Wieder mehr Landminenopfer

13. Oktober 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

Landminen aus der Zeit der Roten Khmer und nicht explodierte Bomben aus der Zeit der geheimen US-Bombardierungen während des Vietnamkrieges sind immer noch jede Woche verantwortlich für Todesopfer und schwere Verstümmlungen, vorwiegend unter der ländlichen Bevölkerung von Kambodscha, wie afp berichtet.

In den ersten acht Monaten des Jahres 2010 sind 45 Personen durch explodierende Landminen getötet worden, wie das CMVIS (Cambodia Mine-UXO Victim Information System), eine Informationsstelle des kambodschanischen Roten Kreuzes und von Handicap International berichten. Weitere 162 Personen haben in der gleichen Periode Verletzungen erlitten, davon mussten in 37 Fällen einzelne Glieder amputiert werden. Die Zahlen sind im Vergleich zur Vorjahresperiode leicht höher ausgefallen.

Insgesamt geht das CMVIS davon aus, dass seit 1979 mehr als 63’700 Kambodschaner Opfer von Landminen und Bombenresten wurden.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Kambodschas Ernährungssituation bleibt alarmierend

12. Oktober 2010

Die Deutsche Welthungerhilfe, das US-amerikanische International Food Policy Research Institute und die irische Organisation Concern Worldwide haben den diesjährigen Welthunger Index (WHI) veröffentlicht. Kambodschas Ernährungssituation wird als „alarmierend“ eingestuft – der zweithöchsten Stufe nach „extrem alarmierend“, wovon weltweit lediglich der Tschad, Eritrea, Burundi und die Demokratische Republik Kongo betroffen sind. Im regionalen Vergleich nimmt Kambodscha nach Ost-Timor den zweitletzten Platz ein; in Burma, Laos, Vietnam, Indonesien und auf den Philippinen wird die Lage nur als „ernsthaft“ eingeschätzt. Neben einigen anderen Ländern wird insbesondere Vietnam lobend erwähnt, da es im Vergleich zu 1990 die größten Fortschritte erzielt hätte. Immerhin habe Kambodscha ebenfalls beträchtliche Fortschritte erzielt; der Index sank in den letzten Jahren um ein Drittel. Der WHI steht im engen Zusammenhang mit dem Pro-Kopf-Einkommen jedes Landes, und die Erkenntnis dahinter erscheint ebenso einleuchtend wie banal: Wer mehr Geld hat, kann sich auch genug zu essen kaufen.

Veröffentlicht unter Entwicklungszusammenarbeit, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Verhinderungstaktik geht weiter

12. Oktober 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

Gemäss neuesten Aussagen des Chefs der Antikorruptionsbehörden ACU, Om Yentieng, würden erst ab Beginn von 2012 offiziell Strafverfahren eröffnet und mögliche Straftäter verhaftet, obwohl bereits in mehr als 20 laufenden Untersuchungen mehrere mutmassliche korrupte Beamte hätten erkannt werden können.

Om Yentieng, der zugleich ein langjähriger und enger Berater von PM Hun Sen und Vorsitzender des staatlichen Cambodian Human Rights Committee ist, betonte, dass das neue Strafgesetz erst Ende dieses Jahres in Kraft treten werde und das Antikorruptionsgesetz 12 Monate später.

Der Sprecher der oppositionellen Sam Rainsy Partei, Yim Sovann, hingegen ist der Meinung, dass es keine rechtlichen Gründe für ein Zuwarten und Hinauszögern der Strafverfolgungen gebe, da das noch geltende UNTAC Strafgesetz als Rechtsgrundlage vollauf genüge.

Es zeigt sich einmal mehr, dass die seit ein paar Monaten arbeitende Behörde zur Bekämpfung der Korruption eine klare Verzögerungstaktik fährt. Außer vollmundigen Ankündigungen an Pressekonferenzen und blumigen Vereidigungsformeln sind bis heute keine handfesten Ergebnisse produziert worden.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar

Rothemden in Kambodscha an Waffen und Sprengstoff ausgebildet?

