Modernstes Krankenhaus Kambodschas wird in Kampot eröffnet

Das Krankenhaus aus der Vogelperspektive. Es liegt direkt am Highway Nr. 3, knapp fünf Kilometer südwestlich von Kampot City. (Foto: Sonja Kill Stiftung)

Kambodschas Gesundheitszentren und Krankenhäuser, vor allem in ländlichen Gegenden abseits der Hauptstadt Phnom Penh, sind bekannt für ihre Unterausstattung und für die nicht selten fehlende Kompetenz des Personals. Auch markerschütternde Geschichten über korrupte Ärzte, die Notfallpatienten krepieren lassen, wenn die Aussicht auf Bezahlung fehlt, sind leider nicht selten. Keine Frage, dass Lebensqualität und -erwartung ganz unmittelbar vom Zugang zu ärztlicher Versorgung abhängen. So gesehen ist die inoffizielle Eröffnung – die formelle erfolgt später im April – des Sonja Kill Memorial Hospital for Children (kurz SKMH) in diesem Monat in Kampot ein wesentlicher Schritt in Kambodschas Entwicklung.

Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass die zunächst als ausschließliches Kinderkrankenhaus geplante Einrichtung privat aus Deutschland finanziert wird. Dr. Winfried Kill, Unternehmer des Jahres 2002 aus Bergisch Gladbach, hat bei einer Reise nach Kambodscha die Rückständigkeit erkannt und dann 2007 in Erinnerung an seine bei einem Verkehrsunfall gestorbene Tochter Sonja mit dem Bau begonnen. Erhebliche Turbulenzen während der Wirtschafts- und Finanzkrise bedeuteten zunächst allerdings einen erheblichen Rückschlag, vor allem auch für Kill persönlich. Davon hat sich das Projekt erfreulicher Weise erholen können und wird mit der anstehenden Eröffnung der Ambulanz und der Bettenstation seinen Betrieb langsam hochfahren. In rund zwei Jahren soll das Krankenhaus dann voll ausgelastet sein – mit Chirurgie, Geburtsklinik und Pädiatrie. Obwohl dezentral im Süden direkt an der Küste errichtet, hat das Krankenhaus ein Einzugsgebiet von rund zwei Millionen Menschen – und trotz vorhandener Alternativen dürften angesichts der exzellenten technischen Ausstattung für Behandlungen selbst einige Hauptstädter den Weg ins 170 Kilometer entfernte Kampot antreten.

Das Budget wird im Vollbetrieb rund 1,5 Mio. US-Dollar jährlich betragen. Auch hier steht die Kill-Stiftung mit einer Anschubfinanzierung zur Verfügung. Dennoch gilt der nachhaltige Betrieb des Krankenhauses, in dem auch Erwachsene behandelt werden, als große Herausforderung. Der kambodschanische Staat hat immerhin das mehrere Hektar große Areal kostenlos zur Verfügung gestellt, auf dem der Architekt Hans Haff in einer bemerkenswerten Kombination aus Funktionalität im Bauhaus-Stil und kambodschanischer Architekturtradition das Krankenhaus in Campus-Form errichtete. Die technische Ausstattung genügt modernsten Standards und dürfte auf lange Zeit in ganz Kambodscha konkurrenzlos sein. Allein das Überdrucksystem, das für die Chirurgie installiert wurde, wird mögliche Kontaminationen verhindern. Auch Notfallstromsysteme oder die Trinkwasseraufbereitung gehören zum Besten, was aktuell technisch möglich ist. Die Kosten für Bau und Ausstattung belaufen sich auf acht Millionen Dollar und stellen damit zweifellos eine gewichtige Ergänzung zur staatlichen Entwicklungszusammenarbeit Deutschlands dar, die sich neben ländlicher Entwicklung ebenfalls auf den Gesundheitssektor fokussiert.

Dr. Yos Phanita erklärt das Überdrucksystem der Chirurgie, mit dem die Kontamination des Operationssaals verhindert wird. Das Krankenhaus ist technisch auf dem neusten Stand und wird bei Eröffnung zur modernsten Gesundheitseinrichtung in ganz Kambodscha. (Foto: Karbaum)

