager aus – solange Hun Sen jedenfalls nicht auf die Idee kommt, sich innenpolitisch zu wandeln.

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Waffenruhe folgt auf zweites Gefecht

5. Februar 2011

Um 6.15 Uhr Ortszeit (0.15 Uhr MEZ) ist es zu einem neuerlichen Feuergefecht zwischen thailändischen und kambodschanischen Soldaten gekommen, welches allerdings bereits nach 25 Minuten beendet war. Mittlerweile haben die Drei-Sterne-Generäle Thawatchai Samutsakorn und Chea Mon in einem Restaurant in einem Grenzstützpunkt im Kreis Anlong Veng eine Waffenruhe vereinbart. Wie die Bangkok Post berichtet, dürften beide Seiten demnach keine weiteren Truppen an der Grenze stationieren; außerdem sollten die kommandierenden Offiziere die Führung ihrer Soldaten verbessern, um weitere Zusammenstöße zu vermeiden.

Unterdessen gibt es nach wie vor keine gesicherten Aussagen zur Anzahl der Todesopfer. Auf kambodschanischer Seite sollen ein Soldat und ein Tourist ums Leben gekommen sein, auf der anderen Seite gestern ein Dorfbewohner und heute ein Soldat. Die kambodschanische Regierung spricht laut dpa hingegen von 13 toten thailändischen Soldaten. Außerdem soll auch der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörende hinduistische Tempel Preah Vihear – der Fixpunkt der gesamten Auseinandersetzung – etwas Schaden genommen haben. Bisher sind allerdings lediglich Photos von den Schäden aus der thailändischen Provinz Sisaket an die Öffentlichkeit geraten.

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Nach Artilleriegefecht offenbar je ein Todesopfer auf beiden Seiten

4. Februar 2011

Mehrere Stunden nach dem Feuergefecht zwischen thailändischen und kambodschanischen Truppen um den Ort Phu Makuea in der Nähe des Tempels Preah Vihear liefern verschiedene Berichte einen ersten Lageüberblick. Laut AFP wurden ein kambodschanischer Soldat und ein thailändischer Zivilist getötet, darüber hinaus gab es noch ein knappes Dutzend verletzte insgesamt. Bei dem Scharmützel soll es sich hauptsächlich um einen gegenseitigen Beschuss mit Artilleriegranaten über eine Dauer von drei Stunden gehandelt haben. Auf kambodschanisches Gebiet sollen dabei rund einhundert Granaten vom Kaliber 105mm abgefeuert worden sein.

Was das Feuergefecht auslöste, ist bisher unklar – beiden Seiten betonen, nicht als erste geschossen zu haben. Thailändische Granaten sollen allerdings über 20 Kilometer tief in kambodschanisches Territorium geschossen worden sein, während auf der anderen Seite das thailändische Dorf Pumi Saroen stark getroffen wurde. Dort sollen insgesamt zehn Häuser zerstört worden sein.

Thailändische Militärs führten das Scharmützel laut dpa auf ein „Missverständnis“ zurück; man wolle nun wieder verhandeln und alles weitere friedlich klären. Das dürfte nicht zuletzt an den vier thailändischen „Kriegsgefangene“ liegen, die sich seit heute in den Händen kambodschanischer Truppen befinden.

Kambodscha will hingegen am Samstag eine formale Beschwerde im UN-Sicherheitsrat gegen „Thailands Invasion“ einreichen. Vielleicht lässt sich dieser Konflikt tatsächlich nur mit internationaler Vermittlung lösen.

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Erneut Feuergefecht zwischen Kambodscha und Thailand

4. Februar 2011

Die Spannungen an der Kambodscha und Thailand kulminierten heute zu einem – nach den letzten Tagen fast schon absehbaren – Feuergefecht an der gemeinsamen Grenze in der Nähe des hinduistischen Tempels Preah Vihear. Das Scharmützel soll am Phu Ma Khua Hill gegen 15.15 Uhr Ortszeit (9.15 Uhr MEZ) begonnen haben und derzeit noch andauern. Wie die thailändische Zeitung The Nation berichtet, könnten dabei auch schwere Waffen zum Einsatz gekommen sein. Weitere Details sind bisher nicht veröffentlicht worden.

