Inder wollen Angkor Wat kopieren

Der Hindu-Tempel Angkor Wat ist nationales Symbol Kambodschas und gehört seit 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe. (Foto: Karbaum)

Angkor Wat ist vieles: kambodschanisches Nationalsymbol, architektonisches Wunderwerk, steinernes Zeugnis einer untergangenen Hochkultur, Kronjuwel des Weltkulturerbes, größtes Sakralbauwerk der Erde, einzigartig. Zumindest die letzten beiden Aspekte sind aber nun in Gefahr, da die indische Glaubensgemeinschaft Mahavir Mandir Trust in der letzten Woche angekündigt hat, eine noch größere Kopie des kambodschanischen Originals 40 Kilometer entfernt von Patna, der Hauptstadt des Bundesstaates Bihar im Nordosten Indiens, direkt am Flusslauf des Ganges aus dem Boden stampfen zu wollen. Zumindest der Grundstein ist bereits gelegt worden, insgesamt sind umgerechnet rund 15,5 Mio. Euro für den Bau des Tempels Virat Angkor Wat Ram Mandir veranschlagt.

Und das schmeckt den Hütern des Originals überhaupt nicht. Die Ankündigung sei ein „beschämender Akt“, und man werde es nicht zulassen, dass es zukünftig zwei Versionen von Angkor Wat geben werde, so Regierungssprecher Phay Siphan. Er kündigte Regierungskonsultationen an, bei denen die indischen Kollegen gebeten werden sollen, die Angelegenheit zu lösen. Dabei sorgt er sich wohl nicht nur um die Symbolkraft des Vishnu gewidmeten Hindutempels, sondern wohl auch um die Strahlkraft als Touristenmagnet, der im letzten Jahr immerhin drei Millionen Gäste anzog.

Dennoch verwundert es ein wenig, dass die Kambodschaner auf diese Ankündigung mit so wenig Gelassenheit und nicht nur in der Regierung, sondern auch im Internet wie bei KI-Media hochgradig emotional reagieren. Zwar würden die Franzosen wohl auch nicht jubilieren, wenn die Russen den Eiffelturm kopierten, aber bei den Khmer wurde offenbar ein wunder Punkt getroffen: Dem Land fehlt nach wie vor das Selbstvertrauen einer geeinten Nation, die es sehr gerne sein will, aber offensichtlich (noch) nicht ist. Abgesehen davon, dass Nachahmung immer noch die ehrlichste Form der Anerkennung darstellt, hätte allein ein Blick auf die Fakten die Gemüter in Phnom Penh beruhigen können:

Kein (internationaler) Tourist schaut sich lieber eine Kopie als das Original an. Außerdem bietet der archäologische Park Angkor weitere Sensationen wie den Bayon oder Ta Prohm.

Der Charme der achthundert Jahre alten Details, insbesondere der Apsaras und der Bas-Reliefs, wird unmöglich zu kopieren sein.

Die Kopie wird kein nationales Symbol sein, sondern religiöse Pilgerstätte – und damit zu Angkor keine Konkurrenz darstellen.

Der Nachbau wird wohl kaum die Größe von Angkor Wat erreichen: Das pyramidale Bauwerk entspricht dem mythischen Ramayana-Epos und erstreckt sich mit seinen Außenmauern und Wassergräben auf knapp zwei Quadratkilometer.

Und vor allem: Die veranschlagten Kosten werden nicht im Entferntesten ausreichen, um den Tempel zu errichten.

Die Khmer sind also gut beraten, in Zukunft etwas gelassener und souveräner auf Meldungen dieser Art zu reagieren. Denn sie sind und bleiben die Hausherren von Baudenkmälern, die zu den atemberaubendsten der Welt gehören. Und daran wird keine Kopie der Welt etwas ändern!

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Stellvertretende Regierungschefin deckt Schützen von Bavet

Die gute Nachricht vorab: Die 21-jährige Buot Chinda, die durch die Schüsse des Stadtgouverneurs von Bavet am 20. Februar am schwersten verletzt worden war, ist aus dem Krankenhaus entlassen worden. Während es ihr körperlich den Umständen entsprechend besser geht, sind die seelischen Wunden noch längst nicht verheilt. Wie die Phnom Penh Post weiter berichtet, glauben anonyme Informanten aus den Reihen der örtlichen Polizei ganz genau zu wissen, wo sich der gesuchte Chhouk Bandith aktuell aufhält: In der Hauptstadt Phnom Penh in einer der Villen der stellvertretenden Premierministerin Men Sam An. Der Schütze scheint wohl einer ihrer engsten Günstlinge zu sein, den fallen zu lassen sie sich offensichtlich nicht leisten kann. Die 59-jährige ehemalige Politkommissarin der Roten Khmer kam bereits 1976 nach Vietnam, ehe sie ab 1979 in ihrer Heimat Teil der von Hanoi abhängigen Regierung wurde. Danach stieg sie schnell zu einer der mächtigsten Frauen des Landes auf und wurde bereits 1985 in den damals noch sehr kleinen Kreis des Politbüros gewählt. Men Sam An genießt größtes Vertrauen in Vietnam, über das kaum ein anderer Politiker Kambodschas verfügt, und soll auch exzellente Beziehungen zu ihrem Chef Hun Sen unterhalten.