Obwohl derzeit noch intensiv um Spenden gebeten wird, ist es das ausdrückliche Ziel, spätestens in fünf Jahren vollständig davon unabhängig zu sein. In einem undemokratischen Land, in dem die Elite Entwicklung nicht mit funktionsfähigen Krankenhäusern und Bildungseinrichtungen gleichsetzt, sondern an der Zahl ihrer Luxusautos und Prunkvillen misst, ist ein solcher Anspruch fraglos nicht einfach zu verwirklichen – wenn auch alternativlos. Daher wird die Behandlung im Krankenhaus nicht kostenlos, aber erschwinglich sein – und wohlhabende Patienten werden deutlich mehr bezahlen müssen als tendenziell mittellose. Die Wirkung des Krankenhauses auf Mütter- und Kindersterblichkeit werde unmittelbar spürbar sein, so Dr. Yos Phanita, Repräsentant der Kill-Stiftung in Kambodscha, in einem lesenswerten Bericht des Southeast Asia Globe. Die Kindersterblichkeitsrate liegt bei 90 Todesfällen pro 1.000 Lebendgeburten – nicht nur achtzehnmal mehr als in Deutschland, sondern auch höher als in fast allen anderen Ländern Südostasiens. Sie zu reduzieren ist ebenso eines der Millenniumsziele Kambodschas wie die Müttersterblichkeit: Auf 100.000 Geburten kommen in Kambodscha derzeit immer noch mehr als 450 Todesfälle, während es in Deutschland nur zwölf sind. Die Fortschritte sind bisher allerdings eher bescheiden, die Erreichung beider Ziele bis 2015 bleibt eher unwahrscheinlich.

Bau und Unterhalt des neuen Krankenhauses lassen allerdings die Hoffnung steigen, dass medizinische Unterversorgung und sterbende Kinder in Zukunft nicht mehr als selbstverständlich hingenommen werden müssen. Das Projekt der Kill-Stiftung stellt dafür nicht nur einen wichtigen Beitrag dar, sondern ist darüber hinaus auch ein Maßstäbe setzendes Beispiel für den Ansatz „Hilfe zur Selbsthilfe“. Viel, sehr viel private Unterstützung wie hier gezeigt ist eher unüblich (vielleicht abgesehen von einigen amerikanischen Milliardären), eröffnet aber ungeahnte Möglichkeiten. Die Kambodschaner werden bald Farbe bekennen müssen, wenn sie selbst die Verantwortung für das Krankenhaus übernehmen. Dahin ist es noch ein weiter Weg, und deswegen gibt Yos Phanita auch unumwunden zu, dass er seinen Landsleuten auch die deutsche Arbeitseinstellung näherbringen möchte. Langfristig müsse der eigenverantwortliche Betrieb („Ownership“),  mit dem erst vor kurzem die erfahrene amerikanische Organisation Hope worldwide betraut wurde, aber in kambodschanische Hände übergehen.

Man kann angesichts der hohen Qualität der Einrichtung durchaus optimistisch sein, was den langfristigen Erfolg des Projekts angeht – auch wenn es in der Entwicklungszusammenarbeit genügend Gegenbeispiele gibt. Denn der Bau eines Krankenhauses ist nur der erste Schritt, der nachhaltige Betrieb aber alle weiteren. Und die werden irgendwann zwangsläufig ohne die Kill-Stiftung gegangen werden müssen.

Die Geburtshilfe soll bis Anfang 2014 eröffnet werden. Noch hat Kambodscha eine der höchsten Säuglings-, Kinder- und Mütter-Sterblichkeitsraten in Südostasien. (Foto: Sonja Kill Stiftung)

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Chevron wird auch 2012 kein Öl fördern

Erst vor wenigen Wochen hatte Premierminister Hun Sen angekündigt, dass ab 12.12 Uhr am 12.12.2012 endlich Öl gefördert werden müsse – andernfalls wolle man dem US-Konzern Chevron die Lizenz in Block A entziehen. Wie die Phnom Penh Post nun berichtet, hat ein Regierungssprecher bestätigt, das dieses Datum nicht mehr zu halten sei. Chevron hat bereits 160 Millionen US-Dollar in Erkundungen und Vorbereitungen investiert, mag sich aber auch knapp neun Jahre nach den ersten Offshore-Funden nicht auf eine endgültige Entscheidung für oder gegen eine Förderung festlegen. Im Laufe des Quartals will der Ölgigant zusammen mit der kambodschanischen Regierung noch eine Erklärung veröffentlichen, ob, wie und gegebenenfalls wann die Aktivitäten im Golf von Thailand in ihre entscheidende Phase treten. Vor allem die Förderbedingungen – das Öl befindet sich nicht in einem einzigen unterirdischen Bassin, sondern verteilt sich auf mehrere Pools – machen es Chevron offensichtlich schwer, zu einer definitiven Entscheidung zu finden. Die soll aber noch in diesem Jahr fallen – sie wird wohl allein auf Basis von Rentabilitätsaussichten gefällt werden, denn technisch scheint die Förderung unproblematisch. Trotz dieser eher schlechten Nachrichten betrachte die Regierung Chevron weiterhin als Partner, so der Sprecher weiter – von einer Kündigung kann also derzeit (noch) keine Rede sein.