11. Oktober 2010

Ein hochrangiger Beamter, der bei den thailändischen Sonderermittlungsbehörden für Terrorismusfälle zuständig ist, hat Kambodscha am Montag vorgeworfen, insgesamt 39 Rothemden über drei Wochen in Techniken des bewaffneten Kampfs trainiert zu haben. Sie hätten in der Provinz Siem Reap umfangreiches Training an Waffen und Sprengstoff erhalten und seien außerdem einer Gehirnwäsche unterzogen worden, um die thailändische Königsfamilie zu hassen. Am 16. August seien dann 35 Kämpfer zurück in ihre Heimat gekehrt, wie die thailändische Zeitung The Nation berichtet. Der Beamte habe elf Kämpfer verhört, nach dem sie in Chiang Mai festgenommen worden waren.

Noch am selben Tag dementierte die kambodschanische Regierung laut dpa die Vorwürfe als frei erfunden. Es hätten keine thailändischen Aufständischen militärische Unterweisungen von kambodschanischen Sicherheitskräften erhalten, da die Verfassung so etwas verbiete. Die Ursachen für die Anschuldigungen lägen laut Regierungssprecher Phay Siphan in der Innenpolitik des Nachbarlandes, eine Kampagne gegen die Rothemden zu führen und Kambodscha anzuschwärzen.

In der Tat sieht sich Premierminister Abhisit beständigem Druck radikaler Kräfte aus den eigenen Reihen ausgesetzt, die sich sowohl extrem nationalistisch im Grenzstreit um den Tempel Preah Vihear zeigen als auch den Konflikt mit den von Ex-Premier Thaksin unterstützten Rothemden schüren. Ihnen sind die jüngsten Annäherungen ihres Regierungschefs zu Kambodscha ein Dorn im Auge, und insofern wären solche falschen Anschuldigungen durchaus im Bereich des Denkbaren.

Andererseits hat sich in Kambodschas Militär noch niemand so recht darum gekümmert, was in der Verfassung geschrieben steht. Wenn der Preis stimmt, haben sich die Streitkräfte bisher eher selten ein gutes Geschäft entgehen lassen. Und die guten und engen Beziehungen zwischen Premierminister Hun Sen zu Thaksin und seinen Mistreitern sind nun einmal erwiesen.

Veröffentlicht unter Politik | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Kambodschanische Banken mit hohem Risiko

11. Oktober 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

Ein Bericht der amerikanischen Rating-Agentur Standard&Poor’s beurteilt den kambodschanischen Bankensektor im Vergleich zu den meisten andern Ländern Südostasiens als bedeutend weniger nachhaltig.

Die Gründe seien in der schlechten Transparenz der finanziellen Berichterstattung einzelner Banken und der ungenügenden Durchsetzung von Finanzmarktvorschriften durch die kambodschanische Zentralbank zu suchen.

Nach Meinung von Standard&Poor’s seien vor allem kambodschanische und vietnamesische Banken mit höheren Risiken belastet, weil sie in den letzten Jahren in diesem schwierigen Bankenumfeld die Kreditvergabe massiv ausgeweitet hätten.

Insbesondere wird  bezweifelt, ob die Nationalbank die neuen Eigenkapitalvorschriften bei allen Banken durchsetzen kann: neu muss eine in Kambodscha operierende Bank mindestens ein Eigenkapital von 37.5 Mio. $ ausweisen. Zudem würden nicht alle Banken ihre finanzielle Berichterstattung zeitgerecht machen, von einzelnen Banken gebe es überhaupt keine Geschäftsberichte. Selbst die veröffentlichen Ergebnisse seien in vielen Fällen nicht immer glaubwürdig.

Diese kritische Analyse des kambodschanischen Bankensystems wird nicht von allen geteilt: denn vor einem Monat hat der IMF ein eher positives Bild des Bankensektors gezeichnet.

Veröffentlicht unter Politik, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Zu hohe Fahrzeugsteuern?

10. Oktober 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

Die Antikorruptionsbehörde ACU bereiten sich auf eine Untersuchung gegen einzelne Vertreter der Steuerbehörden des kambodschanischen Finanzministeriums vor.

Im letzten Monat sind 90 Klagen von über 2700 Bürgern aus 14 Provinzen eingegangen, die behaupten, dass sie  eine überhöhte Jahressteuer für ihr Fahrzeug bezahlen würden. Gemäss Aussagen eines leitenden Beamten nehmen auch die Steuerbehörden die Klagen Ernst und studieren mögliche interne Untersuchungsverfahren.

Das Affiliated Network for Social Accountability In East Asia and the Pacific, half den vielen Klägern die Unterlagen zusammenzuführen und bei der Antikorruptionsbehörde einzureichen. Gemäß Angaben des Projektleiters werden die Namen der fehlbaren Steuerbeamten noch zurückbehalten, werden aber auf Verlangen der untersuchenden Behörden herausgegeben.