Man kann daher nur erahnen, was für ein Machtkampf aktuell hinter den Kulissen geführt wird. Eine „blutige Nase“ hat sich in aller erster Linie Innenminister Sar Kheng zugezogen, der erst aufklärerisch vorgeprescht und dann offensichtlich aus Parteiräson zurückgepfiffen worden war, was sein öffentliches Ansehen nicht gerade gefördert hat. Immerhin hat er sich einen Moment lang der Kultur der Straflosigkeit entgegengestellt, während andere Spitzenpolitiker diesen Schritt nicht mitgehen wollen. Dass damit das Land in seiner rechtsstaatlichen, politischen und sozialen Entwicklung wieder deutlich zurückgeworfen wird, scheinen diese Antagonisten billigend in Kauf zu nehmen. Und das mit Erfolg: Das zuständige Gericht sieht weiter davon ab, gegen Chhouk Bandith einen Haftbefehl auszustellen.

Aus Snuol, immerhin, sind hingegen optimistisch stimmende Nachrichten zu vermelden: In einem ähnlichen Fall wie in Bavet ist nach dem Schützen und seinem Kompagnon, die bereits am 4. Februar dingfest gemacht worden waren, nun auch ein Hintermann der Firma TTY festgenommen worden. Der 47-jährige Un Piseth soll die Schüsse, durch die ebenfalls mehrere protestierende Kambodschaner schwer verletzt worden waren, angeordnet haben. Über welche politischen Kontakte er verfügte, die ihm noch so lange die Freiheit ermöglichten, konnte die Phnom Penh Post allerdings nicht viel berichten.

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Bavet: Zaudern und Zögern

Immerhin: Vor zehn Jahren wäre der Schütze, der Montag vergangener Woche drei Näherinnen verletzte, wohl noch völlig ungestraft davon gekommen. Doch die Zeiten haben sich geändert, und vor allem die hohe Anzahl von Zeugen macht es der Regierung unmöglich, den Vorfall auszusitzen oder unter den Teppich zu kehren. Allerdings bedeutet das allein noch lange nicht, dass die kambodschanischen Ermittlungsbehörden zügig die Aufklärung vorantrieben. Niemand verkörpert die Schwierigkeiten, wenn die Kambodschanische Volkspartei (KVP) gegen einen der ihren vorgehen muss, aktuell besser als Innenminister Sar Kheng: Einen Tag nach der Schießerei in Bavet verkündete er, man habe den Schützen zweifelsfrei identifiziert. Doch diese Aussage zog er kurz danach zurück: Er wisse nicht, wer geschossen habe. Daran hielt er sogar noch fest, als bereits öffentlich heftig über die Täterschaft von Bavets Stadtgouverneur Chhoukh Bandith spekuliert wurde. Sar Kheng, einer von zehn stellvertretenden Premierminister, schloss sich dieser Meinung nun an – und wirkte damit eher als ein Getriebener denn als oberster Polizist.

Denn der Druck kommt nun auch aus Deutschland, denn Sportartikelhersteller PUMA scheint auf einer Anklage von Chhouk Bandith zu bestehen. Doch obwohl nicht weniger als der Produktionsstandort für Schuhe und Textilien auf dem Spiel steht, geht das Zaudern weiter: Meldungen, nach denen der KVP-Politiker festgenommen sei, wurden schnell dementiert; er befindet sich ganz offensichtlich (noch) auf freiem Fuß und versucht, wie die Phnom Penh Post berichtet, seine Haut zu retten: Die durch die Schüsse schwerverletzte Buot Chinda selbst und ihre Familie wurden einmal vom Täter selbst und ein weiteres Mal von sieben Polizisten aus Bavet aufgesucht, die angeblich rund 500 US-Dollar für einen Klageverzicht anboten, die von Men Sam An, einer weiteren stellvertretenden Premierministerin der KVP, aufgebracht worden seien. Unwissend, was sie da unterzeichnen, sollen die Betroffenen in der Tat formal zugestimmt haben.