Unterdessen haben japanische Experten damit begonnen, in der Provinz Preah Vihear nach Öl zu suchen. Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet, habe die staatliche Japanese Oil, Gas and Metals National Corporation (JOGMEC) mit seismischen Erkundungen begonnen, bei der innerhalb von vier Monaten 1800 Löcher mit einem Durchmesser von sechs Millimetern und einer Tiefe von bis zu zwanzig Metern gebohrt werden sollen. Laut Aussagen der Cambodian National Petroleum Authority (CNPA) sei die Erkundung für Flora und Fauna völlig ungefährlich. Die von der Regierung als Block 17 ausgewiesene Fläche umfasst rund 6.500 km2 in den Provinzen Kampong Thom, Siem Reap und Preah Vihear.

Um den Mineralölbedarf der Gegenwart zu sichern, hat die kambodschanische Regierung unterdessen angekündigt, das Embargo gegen den Iran ignorieren zu wollen und dort ungeachtet des  internationalen Drucks dort Kunde bleiben zu wollen. Für die Zukunft ist sogar geplant, Rohöl aus dem Iran zu importieren, das dann in Kambodscha raffiniert werden soll, bevor es nach China und Südkorea weiterverkauft wird.

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Tribunal in Geldnot

Wäre mit dem deutschen Persönlichkeitsrecht wohl kaum vereinbar: Der Angeklagte Duch wirbt sicherlich alles andere als freiwillig auf diesem offiziellen Plakat des Tribunals für seinen eigenen Richterspruch am Freitag.

Die unendlich anmutende Saga um Macht und Performanz rund um das Khmer Rouge-Tribunal ist eine Facette „reicher“ geworden: Das mehr als 300 Personen starke kambodschanische Kontingent muss derzeit auf seine Entlohnung verzichten. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, stünden die Gehälter „vom Richter bis zum Fahrer“ im Januar noch aus – und auch im Februar und März ist nicht mit einer Auszahlung zu rechnen. Begründet wird der Engpass mit dem Umstand, dass internationale Geber die kambodschanischen Gehälter finanzieren, und die Verhandlungen darüber finden erst im Februar in New York statt. Das internationale Personal ist von diesem Problem hingegen nicht betroffen.

Schon wird gewarnt, dass der Engpass das Personal demoralisieren könne. Wie ein Sprecher betonte, seien die Mitarbeiter auf das Geld angewiesen, schließlich müssten sie ihre Familien unterstützen. Atemberaubende zehn Millionen US-Dollar, so viel wie im letzten Jahr, erwartet die kambodschanische Regierung von den Gebern für 2012 – pro Person also im Schnitt rund 33.000 Dollar. Angesichts des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf  (nominal rund 800 Dollar) und einem offiziellen Armutsanteil von knapp einem Drittel der Bevölkerung wäre es da weit untertrieben, wenn man von viel Geld sprechen würde. Obwohl es ihnen mehr als gut geht, leben die meisten Angestellten dennoch nicht wie die „Maden im Speck“ – sogenannte Kickbacks, so der gängige Anglizismus für die prozentuale Beteiligung von Stellenvermittlern, Vorgesetzten und sonstigen einflussreichen Personen am Gehalt, können die Gehälter bis zu 40% reduzieren. Da geht also viel ab, es bleibt aber – vergleichsweise – immer noch viel übrig.

Insofern trifft dieser Engpass die führenden Regierungspolitiker auch direkt persönlich, da das Tribunal seit seiner Installierung stets als gern gesehene Einnahmequelle gilt. Zufall oder nicht, dass dieses Thema just in dem Moment auf die Tagungsordnung rutscht, in dem sich die Regierung wochenlang standhaft weigert, den neuen internationalen Ermittlungsrichter zu bestätigen. Wegen einer vorgeblichen Twitter-Affäre blieb die Ernennung des Schweizer Laurent Kasper-Ansermet auch im Januar aus, was von UN-Kreisen bereits öffentlich scharf als Rechtsbruch kritisiert wurde. Die Vereinten Nationen halten bisher jedenfalls an ihrem Kandidaten fest und dürften bei der kambodschanischen Regierung damit durchaus für Irritationen sorgen – waren doch UN-Vertreter in der Vergangenheit bei jedem bisschen Druck und Widerstand aus Phnom Penh umgefallen, eingeknickt, zurückgewichen.

Ob es jetzt zu einem Kuhhandel kommt, ist jedoch eher nicht zu erwarten, die üppigen Transfers – wohl auch Steuergelder aus Deutschland – dürften bald wieder fließen. Die Vereinten Nationen als deren Treuhänder werden dennoch die Gelegenheit nutzen, auf eine schnelle Beilegung des Konflikts zu drängen – und vielleicht auch dezent darauf hinweisen, dass Kambodscha im Oktober in den UN-Sicherheitsrat gewählt werden möchte. Da wäre ein wenig mehr Kooperation sicherlich nicht nachteilig, sollte man doch meinen!