Derweilen gehen heute auch die Konsultationen der Außenminister beider Länder in Siem Reap zu Ende, die eigentlich dazu gedacht waren, die angeschlagenen Beziehungen wieder etwas aufzupolieren. Laut dpa ist das Treffen ohne verbindliche Ergebnisse zu Ende gegangen, wie die diplomatischen Floskeln des Abschlusskommuniques zeigen. Es ist sicherlich positiv zu bewerten, dass beide Seiten überhaupt noch direkt miteinander sprechen, aber offensichtlich scheinen die Positionen in vielen Streitfragen soweit auseinander zu liegen, dass eine Lösung der dringlichsten Probleme nach wie vor nicht absehbar ist.

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Lange Haftstrafen für thailändische Grenzgänger

2. Februar 2011

Nach den neuerlichen Zuspitzungen in den letzten zehn Tagen konnte man es schon fast erahnen, dass Kambodscha an die Grenzen größtmöglicher Zurückhaltung dem Nachbarn Thailand und seinen innenpolitischen Turbulenzen gegenüber kommen würde: Nun hat das Stadtgericht Phnom Penh die beiden noch inhaftierten Grenzgänger, die Ende Dezember festgenommen worden waren, wegen Spionage und unbefugten Eindringens in ein militärisches Sperrgebiet zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Gelbhemd Veera Somkwamkid muss demnach acht Jahre im Gefängnis bleiben und umgerechnet rund 440 USD Strafe zahlen, seine Sekretärin Ratree Pipatanapaiboon wurde zu sechs Jahren Haft und knapp 300 USD verurteilt. Die Strafen wurden nicht zur Bewährung ausgesetzt, die Verurteilten können allerdings innerhalb von 30 Tagen Revision einlegen.

Die ersten Reaktionen der thailändischen Regierung geben allerdings Anlass zur Hoffnung, dass sich der Grenzkonflikt zunächst nicht weiter zuspitzt: Der stellvertretende Ministerpräsident Suthep Thaugsuban sprach laut Bangkok Post von einem harten Urteil, wollte das zuständige Gericht aber nicht kritisieren und rief alle Beteiligten auf, den Schuldspruch zu respektieren. Der innenpolitische Druck auf seine Regierung ist allerdings bereits sprunghaft gestiegen: Die Gelbhemden-Bewegung „Volksallianz für Demokratie“ (PAD) forderte die Regierung auf, alles zu unternehmen, damit ihre Gesinnungsgenossen binnen drei Tagen wieder frei sind. Gerüchten, nach denen die Gelbhemden die kambodschanische Botschaft in Bangkok niederbrennen wollen, wurde schon einmal damit begegnet, deren polizeilichen Schutz deutlich zu erhöhen.

Die Lage ist im Moment also (noch) relativ ruhig, aber ob es so bleibt, ist mehr als offen. Die nächsten Tage dürften gewiss spannend werden.

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Kambodschas alltäglicher Korruptions-Irrsinn

1. Februar 2011

Was macht man mit einem Brigadegeneral der Polizei, der von mindestens 30 jungen Männern, die in den Polizeidienst aufgenommen werden wollen, jeweils 3500 USD „Gebühren“ eingesammelt hat? Genau, in Kambodscha lässt man ihn laufen! Einem Bericht der Phnom Penh Post zu Folge war General So Nal am Samstag in Gewahrsam genommen worden, kam aber wieder auf freien Fuß, nach dem er versprach, das Geld zurückzuzahlen. Unglaublich, aber wahr: Hierbei soll es sich laut einem Polizeisprecher um einen zivilrechtlichen Fall handeln, und deswegen könne der General nicht gerichtlich belangt werden. Vier Mittelsmänner sollen sich hingegen noch im Gewahrsam des Innenministeriums befinden.

Nur einmal angenommen, der Fall wäre nicht bekannt geworden: Die 30 jungen Polizisten hätten den Staatsdienst mit einem für kambodschanische Verhältnisse riesengroßen Schuldenberg begonnen. Mit einem Monatsgehalt von 30 USD, mit man noch nicht einmal den eigenen Lebensunterhalt bestreiten kann, ist es einfach nicht möglich, die Summe von 3500 USD zuzüglich hoher Zinsen jemals zurückzahlen zu können. Es wäre ihnen gar nicht anderes übrig geblieben, als selbst korrupt zu sein.

Das ist Kambodscha: Korruption ist systematisch organisiert. Niemand kann sich ihr entziehen, sie wird ganz bewusst von denen kultiviert, die am meisten von ihr profitieren. Und die sitzen bekanntermaßen ganz oben in der Hierarchie.

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