In Kambodscha gibt es nach wie vor kein Strafrecht, sondern die Möglichkeit, mit Opfern zivilrechtliche Vereinbarungen zu treffen, die zur Einstellung weiterer Ermittlungen führen. Trotz des immensen Wohlstands derjenigen Täter, die aus dem Umfeld führender Politiker, Unternehmer und Polizei- wie Militäroffiziere stammen, bleiben die Entschädigungssummen – wie in diesem Fall – lächerlich gering. Sar Khengs Zögern kann daher durchaus ein Zugeständnis an den Täter gewesen sein, um ihm genügend Zeit für diese Verhandlungen einzuräumen, einen Sündenbock zu präsentieren oder nach Vietnam zu flüchten. Oder um Legenden vorzubereiten und abzusprechen, wie etwa folgende: Ein Demonstrant habe Chhouk Bandith einen Stein an den Kopf geworfen, der daraufhin Warnschüsse abgeben wollte, wobei er unabsichtlich drei Frauen traf.

Ob und wie die Strafverfolgung weitergeht, ist aktuell nicht absehbar. Wollte man es nach professionellen Gesichtspunkten durchführen, kämen sicherlich noch einige weitere Angeklagte hinzu: Wegen Komplizenschaft, Behinderung der Ermittlungsarbeiten und Strafvereitelung im Amt müssten sich zweifelsohne einige Personen mehr Sorgen um ihre Freiheit machen. Aber das Leben findet ja bekanntlich nicht im Konjunktiv statt.

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Die Rückkehr des Devaraja

Rund zweihundert Studierende und Verwaltungskräfte der Phnom Penh International University beten am 29. Februar ein Bild von Hun Sen und Bun Rany an. (Foto: DAP-News)

Der Begriff des Gottkönigs oder Devaraja entstammt dem Sanskrit und ist ein fester Bestandteil der kambodschanischen Geschichte. Etwa vor tausend Jahren erstmals erwähnt hebt er den monarchischen Herrscher in den Status einer Gottheit – in einer Zeit, in der die angkorianische Hochkultur kurz vor ihrer größten Glanzzeit stand. Die Zeiten, in denen Könige sich haben anbeten lassen, sind allerdings schon lange vorbei. Geblieben sind lediglich das damit verbundene Hierarchie-Konzept der Khmer und die von ihr ausgehenden Grundregeln für das politische wie gesellschaftliche Zusammenleben. (National-)Staatliche Strukturen waren stets sehr schwach entwickelt, der absolute Herrscher galt stets auch als Symbol der Einheit und als Identifikationsfigur. Eingliederung und Unterwerfung unter seinen Machtanspruch und in das Patronagesystem galten daher als wichtiger Hebel der Integration Kambodschas. Ich erlaube mir an dieser Stelle meinen Freund Dr. Yos Phanita, einen der brillantesten Intellektuellen des Landes und führendes Mitglied der Jugendbewegung der regierenden Kambodschanischen Volkspartei (KVP) von Premierminister Hun Sen, aus einem privaten Briefwechsel vom Februar 2012 zu zitieren:

“Independence was granted to Cambodia in 1953 (still recent in society age) from which date a nation and society was to be shaped through. Before that date, it was never clear how the society was organized or how fragmented it was. Soon after, the society was dragged into the Indochina war which was followed by the killing period up until 1979. Natural human needs of sense of society always (I believe) come through the process of identifying (the people who desperately desire to form the society) a strong personality in the society. This could be carried out through a compensative process for society who deprived, for long time, of a pride of a strong leader. Denying Cambodia this natural process is regrettable and unjust.”

Seit langem wird stark unterschätzt, wie tief diese Vorstellungen in der Mentalität der Khmer verwurzelt sind. (Daher bin ich von diesen klaren Worten, die mich an Thomas Hobbes‘ Vertragstheorie – Leviathan – erinnern, überaus angetan; ich kann sie nachvollziehen, auch wenn ich sie von meinem normativen liberalen Standpunkt aus nicht teile – schließlich kam nach Hobbes noch John Locke, einen der Vordenker der Aufklärung.) Und in der Tat  dominieren eher Begriffe wie „Demokratisierung“, „Transformation“ und „Modernisierung“ die öffentliche Debatte, schließlich hat die internationale Gebergemeinschaft inklusive Deutschland seit Anfang der 90er Jahren Milliarden an US-Dollar in eben diese Ziele investiert. Klar ist: Das eine passt mit dem anderen kaum zusammen.

Dieses bemerkenswerte Bild vom 29. Februar entstammt nicht einer besonders mutigen oder ausgesprochen kritischen Quelle, sondern aus einem – von KI-Media glaubwürdig übersetzten – Bericht von den DAP-News, einer Nachrichtenagentur, die der KVP nahesteht. Vor einem großformatigen Wandbild, auf dem Premierminister Hun Sen und seine Gattin Bun Rany zu sehen sind, haben sich rund zweihundert Studierende und Verwaltungskräfte der Phnom Penh International University versammelt, um das Bild (oder die Personen oder ein Idol) anzubeten und einen Kotau zu vollziehen. Hintergrund ist die Untersuchungshaft der Rektorin Tep Kolap und ihres Ehemanns Heng Chheang (dem Vorstandsvorsitzenden der privaten Hochschule), die in einen Rechtsstreit wegen Unterschlagung mit dem Senator und Großunternehmer Kok An (Anco Brothers) wohl den Kürzeren gezogen haben. Die Zeremonie habe dem Zweck gedient, so ein Rechtsprofessor (!), um den Regierungschef um Gerechtigkeit für die Angeklagten anzuflehen und ihre Freilassung auf Kaution zu erbitten, damit diese sich auf das Gerichtsverfahren vorbereiten, sich um ihre Kinder kümmern und ihren Aufgaben an der Universität nachkommen können.

Was sagt uns diese Aufnahme? Ganz offensichtlich scheinen sich die zweihundert Khmer sicher zu sein, dass dieser Weg der Intervention erfolgversprechender zu sein scheint als andere Optionen wie etwa Rechtsmittel oder eine Petition. Man kann daher durchaus davon ausgehen, ein Verhalten zu beobachten, dass auf Erfahrungen und begründeten Erwartungen basiert. Wer das bestreitet, kann keine hohe Meinung von den abgebildeten Menschen haben. Sie handeln also, das kann man bis hierhin unterstellen, durchaus rational – und der Vorfall deckt sich mit vielen inoffiziellen und unbestätigten Berichten von kambodschanischen Führern, die von ihren Untergebenen Unterwerfung und teilweise auch Selbstaufgabe einfordern. Denn das sie das tun, steht außer Frage, von übertriebenen Demutsgesten allein auf Initiative der Bittsteller oder vorauseilendem Gehorsam kann wohl kaum die Rede sein.

Was hat das Ganze mit dem Leitbild einer rechtsstaatlichen Demokratie zu tun, die seit über 20 Jahren in Kambodscha verwirklicht werden soll? Bemerkenswert ist vor allem die Tatsache, dass sich der Vorfall an einer Universität ereignet hat. Dabei besagt eine der größten und lautesten Gebetsmühlen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und Demokratieförderung, dass ein Zuwachs an Bildung das Nonplusultra für die Entstehung eines aufgeklärten und emanzipierten Bürgertums und dadurch in unmittelbar folgender Konsequenz für ein liberales wie demokratisches politisches System und eine pluralistische Gesellschaft darstellt. Für Kambodscha, und daran lässt dieses Bild keinen Zweifel, gilt das so nicht mehr: Das Selbstbild des Untertanen dominiert über den mündigen Bürger, die Zeit scheint sich zurückzudrehen. Aber die Rechnung geht nur auf, wenn man dem Soll die Habenseite gegenüberstellt: Und dort steht ein politischer Führer und seine Frau, die gegen solche öffentliche Demutsszenen zumindest nichts zu haben scheinen und solche im nichtöffentlichen Umgang vielleicht sogar aktiv einfordern.

Und dieses Selbstverständnis ist durchaus dem eines Devarajas ebenbürtig. Fragt sich nur, wie fruchtbar der Boden ist, auf dem es gedeiht.

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Begrüßenswerte Zensurvorschrift

Kambodschas Presse schneidet im regionalen Vergleich ausgesprochen gut ab, die Berichterstattung ist weniger beschnitten und erfreut sich mehr Freiheiten als in fast allen Nachbarstaaten. Doch in absoluten Maßstäben sieht das Bild nicht so rosig aus, denn direkte Eingriffe und eine weitverbreitete Selbstzensur setzen den Journalisten und Redakteuren deutliche Grenzen. Jetzt hat Informationsminister Khieu Kanharith allerdings eine völlig nachvollziehbare Direktive erlassen, die ebenfalls zensorische Absichten verfolgt: Opfer von Verkehrsunfällen oder Gewaltverbrechen sollen laut Phnom Penh Post zukünftig nicht mehr auf Zeitungsfotos erkennbar sein. Kambodschas Printmedien haben sich noch nie gescheut, höchst grausame Fotos ungepixelt zu publizieren. Damit soll nun Schluss sein, das Elend anderer solle nicht weiter zu kommerziellen Zwecken ausgebeutet werden. Die bisherige Praxis, so die Direktive, verstoße nicht nur gegen ethische Grundsätze der Berichterstattung, sondern verletze auch die Persönlichkeitsrechte der Opfer. Dennoch werden die Fotos erst einmal nicht gänzlich verschwinden, ihr Abdruck solle lediglich „vermieden“ werden.

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Schüsse in Bavet: War’s der Stadtgouverneur?

Bereits einen Tag nach den Schüssen auf demonstrierende Fabrikarbeiterinnen am Montag in Bavet, Provinz Svay Rieng, hatte Innenminister Sar Kheng eingeräumt, dass der Schütze zweifelsfrei identifiziert worden sei. Dennoch weigert er sich bis jetzt, den Namen preiszugeben. Auch eine Festnahme des Schützen ist bisher ausgeblieben, wodurch die Spekulationen genährt werden, dass hier ein lokaler Top-Kader der Kambodschanischen Volkspartei (KVP) involviert sein könnte. Insbesondere der Name des Stadtgouverneurs von Bavet fällt auffällig häufig, aber ob Chhouk Bandith tatsächlich der Täter ist, ist nach wie vor nicht zweifelsfrei geklärt. Wie die Phnom Penh Post weiter berichtet, befürchten vor allem Polizisten der unteren und mittleren Dienstränge, dass einer der ihren als Sündenbock ins Gefängnis wandern werde. Aber diese Befürchtung erscheint überaus real, und man kann durchaus davon ausgehen, dass die Präsentation des Täters deswegen auf sich warten lässt, weil die Verhandlungen mit potentiellen Freiwilligen, die die Schuld auf sich nehmen könnten, bisher noch nicht zum Erfolg geführt haben. Wenigstens ist das schwerste der drei verletzten Opfer auf dem Weg der Besserung. Sportartikelriese PUMA, der sich auch in seiner fränkischen Heimat einer kritischen Berichterstattung ausgesetzt sieht, hat immerhin angekündigt, dass ihr Lieferant Kaoway voll für die Behandlungskosten seiner Mitarbeiter aufkommen werde.

Während der Vorfall in Bavet die Aufmerksamkeit auf sich zieht, schwelen andere Konflikte im Land weiter. Besonders angespannt ist die Lage in Kampong Siem, Provinz Kampong Cham. Auch dort protestieren Näherinnen zum teils heftig für bessere Arbeitsbedingungen. Eine Eskalation wie in Svay Rieng soll aber möglichst vermieden werden.

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Duch will aussagen

In seinem Verfahren hatte er sich stets als zuverlässigen Befehlsempfänger dargestellt, als kleines Rad im Getriebe, treu „wie ein deutscher Schäferhund“. Daher ist die Ankündigung, dass Kaing Guek Eav, der als Duch das Foltergefängnis S-21 geleitet hatte, im Prozess 002 gegen die angeklagten Nuon Chea, Ieng Sary und Khieu Samphan aussagen werde, nachvollziehbar. Duch war erst vor drei Wochen zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden, und es schien durchaus vorstellbar, dass der ehemalige Rote Khmer dies als Grund hätte sehen können, die Kooperation mit dem Tribunal einzustellen. Doch der Wille, nicht als Sündenbock für die zwischen 1975 und 1979 begangenen Verbrechen in die Geschichtsbücher eingehen zu wollen, scheint wohl deutlich stärker entwickelt zu sein als die Loyalität zur alten Parteispitze. Und während die ihre Verantwortung weiter leugnet, hat Duch sich nun sogar öffentlich für die von ihm begangenen Gräueltaten entschuldigt – wozu er vor Gericht noch nicht bereit gewesen war.

Unterdessen führt Michiel Pestman, einer der Anwälte von Nuon Chea, seinen Kampf gegen Kambodschas politische Elite unverdrossen fort. Vor zwei Wochen versuchte er, die Rolle des ehemaligen Parteichefs und amtierenden Parlamentspräsidenten Heng Samrin bei der Eroberung Phnom Penhs 1975 vor dem Tribunal zu thematisieren – allerdings ohne Erfolg, da der vorsitzende Richter Nil Nonn dem Angeklagten eine Aussage dazu untersagte. Das Klima zwischen dem Holländer und dem Vorsitzenden scheint mittlerweile zerrüttet zu sein, wie der rüde Tonfall des kambodschanischen Richters nahelegt. (Auch Nancy Cartwright, neuseeländische Richtern im Hauptverfahren, hat es auf Pestmans Abschussliste geschafft.) Doch weil in Pestmans Verständnis des kambodschanischen Staates Nil Nonn sowieso kein unabhängiger Richter, sondern nur der ausführende Arm von Premierminister Hun Sen ist, knöpft er sich den Regierungschef gleich lieber selbst vor. Obwohl eine gegen Hun Sen und andere Spitzenpolitiker eingereichte Klage im Herbst noch abgewiesen worden war, bleibt Pestman im Angriffsmodus (was, wie die Geschichtsbücher zeigen, nicht viele überlebt haben). Nun hat er auch beim Tribunal beantragt, ein Schnellverfahren gegen den Premierminister zu eröffnen, um „weiteren Schaden“ für Prozess 002 zu verhindern. Hun Sen hatte sich vietnamesischen Medien gegenüber zuvor recht deutlich über die Schuld von Nuon Chea geäußert, was Pestman als wirkungsvolle Einflussnahme auf das Tribunal kritisierte. Doch der gescholtene will sich das nicht gefallen lassen und rief in dieser Woche seine Anhänger dazu auf, dem „internationalen Anwalt“ es nicht durchgehen zu lassen, sich „arrogant“ aufzuführen. Pestman hat sich davon aber ganz offensichtlich (noch) nicht beeindrucken lassen und kündigt an, die von ihm initiierten Verfahren „mehr denn je“ durchziehen zu wollen. Und um keinen Zweifel an seiner Mission aufkommen zu lassen nennt er bei der öffentliche Suche nach einem kambodschanischen Anwalt auch klipp und klar, worum es geht (siehe Zeitungsausschnitt vom 2. Februar 2012).

Freiwillige vor: Hier wird ein Anwalt für eine überaus heikle Mission gesucht.

Doch Pestman ist nicht der selbstlose Advokat, der es sich zum Ziel gesetzt hat, für Kambodscha den Rechtsstaat zu erkämpfen. Das ist für ihn höchstens ein (wenn auch wünschenswerter) Nebeneffekt, denn es geht ihm vor allem darum, Hun Sen und seine Führungsclique so lange zu provozieren, bis diese entnervt den Prozess platzen lassen. Doch das wäre auch der Fall, wenn die Finanzierungslücke über 92 Mio. US-Dollar nicht bald geschlossen wird. Die Entscheidung liegt weiter bei den internationalen Geberstaaten, die noch immer keine Entscheidung getroffen haben. Denn dieser Betrag soll auch die Kosten für die hochgradig umstrittenen Prozesse 003 und 004 beinhalten, gegen die sich die kambodschanische Regierung bisher vehement zur Wehr setzt. Ob ihre Zustimmung erkauft werden kann, ist derzeit offen: 20 der 92 Mio. Dollar sollen an die kambodschanische Seite des hybriden Strafgerichtshof gehen. Vielleicht winkt in den nächsten Tagen dann doch die etwas größere Lösung, die angesichts der zahlreichen Kontroversen überfällig erscheint. Denn die mangelnde Finanzierungsbereitschaft der internationalen Gebergemeinschaft geht einher mit der immer stärker werdenden Einflussnahme der Regierung auf das Tribunal. Stellvertretend für so viele Konflikte ist der Widerstand Kambodschas gegen den neuen Schweizer Ermittlungsrichter Laurent Kasper-Ansermet zum Sinnbild der vielen ungelösten Konflikte geworden, die sich auf die Kurzformal weitgehende Regierungskontrolle vs. unabhängige Richterschaft reduzieren lässt.

Oder auf Geld gegen Gerechtigkeit. Darüber kann auch Duchs Aussagebereitschaft nicht hinwegtäuschen.

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Missing Link

Lygosoma veunsaiensis (Foto: Gabor Csorba, Hungarian Natural History Museum)

Lygosoma veunsaiensis ist der Name der Glattechsenart, die jüngst in Kambodschas nordöstlicher Provinz Ratankkiri entdeckt wurde. Benannt ist sie laut Conservation International nach dem Naturschutzgebiet Veun Sai-Siem Pang, wo sie entdeckt wurde. Südostasien gilt als wahres Eldorado für Biologen, die neue Arten entdecken wollen.

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PUMA am Pranger: Schüsse auf Fabrikarbeiterinnen

Zerknittertes Image: Während bei den westlichen Konsumenten für hippe Lifestyle-Produkte geworben wird, geht es bei PUMAs kambodschanischen Näherinnen mit 61 US-Dollar Monatslohn ums nackte Überleben. (Foto: Karbaum)

Drei schwerverletzte junge Frauen, von denen eine derzeit um ihr Leben kämpft: In der Stadt Bavet, Provinz Svay Rieng, an der Grenze zu Vietnam sind am Montag Kambodschaner, die sich gegen ihre prekären Lebensverhältnisse zu wehren versuchen, wiederholt praktisch zum Abschuss freigegeben worden. Wie die Phnom Penh Post berichtet, hatten rund 6000 Näherinnen ihren Arbeitsplatz der Kaoway Sports Factory verlassen, um geringfügige Lohnerhöhungen – insgesamt 25 US-Dollar monatlich als Ergänzung des Mindestlohns von 61 US-Dollar – einzufordern. Die Schüsse wurden übereinstimmenden Augenzeugenberichten von einem Mann in Polizeiuniform abgegeben, der wahllos in die Menge feuerte. Eine Näherin wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen in das Calmette-Hospital nach Phnom Penh gebracht, andere werden derzeit noch vor Ort versorgt.

Nachdem der zunächst friedliche Protest außer Kontrolle zu geraten schien – zuvor waren Steine geworfen, Reifen in Brand gesetzt und Firmengebäude zum Teil besetzt worden –, rückten bewaffnete Ordnungskräfte in zwei Mannschaftswagen an. Der Schütze schien kein amoklaufender Wahnsinniger gewesen zu sein, da er – sofern man den Augenzeugen glauben mag – von zwei weiteren Männern schützend flankiert wurde und anschließend ungehindert mit einem Toyota Camry entkommen konnte. Ein Polizeisprecher schloss allerdings aus, dass der Täter, nach dem jetzt gefahndet wird, Polizist sei. Der örtliche Polizeichef sprach sogar vom Schützen als einem Mann in weißem T-Shirt, der erfolgreich „in den Wald“ geflohen sei, obwohl Polizei und Protestierende gemeinsam versucht hätten, seiner habhaft zu werden – Baron Münchhausen wäre sicher stolz auf diesen Schüler gewesen.

Am Pranger steht aber nicht nur der taiwanesische Arbeitgeber, sondern auch der deutsche Sportartikelgigant PUMA, der in Bavet Schuhe anfertigen lässt. Die prominente Oppositionspolitikerin Mu Sochua betonte gegenüber der Phnom Penh Post die direkte Verantwortung der Herzogenauracher:

“Does PUMA want its name to be tainted by the blood of workers in Cambodia? These are young women who want nothing more than $10 for transportation and an extra 50 cents for their food.”

Aufgescheucht von so viel Negativ-Publicity sah sich der Konzern auch sofort in der Pflicht, ein eher verwirrendes Statement abzugeben. Danach seien die Forderungen der Arbeiterinnen schon am Wochenende akzeptiert und die Proteste wohl nicht von eigenen Näherinnen initiiert worden. Niemand sei schwer verletzt worden, eine Person müsse lediglich noch eine Woche im Krankenhaus bleiben. Chapeau vor so viel Chuzpe, denn von unabhängigen Stellen wurde lediglich bestätigt, dass auch Arbeiterinnen anderer Fabriken der Manhattan Special Economic Zone an den Protesten beteiligt gewesen sein sollen und die Fabrik bis auf weiteres aus Sicherheitsgründen geschlossen bleibt. Da die Stellungnahme direkt aus Mittelfranken kommt, kann man wohl davon ausgehen, dass die Autorin wohl absichtlich desinformiert oder selbst gar nicht im Bilde ist. Und eine weitere wichtige Frage, ob PUMA nämlich damit einverstanden sein kann, jedem Opfer laut ihrem taiwanesischen Lieferanten läppische 500.000 Riel (umgerechnet rund 125 US-Dollar) Entschädigung zahlen zu wollen, ist noch gar nicht beantwortet worden.

Unabhängig von der Involvierung von PUMA ist dieser Vorfall Teil zweier sich überlappender Muster, die seit Jahren beobachtbar sind: Zum einen westliche Bekleidungs- und Schuhersteller, die zu abenteuerlichen Löhnen in Ost-, Süd- und Südostasien produzieren lassen, ohne der eigenen sozialen Verantwortung ausreichend gerecht zu werden. Zum anderen die steigende Bereitschaft der Kambodschaner, sich mit den durch und durch ungerecht weil hochgradig korrupten gesellschaftlichen Verhältnissen nicht mehr abfinden wollen. Anstatt zu kuschen und klein beizugeben, wie es in Kambodscha aus den verschiedensten politischen, persönlichen und kulturellen Gründen nicht allzu selten ist, beginnen die Menschen immer mehr Mut zu fassen und sich gegen die Obrigkeit (von der man aufgrund der Symbiose politischer und wirtschaftlicher Eliten durchaus generell-vereinheitlichend sprechen kann) zur Wehr zu setzen. Das scheint insbesondere an der Perspektivlosigkeit von immer mehr Menschen zu liegen, die langsam erkennen, dass sie nichts zu verlieren haben außer ihrem Leben.

Es ist kein Zufall, dass die Proteste und anschließende Zusammenstöße wie nun in Bavet und zuvor in Snuol oder Borei Keila immer heftiger und häufiger werden. Im Machtkalkül der Herrschenden reichte es meist aus, ein oder wenige Exempel zu statuierten, um viele zu verängstigen und ruhig zu halten. Doch diese Logik scheint nicht mehr aufzugehen: Im kambodschanischen Kessel brodelt es, die soziale Schieflage scheint das Land immer mehr aus der Balance zu bringen. Nicht nur wegen PUMA sollte sich auch Deutschland fragen, welchen Anteil es daran trägt.

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Duch wird sein Gefängnis nie wieder verlassen

Dass Kaing Guek Eav, besser bekannt als Duch, zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, ist in Kambodscha mit großer Genugtuung aufgenommen worden. Die durchaus bestandene Aussicht, er könne in seinem Leben wohlmöglich noch einmal in Freiheit kommen, hatte die wenigen noch lebenden Opfer und die Angehörigen der mindestens 14.000 ermordeten Menschen mit großer Sorge erfüllt. Gemessen an den Taten, die Duch sowohl persönlich begangen als auch als Direktor des Foltergefängnisses S-21 angeordnet hatte, konnte es wohl keine Alternative zur größtmöglichen Strafe geben. Dem Gerechtigkeitsgefühl ist damit zweifelsfrei Genüge getan worden.

Doch das Tribunal, so viel Mühe man sich mit ihm auch macht, ist nicht nur dazu da, die Angeklagten abzuurteilen. Bedauerlicherweise drängt sich dieser Eindruck durch das Urteil der Berufungskammer aber auf, auch wenn sie sich nach Ende der Revisionsverhandlung im März sehr viel Zeit mit dem Richterspruch gelassen hat und dieser damit eigentlich durchdacht sein sollte. Zwei Aspekte wurden von zumindest sechs der neun Richter nicht berücksichtigt: Zum einen hatte Duch mit dem Tribunal kooperiert und trotz seiner vehement behaupteten Unschuld – er sei schließlich nur ein Befehlsempfänger gewesen – bereitwillig Auskunft über die in der ehemaligen Schule Tuol Sleng begangenen Verbrechen Auskunft gegeben. Sein Beitrag zur Aufarbeitung kambodschanischer Geschichte war zwar nicht weltbewegend, hätte ihm aber vor allem im Hinblick auf die sich verweigernden Khieu Samphan und Ieng Sary in Fall 002 durchaus angerechnet werden sollen. Zum anderen, und dieser Fakt wiegt ungleich schwerer, saß Duch insgesamt elf Jahre in Untersuchungshaft, was trotz der Schwere seiner Verbrechen und der völlig zutreffenden Vermutung seiner persönlichen Verantwortung dafür nach rechtsstaatlichen Maßstäben keinesfalls akzeptabel war. Da das Tribunal der Theorie nach auch einen wichtigen Beitrag für die Evolution eines nach fairen und professionellen Gesichtspunkte organisierten Rechtssystems leisten soll, hätte man die Berücksichtigung der Untersuchungshaft im Urteil durchaus erwarten dürfen. Angesichts der immer noch willkürlich langen und auch nach kambodschanischem Recht illegalen Untersuchungshaftbedingungen hätte das Tribunal ein deutliches Zeichen senden und damit zumindest indirekt eine Verbesserung für zahlreiche Angeklagte oder bloß nur Verdächtige im ganzen Land erwirken können.

Dass die Berufungskammer nun festgestellt hat, dass das Urteil der Hauptverhandlung der langen Untersuchungskraft in Relation zur Schwere der begangenen Verbrechen zu starkes Gewicht beigemessen habe, muss wohl kaum als Skandal gewertet werden. Aber allein der Umstand, an dieser Stelle über das Für und Wider des Urteils fachsimpeln zu können, ist nicht selbstverständlich. Die Richterschaft war gespalten, und von der internationalen Seite war es einzig der Japaner Motoo Noguchi, der sich der Meinung der fünf kambodschanischen Kollegen anschloss. Andernfalls wäre die Kammer nicht beschlussfähig und eine weitere massive Enttäuschung über das Tribunal unausweichlich gewesen. Ob das Tribunal eine weitere Verschärfung seiner Krise überhaupt noch überstanden hätte, darf durchaus infrage gestellt werden.

So stehen manche Beobachter nun erleichtert, wenn auch etwas freudlos vor der Botschaft des Urteils. Klar ist allen, dass ein anderes Urteil dem Rechtsempfinden der allermeisten Kambodschaner zutiefst widersprochen und sich sehr negativ auf die Legitimität des Tribunals ausgewirkt hätte – es darf aber dennoch die Frage gestellt sein, was mit dem Urteil „lebenslänglich“ letztendlich wirklich erreicht wurde. Das schlimmste wäre zweifelsohne, wenn Duch zum Sündenbock für das gesamte Regime gemacht werden würde: Das hat er trotz der begangenen Gräueltaten nicht verdient, dafür sind andere zur Rechenschaft zu ziehen. Daher wird das Urteil gegen Duch erst dann einen Sinn ergeben, wenn weitere Top-Kader der Khmer Rouge angeklagt und verurteilt werden.

Immerhin: Das Tribunal hat seine erste Hürde bravourös gemeistert. Dafür verdient es Anerkennung, auch wenn auf den anderen Verfahren bereits ein dunkler Schatten liegt.

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