Bei diesem ganzen Hickhack könnte man glatt vergessen, dass am Freitag endlich (eineinhalb Jahre nach dem Schuldspruch und fast ein Jahr nach Ende der Berufungsverhandlung) das Appelationsgericht das endgültige Urteil gegen Duch, wie Kaing Guek Eav als Chef des Foltergefängnis S-21 genannt wurde, verkündet wird. Ein weiterer historischer Moment für Kambodscha – man mag wenigstens noch hoffen dürfen, dass das Tribunal diesbezüglich noch einige weitere mehr produzieren wird. An zu wenig Geld kann es jedenfalls definitiv nicht liegen.

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Trotz Flut fährt Kambodscha insgesamt eine gute Reisernte ein

Die Reisanbaumethode SRI verspricht kambodschanischen Bauern höhere Erträge. Bis 2015 soll nach Planungen von Premierminister Hun Sen jährlich sogar eine Millionen Tonne Reis in den Export gehen. (Foto: Isabel M. Lichtnau)

Ein Gastbeitrag von Claudius Bredehöft

Kambodscha ist nach wie vor sehr ländlich geprägt, die überwiegende Mehrheit der Menschen ist in der Subsistenzwirtschaft aktiv. In den letzten Jahrzehnten hat es das Land geschafft, die Ernährungslage erheblich zu verbessern. Dennoch bergen Kambodschas Böden viel Potential, das allerdings noch nicht effektiv genug genutzt wird. Mit geschätzten 8,4 Mio. Tonnen geernteten Reis 2011 gilt Kambodscha als zwölfgrößter Produzent weltweit, liegt im regionalen Vergleich aber weiterhin deutlich hinter den Nachbarn Vietnam (41,5 Mio. Tonnen) und Thailand (30 Mio. Tonnen).

CEDAC´s (Centre d’Etude et de Développement Agricole Cambodgien) Präsident Dr. Yang Sang Koma bestätigt die Schätzung. CEDAC ist Kambodschas größte Nichtregierungsorganisation in der ländlichen Entwicklung. Sie schult Reisbauern nach der Methode SRI (System of Rice Intensification). Die Methode, die eine nachhaltige Nutzung von natürlichen Ressourcen und einen Verzicht auf externe Inputs wie z.B. Kunstdünger oder Pestizide beinhaltet, wurde Anfang der 80er Jahre vom französischen Jesuiten Henri de Laulaine auf Madagaskar entwickelt und erfreut sich seit rund fünfzehn Jahren auch zunehmender Verbreitung in Asien. Durch den Verzicht auf externe Inputs ist Reis nach SRI dem organischen/biologischen Anbau gleichzusetzen.

In der Provinz Takeo erzielte der nach SRI angebaute Reis 2011 durchschnittlich 4,3 Tonnen pro Hektar. Zum Vergleich: Der Durchschnittsertrag in Kambodscha lag 2010 laut Welternährungsorganisation FAO bei 2,9 Tonnen je Hektar. Der organisch produzierte Reis wird von CEDAC national und international vermarktet. Ein internes Kontrollsystem und eine darauf folgende externe Zertifizierung garantieren den  Bio-Standard. Die Landwirte sparen Kosten für Betriebsmittel und bekommen von CEDAC einen Preisaufschlag. „Weniger ist oft mehr“, fasst Dr. Yang Sang Koma zusammen.

Um die Wertschöpfungskette des Bio-Reis vom Feld bis zum Verbraucher in Kambodscha und international aufzubauen, wird CEDAC von der GIZ fachlich unterstützt. Die Landwirte werden in der Produktion, Zertifizierung und Formierung von Produzentengruppen geschult. Die Resultate sind vielschichtig: Der Boden wird nachhaltiger bewirtschaftet, was dem Verlust der Bodenfruchtbarkeit und Erosion vorbeugt. Das Einkommen der Familien wird gesteigert, nicht nur durch Direktverkäufe an CEDAC. Die Produzentengruppen treten selbstbewusster auf dem Markt auf und können auch für weitere landwirtschaftliche Produkte einen höheren Preis in den Verhandlungen mit den Zwischenhändlern erzielen.

Die kambodschanische Regierung plant bis 2015 eine Mio. Tonnen Reis direkt zu exportieren. Das Exportgeschäft von kambodschanischem Reis wurde in der Vergangenheit hauptsächlich durch Vietnam und Thailand getätigt. Dieses lukrative, weil deviseneinträgliche Geschäft soll die kambodschanische Reisbranche nun selbst übernehmen. Dazu wurde auf dem „Cambodia Rice Forum“ im Oktober 2011 mit der Regierung und der Branche über entsprechende Initiativen diskutiert – was auch auf ein hohes öffentliches Interesse stieß. Noch mangelt es an Kapazitäten der Mühlen, die den Reis für den internationalen Markt aufbereiten können. Außerdem sind weitere Investitionen in die Logistikinfrastruktur (Häfen in Sihanoukville und Phnom Penh sowie Straßennetze) erforderlich, um den Reisexport zu steigern. Ziel ist es, den gesamten Exportprozess schneller und kostengünstiger für die involvierten Unternehmen zu machen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Aber auch die Entwicklung einer Identität, einer einprägsamen Marke spielt eine kaum zu unterschätzende Rolle bei dem Versuch, die Weltmärkte zu erobern.

Der mögliche Erfolg des organisch angebauten Reis könnte in den nächsten Jahren durchaus wegweisend für die Ausrichtung weiter Teile der kambodschanischen Landwirtschaft werden. Noch besetzt die ökologische Landwirtschaft in Südostasien zwar nur eine Nische, aber ihr wirtschaftlicher Erfolg könnte angesichts der steigenden Beliebtheit von Bio-Produkten der ganzen Branche zum Durchbruch verhelfen.

Für Kambodschas hochgesteckte Exportziele kann der Bio-Reis in den nächsten Jahren sicherlich noch einen wesentlichen Beitrag leisten. Letztendlich bedeuten diese Anstrengungen eine weitere Möglichkeit, vielen Bauern einen Weg aus der Armut aufzuzeigen. Denn höhere landwirtschaftliche Erträge bedeuten nicht nur mehr Nahrung, sondern auch Zugang zu Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen, der ohne entsprechende finanzielle Mittel leider noch zu häufig versperrt ist.

Claudius Bredehöft ist für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit in Takeo, Kambodscha. Der Agrarökonom berät dabei CEDAC, Kambodschas größte Nichtregierungsorganisation in der ländlichen Entwicklung.

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Jagdszenen in Snuol

Augenzeugen berichteten aus Snuol, auf die Menschen sei geschossen worden "wie auf Tiere". (Foto veröffentlicht auf KI-Media)

Es ist Kambodschas Konfliktmuster par excellence: Einem Unternehmen, in diesem Fall die TTY Co. Ltd., wird durch die Regierung eine Konzession zum Anbau von Kautschuk gewährt. Dass auf dem ausgewiesenen Grund und Boden bereits andere Menschen in aller Regel legale Besitzansprüche geltend machen, führt angesichts der enormen wirtschaftlichen Bedeutung der Fläche für jeden Bauern dann meist zwangsläufig zu existentiellen Konflikten. Wie jetzt in Snuol, Provinz Kratie: Rund 200 Menschen wollten am 18. Januar ihre Kassava-Anbaufläche vor den anrückenden Bulldozern der TTY schützen, die selbige dem Erdboden gleichmachen wollten. Ohne Vorwarnung eröffneten Sicherheitskräfte der Firma mit Kalaschnikows der Baureihe AK-47 das Feuer auf die Menge und verletzten dabei mindestens vier Personen, eine davon schwer.

Die Konzession bezieht sich auf rund 9000 Hektar und wurde 2008 gewährt. Angeblich steht die TTY in Verbindung mit einem Zwei-Sterne-General, der im Verteidigungsministerium tätig ist. Lokale Polizeikommandeure verwehrten sich gegen Vermutungen, die Schützen stammten aus ihren Reihen. Nach ihnen wird derzeit gefahndet, nicht auszuschließen, dass sie bereits in Vietnam untergetaucht sind. Nach dem Beschuss blockierten die Anwohner einen Highway; umfassende Verhandlungsangebote der zuständigen Provinz- Distriktgouverneure wurden laut Phnom Penh Post zurückgewiesen – ein untrügerisches Zeichen, wie wenig die Menschen den Repräsentanten des Staates noch vertrauen.

Gewaltsam ausgetragene Landdispute sind in den letzten Jahren immer häufiger geworden – land-grabbing und Zwangsvertreibungen gelten als die größten gesellschaftlichen Konflikte Kambodschas. Allein auf Basis kambodschanischer Regierungsangaben lässt sich ermitteln, dass bereits mehr als die Hälfte der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche Kambodschas (54,9%, Stand Oktober 2011) als agroindustrielle Landkonzessionen ausgewiesen sind – die Dunkelziffer dürfte hingegen noch höher liegen. Snuol, Borei Keila oder auch Boeung Kak zeigen, dass sich der sorglose Umgang mit Landbesitzrechten zu echten Zeitbomben mit erheblicher Sprengkraft entwickelt – weitere Eskalationsformen sind leider nicht unwahrscheinlich.