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , | Hinterlasse einen Kommentar

Die Furcht vor radikalen Muslime

7. Oktober 2010

Verglichen mit anderen Regionen und Denkschulen, erscheint der Islam in Kambodscha alles andere als extremistisch. Die Cham, jene rund 600.000 Menschen umfassende ethnische Minderheit, gelten vielmehr als friedlich und gut integriert – und das, obwohl ihnen von den Kambodschanern viel Leid angetan wurde: Unter den Roten Khmer wurden von einer viertel Millionen Cham rund 90.000 ermordet; keine andere Volksgruppe hatte so sehr unter dem Terror von Pol Pots Schergen zu leiden. Offensichtlich hat man diese Verbrechen jedoch nicht als ethnische Säuberungen interpretiert, sondern dem ideologischen Wahn der Roten Khmer zugeschrieben.

Kambodschas sunnitischer Islam erfährt zweifelsohne eine Renaissance, die Anzahl der Moscheen hat sich beispielsweise auf heute rund 250 Gotteshäuser verzehnfacht. Ohne internationale Geldgeber wäre das aber nie geschafft worden, und hier streuen all jene ihre Befürchtungen in die Diskussion, die im internationalen Kampf gegen den Terror den Islam als Quelle ausgemacht haben. Der Economist schreibt, dass vor allem die Herkunft des Geldes Anlass zur Sorge mache: das stamme hauptsächlich von den radikalen Wahhabiten aus Saudi-Arabien und den extremistischen indischen Tablighi Jamaat.

Mit dem Geld werden Schulen gebaut und soziale Programme finanziert, aber dass es auch andere Motive geben könnte, hätte man schon an Riduan Isamuddin, genannt Hambali, erkennen können: Der Drahtzieher der Terroranschläge auf Bali 2002 hielt sich lange Zeit in Kambodscha auf und wollte das Land am Mekong zum Ausgangspunkt für Attentate in ganz Südostasien nutzen. Hambali gehörte der US-amerikanischen Regierung zufolge der kuwaitischen Organisation Society of the Revival of Islamic Heritage an, die laut kuwaitischen Offiziellen Verbindungen zu Al-Qaida unterhält (und deswegen auch von den Vereinten Nationen als Partnerorganisation verbannt wurde) und bis heute in Kambodscha aktiv ist. Erst 2008 hatte Kambodschas Regierung 130.000 Hektar Agrarland an Kuwait verpachtet; dafür gab es eine gute halbe Milliarde Dollar und Nebenabsprachen zum Betrieb von Moscheen und Islamschulen.

Nun gibt es freilich keinerlei Befürchtungen, dass derzeit auf kambodschanischem Territorium konkrete Terroranschläge geplant würden. Anlass zur Sorge gebe es allerdings schon, da fragwürdige Institutionen nun aus dem Revival des sunnitischen Islams ihren eigenen Nutzen ziehen wollen. Es sei zu befürchten, dass es Versuche geben könnte, die keineswegs zum Extremismus neigenden Cham gerade vor dem Hintergrund ihres historischen Schicksals aufzuwiegeln und zu radikalisieren. Misstrauen könnte den Cham in Zukunft entgegengebracht werden, da niemand genau weiß, was eigentlich genau bei ihnen intern abläuft. Fundamentalismus bleibe in Südostasien eine starke Kraft, so die britische Wochenzeitschrift, und in diesem Zusammenhang sei das gesetzlose Kambodscha alles andere als ein sicherer Hafen.

Veröffentlicht unter Kultur und Religion | Verschlagwortet mit , , | 1 Kommentar

Abgrundlose Gesetzeslosigkeit und Ohnmacht der Bürger

7. Oktober 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

The Asian Human Rights Commission (AHRC), eine 1986 gegründete NGO aus prominenten Juristen und Menschenrechtsaktivisten mit Sitz in Hongkong, beschäftigt sich im Rahmen in ihren neuesten Berichte und Stellungnahmen mit dem Land-Grabbing in Kambodscha.

Das Land Kambodscha sei immer noch in einem Zustand von abgründiger Gesetzeslosigkeit und der gewöhnliche Kambodschaner sei machtlos. Es gebe keine Institutionen, die dem einzelnen Bürger Schutz bieten würden.