Der Anteil agroindustrieller Landkonzessionen (2 Mio. Hektar) und Schürfrechte zur Gewinnung von Bodenschätzen (1,9 Mio. Hektar) an Kambodschas gesamter Landfläche betrug im Oktober 2011 bereits 22 Prozent. (Quelle: Licadho)

 

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Hun Manith wird stellvertretender Geheimdienstchef

Premierminister Hun Sen stärkt weiter die dynastischen Elemente in seinem Land: Nach dem Tod des langjährigen Geheimdienstchef Mol Roeup, der posthum noch zum Vier-Sterne-General befördert wurde, am vergangenen Donnerstag wurde der stellvertretende Kommandeur der Royal Cambodian Armed Forces (RCAF) Chea Dara als sein Nachfolger gekürt. Einer seiner Stellvertreter ist seit Samstag der zweitälteste Sohn des Regierungschef: Hun Manith, gerade einmal 30 Jahre alt, übernimmt damit zweifellos eine Schlüsselposition im internen Machtgefüge von Staat, Militär und Regierungspartei. Nebenbei wurde er noch zum Oberst befördert. Sein vier Jahre älterer Bruder Hun Maneth, der immer wieder als potentieller Nachfolger seines Vaters gehandelt wird, kumuliert als Generalmajor dagegen schon mehrere einflussreiche Positionen: Als stellvertretender Kommandeur der Leibwächtermiliz seines Vaters befehligt er auch die Anti-Terror-Einheit des Militärs und ist stellvertretender Kommandeur des Infanterie-Hauptquartiers. Überdies sollen die beiden Brüder angeblich auch hohen Einfluss in der Anti Corruption Unit (ACU) ausüben.

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Kambodschas Fremdkörper

Ein persönlicher Bericht vom Khmer Rouge-Tribunal

Von Markus Karbaum

Historisch ist es durchaus, was vor den Toren Phnom Penhs seit einigen Jahren geschieht, und obwohl vom Pathos nicht gänzlich umklammert ist es mir dennoch ein wichtiges Anliegen, mir zumindest einmal einen persönlichen Eindruck vom Khmer Rouge-Tribunal zu verschaffen, in dem derzeit gegen die greisen Ex-Führer der unsäglichen Roten Khmer verhandelt wird. Der Gerichtssaal mit 500 Plätzen soll eigentlich an den allermeisten Tagen sehr gut besucht sein, und da das Prinzip „first come, first served“ gilt, mache ich mich mit meiner Frau schon um 7 Uhr auf dem Weg, um auch wirklich zur Verhandlung ab 9 Uhr dabei sein zu können. Als wir nach einer typischen Höllenfahrt durch halb Phnom Penh um kurz vor acht eintreffen, gehören wir zu den ersten vor Ort. Nach dem wir Mobiltelefone und Digitalkamera am Eingang abgegeben haben, betreten wir schon etwas erleichtert das Gelände – eine Rückfahrt mit leeren Händen wäre zweifellos unsere „Höchststrafe“ gewesen. Weiterlesen

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Straßenschlacht am Olympiastadion

90% des Landbesitzes in Kambodscha sei eindeutig und unbestritten, so die landläufige Meinung derjenigen, die dem kambodschanischen Katasterwesen noch etwas Positives abgewinnen können und auch mit dieser Zahl die Investition von Entwicklungshilfe in diesem Bereich begründen. Selbst wenn diese Zahl stimmt: Welches Eskalationspotential in den übrigen 10% steckt wurde am Dienstag in Phnom Penh deutlich: Rund 200 Bewohner der Gemeinde Borei Keila am Olympiastadion lieferten sich Straßenschlachten mit einer Hundertschaft der Polizei, bei der auch Molotowcocktails zum Einsatz kamen. 30 verletzte Anwohner und 34 verwundete Polizisten (andere Quellen sprechen von weniger Verletzten)  – immerhin keine Todesopfer – lautete am Ende die Bilanz der Kämpfe – was angesichts der Heftigkeit durchaus verwundern mag. Die Beschreibung von Zuständen wie in einem „Kriegsgebiet“ (so der Cambodia Daily) ist angesichts der Zerstörungen und brennenden Barrikaden jedenfalls keine Übertreibungen, wie auch diverse Fotostrecken (eins, zwei, drei, vier) zeigen.

Hintergrund des Konflikts ist ein jahrelanger Streit mit der Firma Phanimex, deren Besitzerin Suy Sophan als bestens vernetzt mit der Regierung gilt. Und wenn solche Firmen in Kambodscha Probleme mit unwilligen Menschen haben, die partout nicht bereit sind, ihren Besitz zu räumen, dann wird eben Polizei eingesetzt, um die Geschäftsinteressen durchzusetzen. Konkret geht es in diesem Fall um ein Versprechen der Firma, für die 1776 betroffenen Familien ersatzweise zehn Apartmentblöcke auf zwei Hektar zu bauen. Am Ende hat Phanimex aber nur acht gebaut, was mehr als 300 Menschen in die Obdachlosigkeit führt – oder in sogenannte Ausweichquartiere im Kreis Dangkao, einem unerschlossenen Slum auf der grünen Wiese vor Phnom Penh, mit 99 US-Dollar und 30 Kilogramm Reis. Als Begründung gab die Besitzerin an, die übrigen Familien lebten dort illegal und hätten kein Anrecht auf eine neue Wohnung.

Die Kämpfe, die schließlich mit der Zerstörung der Wohnungen endete, stellen eine neue Qualität in Kambodschas Landkonflikten dar. Das Ende der Fahnenstange dürfte damit aber noch nicht erreicht sein, solange sich eine unheilige Allianz aus Wirtschaft und Politik sich so schamlos am Besitz anderer bedient. Noch verlieren am Ende immer dieselben, wie auch dieses Mal, und sie verlieren alles, ihre gesamte Existenz.

Wie Hohn klingen da die Bemühungen der Stadtverwaltung Phnom Penh, die Hauptstadt im Jahr des ASEAN-Vorsitzes zu verschönern. Konkret bedeutet dies, Straßenprostituierte und Bettler zu vertreiben, letztere vor allem von der Promenade am Tonle Sap. Offensichtlich hat sich dort aber niemand die Frage gestellt, wo die Bettler denn herkommen. Die Zusammenhänge liegen jedenfalls auf der Hand: Solange es in Kambodscha land-grabbing gibt, das immer mehr Menschen in prekäre Situationen bringt, wird das Reservoir an Bettlern nicht versiegen.

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Zwischenruf: Hedonisten in Feierlaune

Von Markus Karbaum

Weihnachten kann man auch in Kambodscha nicht entgehen. Das richtige Flair kommt zwar nicht auf, aber die kitschig-dekadenten Dekorationen amerikanischer Prägung in vielen Geschäften lassen jedenfalls nicht zu, die Feiertage in den Tropen ganz zu vergessen. Doch wer meint, dass hiermit hauptsächlich internationale Arbeitnehmer und Besucher angesprochen werden sollen, irrt: Überraschender Weise feiern gerade in der Hauptstadt Phnom Penh viele junge Khmer das Weihnachtsfest. Dass der christliche Bezug dabei total fehlt, versteht sich von selbst – aber wer wird schon mit religiösen Steinen werfen, wenn er im Glashaus des säkularisierten Heimatlandes sitzt. Also gilt wie bei fast allen anderen jungen Menschen auf dem Globus auch bei den Kambodschanern: Zum Feiern braucht man einen Anlass und keinen Grund. Und da machen überraschend viele mit.

Dieses Prinzip wurde am Silvesterabend sogar noch deutlicher. Khmer, die es abends meist gar nicht so lange krachen lassen, waren auch ohne privates Abfeuern von Feuerwerk und Böllern noch weit nach Mitternacht auf den Straßen, zumindest in ihren teuren Luxusfahrzeugen. Wie schon eine Woche vorher war es also nicht das Wochenende, das zufällig auf die Feiertage fiel, sondern tatsächlich der Datumswechsel auf 2012, der zum Feiern animierte. Was, zugegeben, mehr Fragen aufwirft als die Partylaune zu Weihnachten. Einerseits ist es durchaus möglich, die Ausgelassenheit als weiteren Schritt der sozioökonomischen Normalisierung Kambodschas zu sehen, in dem zumindest viele Hauptstädter Armut und die Schrecken der Vergangenheit langsam ablegen. Getreu dem Motto: Feiert, ihr habt’s euch verdient! Andererseits beginnt man genau an diesem Punkt zu schlucken: Wie habt ihr es euch denn verdient? Die zum Himmel schreiende Korruption, durch die sich einige Tausend superreiche Familien auf Kosten der in Armut verharrenden Bevölkerungsmehrheit ein Luxusleben ohne Gleichen gönnen können, bleibt auch um Mitternacht ein kaum zu übersehender Schatten.

Was das Ganze mit dem westlichen Neujahr zu tun hat? Nun, es fällt doch auf, dass den Kambodschanern die eigene Kultur, die Sitten, Traditionen und Gebräuche immer weniger wert zu sein scheinen. Neujahr feiert man mittlerweile dreimal im Jahr – westlich, chinesisch und Khmer –, einzig das islamische Neujahrfest hat sich (noch) nicht durchgesetzt, was sich aber angesichts der sunnitischen Minderheit im Land praktisch jederzeit ändern kann. Pardon, nicht „man“, denn nicht wenige Menschen sind so arm, dass sie noch nicht einmal das wichtigste dieser Feste, das Khmer-Neujahr, so feiern können, dass es sich von ihrem tristen Alltag besonders abheben würde. Und so sind Weihnachten und Silvester nicht nur ein Beleg für die immer mehr in die Beliebigkeit abrutschende Kultur der Khmer, sondern dienen dabei auch zum Schaulaufen mehrheitlich egoistischer Hedonisten, die den Materialismus vergöttern und darin weder Maß noch Mitte kennen. Die Bewahrung der eigenen kulturellen Identität, ein Verantwortungsbewusstsein für ihre Landsleute in prekären Situationen durch die Sozialpflichtigkeit von Eigentum und Einkommen oder gar Moralvorstellungen – d.h. die freiwillige Unterwerfung unter sittliche Gesetze, die der Buddhismus in ausreichender Menge bereithält –  haben für die kleptokratische Elite keinerlei Bedeutung.

Das ist es, was Weihnachten und Silvester in Phnom Penh in eindringlicher Weise verdeutlichen.

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Lebensgefährliche Spielsucht

Kambodscha verfügt über drei internationale Attraktionen von Weltformat: Während kulturbegeisterte Besucher in Angkor voll auf ihre Kosten kommen, genießen auch jene Männer auf der Suche nach kurzfristigen zwischengeschlechtlichen Beziehungen das Land in vollen Zügen (zweifellos mit all den damit verbundenen Schattenseiten von Menschenhandel und Zwangsprostitution). Für Asiaten ist aber auch die Dichte der Casinos von entscheidender Bedeutung für die Qualität ihres Reiselands, und auch da hat Kambodscha einiges zu bieten. Vor allem die ausladenden Spielstätten in den Grenzstädten locken viele Pendler an, die nur zu diesem Zweck visumsfrei nach Kambodscha kommen. So profitiert Poipet (Provinz Banteay Meanchey) im Westen von Thailands Casino-Verbot, und im Osten lockt Bavet (Svay Rieng) mit zahlreichen Angeboten vietnamesische Spieler mangels eigener Möglichkeiten über die Grenze.

Bekanntermaßen haben viele Asiaten einen weitaus intensiveren Bezug zu Glücksspielen als der Rest der Welt. Da wird schon mal Haus und Hof verzockt, natürlich fast ausschließlich von Männern, die aufgrund patriarchalischer Strukturen familienintern selten mit Konsequenzen zu rechnen haben (abgesehen vom finanziellen Ruin). Wie gefährlich es allerdings ist, seine Spielschulden nicht bezahlen zu können, führen Berichte aus Vietnam auf brutale Art vor Augen: Ein 18-jähriger Spieler, der seinen Wetteinsatz über umgerechnet 3500 US-Dollar geborgt hatte und nicht zurückzahlen konnte, wurde zusammen mit 20 weiteren Gamblern in dem Casino festgesetzt. Seiner Mutter wurde die Zahlungsaufforderung zusammen mit einem abgeschnittenen Finger zugestellt – zumindest einem anderen säumigen Spieler soll sogar ein Ohr abgetrennt worden sein. Da die Familie innerhalb von fünf Tagen das Geld auftreiben konnte, rettete sie damit dem Teenager das Leben: Die Drohung, ihn anstelle des Geldes umzubringen und die Organe nach China zu verkaufen, waren durchaus ernst zu nehmen.

In einem anderen Fall händigte ein vietnamesischer Vater seine 13-jährige Tochter als Pfand für seine Spielschulden aus. Das Mädchen verbrachte mehr als einen Monat im Gewahrsam eines kambodschanischen Casinos, wurde aber Ende Dezember „nach erfolgreichen Verhandlungen zwischen der Familie und dem Casino“ wieder freigelassen. Ihre Peiniger hatten der Großmutter, bei der sie nach der Scheidung ihrer Eltern lebt, gedroht, sie an ein Bordell in Thailand zu verkaufen, falls die Spielschuld von umgerechnet 4750 US-Dollar nicht beglichen würde. Dem Kind soll es nach Angaben seiner Familie schon wieder besser gehen und bereits den Schulbesuch wieder aufgenommen haben.

Dass im Osten Kambodschas viele Casinos in der Hand der vietnamesischen Glücksspielmafia sind, ist kein Geheimnis. Dennoch fragt man sich angesichts dieser Berichte, ob die Spielhöllen bereits ein exterritoriales Gebiet darstellen, in denen kambodschanische Gesetze keine Geltung besitzen. Die zwei Berichte lassen erahnen, dass es eine weitaus höhere Dunkelziffer von Opfern geben muss, die nur in zweiter Linie ihrer Spielsucht erliegen oder – wie im Falle des 13-jährigen Mädchens – mitunter selbst gar nichts mit Glücksspiel zu tun haben. Die Notwendigkeit, dass kambodschanische Sicherheitskräfte, ein mutiger Staatsanwalt oder die Anti Corruption Unit (ACU) diesen Sumpf dringend trockenlegen müssen, machen diese beiden exemplarischen Fälle jedenfalls mehr als deutlich.

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