Der erste Teil des Berichts stellt fest, dass sich die kambodschanische Polizei in einem rudimentären Stadium der Entwicklung befinde, korrupt und völlig unter der politischen Kontrolle des Regimes und der Mächtigen und Reichen sei. Auch die Gerichte Kambodschas seien korrupt und würden als Instrumente der politischen Kontrolle verwendet, indem oppositionelle Politiker und Bürger, die sich dem Landraub widersetzten, inhaftiert würden. Es gebe keine Institutionen, wo Menschen Beschwerden einreichen oder Hilfe suchen könnten, wenn sie mit Ungerechtigkeit konfrontiert würden.

Lesen Sie den ersten Teil in der englischen Originalsprache: Cambodia — Abysmal lawlessness and the powerlessness of the citizens – Part one

Veröffentlicht unter Menschenrechte | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Kinderprostitution ein einheimisches Problem?

7. Oktober 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier | Keine Kommentare »

Landläufig wird Kinderprostitution in Ländern der dritten Welt mit ausländischen Pädophilen in Verbindung gebracht. Ein auf den ersten Blick eher überraschendes Ergebnis zeitigt eine Untersuchung über Kinderprostitution in Kambodscha: die große Mehrheit der Männer, die für Sex mit Kindern bezahlen, sollen Kambodschaner sein.

Die von der NGO End Child Prostitution, Abuse and Trafficking in Cambodia (ECPAT) in Auftrag gegebene Studie zeigt auf, dass 43 von 44 ehemaligen jugendlichen Prostituierten angeblich mehrheitlich mit kambodschanischen Männern Sex hatten.

Der Bericht schätzt, dass zwischen 49-70 Prozent der Nachfrage nach käuflicher Liebe von einheimischen Freiern stamme. Vor allem sei ein hoher Bedarf nach jungfräulichem Sex festzustellen. In Kambodscha seien viele Männer überzeugt, sich Glück und Wohlstand zu verschaffen, verjüngende Kräfte zu erhalten oder sich gar von HIV/AIDS heilen zu können, wenn sie mit einer Jungfrau schlafen. So bestätigen 13 von 19 jungen Frauen, die ihre Jungfraulichkeit verkauft haben, dass ihre Freier Kambodschaner gewesen seien.

Sex mit einer Jungfrau in Kambodscha kann gemäss Angaben von NGOs bis zu 2000 $ kosten, je nach Alter und Schönheit des Mädchens. Dies ist eine hohe Summe, wenn man bedenkt, dass 30 Prozent der insgesamt 14 Mio. Kambodschaner von weniger als einem halben Dollar pro Tag leben.

Obwohl die Studie in einem sehr kleinen Rahmen durchgeführt worden ist, dürfte sie doch ein realistisches Bild der kambodschanischen Verhältnisse wieder geben.  Die verantwortlichen Regierungsstellen halten sich mit Reaktionen auf diese Ergebnisse (noch) zurück, sind aber überzeugt, dass sie das Problem bereits im Griff haben.

Veröffentlicht unter Gesellschaft | Verschlagwortet mit | Hinterlasse einen Kommentar

Mehr als 600 nach dem Streik entlassene Näherinnen

6. Oktober 2010 | Von Alfred Wilhelm Meier

Vertreter von Gewerkschaften stellen fest, dass mehr als 600 Näherinnen aufgrund ihrer Streikbeteiligung entlassen worden seien. Diese Zahl wird von Arbeitgeberseite als zu hoch beurteilt.

In einer Pressemitteilung hält die CCAWDU (Coalition of Cambodian Apparel Workers Democratic Union) fest, dass noch 131 Gewerkschaftsmitglieder von der Arbeit ausgeschlossen seien, weil ihr Fall noch vor dem Arbeitsgericht hängig sei: das Gericht kläre ab, ob der im letzten Monat durchgeführte Streik für einen höheren Minimallohn rechtens gewesen sei.

Ken Loo, der Generalsekretär der Arbeitgeberorganisation GMAC (Garment Manufacturers Association in Cambodia) hingegen geht von lediglich 358 Textilarbeiterinnen aus, deren Arbeitsverträge wegen Streikteilnahme aufgelöst worden seien. Zudem seien mehrere Näherinnen aufgrund von bereits gefällten Gerichtsurteilen wieder am Arbeiten.

Veröffentlicht unter Menschenrechte, Wirtschaft | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar